Schorndorf

Mehrere Brände: Voodoo-Verdächtiger soll verschwinden

Brand schorndorf_0
Beim Brand am 5. Dezember 2014 in Schorndorf ist eine Rentnerin gestorben. © ZVW/Sarah Utz

Schorndorf. Eine Frau ist vor gut drei Jahren in einem Schorndorfer Hochhaus bei einem Brand gestorben. Für den Brand verantwortlich soll eine Familie sein, die im selben Haus gelebt hat und dort noch heute ein- und ausgeht. Diese Leute zündeln und wollen Dämonen durch Wasserrohre jagen, wird kolportiert: Voodoo in Schorndorf? Die Hochhaus-Nachbarn wollen nur eins: niemanden von denen jemals wieder sehen. Nun befasst sich das Amtsgericht mit dem Fall.

Die Vorgeschichte: Am 5. Dezember 2014 hat es im Rehhaldenweg in Schorndorf gebrannt. Dichter Rauch zog ins Treppenhaus. Eine Rentnerin konnte sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen: Sie starb.

Das Feuer war in einer berüchtigten Wohnung in diesem Hochhaus entstanden. Dort hatte es vor dem folgenschweren Feuer im Dezember 2014 schon mehrfach gebrannt, wurde seinerzeit offiziell bestätigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Brandlegung. Das Verfahren wurde eingestellt; ein Beschuldigter sei nicht nachzuweisen, hieß es im Januar 2016. Trotz umfangreicher Ermittlungen reichten die Erkenntnisse offenbar nicht aus, um eine Anklage auf den Weg zu bringen.

Unfassbar aus Sicht der Nachbarn im Hochhaus: Der Besitzer der Wohnung, von welcher seinerzeit der Brand ausging, gehe noch heute dort ein und aus. In seiner Wohnung könne er wegen der Brandschäden bis heute nicht leben. Die Familie sei bei Verwandten in Schorndorf untergekommen. Im Hochhaus schaue der Wohnungsbesitzer oft nach der Post, hantiere im Keller – kurzum: Er bewegt sich dort, als sei nie etwas geschen, berichten Nachbarn. Und wenn es wieder brennt im Haus, was dann?

Nachbarn wollen Beklagten zum Wohnungsverkauf zwingen

Von Voodoo-Kult war damals und ist noch heute die Rede. Auf sichergestellten Handy-Fotos seien okkulte Praktiken dokumentiert, erzählte man sich im Haus: Die Polizei wollte weder bestätigen noch dementieren.

Die Angst der Nachbarn ist heute so präsent wie damals: „Dass der sich noch ins Haus traut ...“, sagt eine ältere Dame, die sich mit vielen anderen Bewohnern des Hochhauses im Schorndorfer Amtsgericht eingefunden hat. Dort befasst sich nun Richterin Elisabeth Kaliss mit dem Fall: Die Wohnungseigentümergemeinschaft will den Mann mit Hilfe der Justiz zwingen, seine Wohnung zu verkaufen.

Von sich aus wird er das nicht tun, deutet sein Anwalt Gerhard Nickel an. „Eine gütliche Einigung ist nicht möglich“, resümiert Richterin Kaliss nach kurzer mündlicher Verhandlung und kündigt eine Entscheidung für den 22. März an. Zuvor erläutert sie unmissverständlich, wie sie die Sache sieht: Sie hält das Anliegen der Wohnungseigentümergemeinschaft für begründet. Es geht um die „Erhaltung der körperlichen Integrität der Hausbewohner“.

Brandursache: Fahrlässigkeit oder Vorsatz

Ferner beruft sich Richterin Elisabeth Kaliss auf die Ermittlungsakten, wonach der Brand seinerzeit fahrlässig oder vorsätzlich verursacht worden sei. Ein technischer Defekt oder Ähnliches war damals ausgeschlossen worden; eine der drei Personen, die sich zum Zeitpunkt, als das Feuer ausbrach, in der Wohnung aufgehalten haben, muss den Brand verursacht haben, so die Richterin in der Verhandlung. Ob dies vorsätzlich geschehen sei oder nicht, müsse nicht nachgewiesen sein. Im „Folgehaus“ sei es zu weiteren Brandvorfällen gekommen, bemerkt die Richterin mit Blick auf die übergangsweise neue Bleibe des Beklagten. Ihr Fazit: „Man muss eine negative Prognose stellen.“

Beklagten-Anwalt Gerhard Nickel vertritt eine andere Sicht: Wie der Brand genau entstanden sei, „wissen wir tatsächlich nicht“. Sein Mandant halte entsprechende Vorwürfe für „unbegründet“.

Der Hinweis der Wohnungseigentümergemeinschaft, man habe Interessenten für die Wohnung, läuft ins Leere: Der Beklagte will offenbar das „Wohnungsentziehungsverfahren“, wie es juristisch heißt, in Gänze durchgezogen sehen.

Psychiatrisches Gutachten Gegenstand der Verhandlung

Derweil trifft Richterin Kaliss eine erste Entscheidung zu seinen Ungunsten: „Die Ermittlungsakte wird zum Gegenstand der Verhandlung gemacht.“ Das bedeutet: Das psychiatrische Gutachten zum Zustand des Beklagten wird nicht geheim bleiben. Anwalt Gerhard Nickel hätte, wie es beim Gerichtstermin hieß, gern erreicht, dass Informationen zur psychischen Verfassung seines Mandanten nicht allgemein bekannt werden.

Klar ist, sonst hätte es zum Termin am Amtsgericht gar nicht kommen müssen: Die Gefahr der Fremdgefährdung scheint nicht als so groß eingeschätzt zu sein, als dass Zwangsmaßnahmen hätten ergriffen werden können.

Nun erwarten die Nachbarn des Mannes mit Spannung den 22. März. Dann entscheidet sich, ob der Beklagte seine Wohnung verkaufen muss oder nicht. Sollte die Entscheidung des Gerichts nicht im Sinne der Bewohnerschaft ausfallen, dann werde man durch alle Instanzen gehen, kündigt eine Nachbarin an, und eine andere wiederholt mit Nachdruck: „Wir wollen nur in Frieden leben. Ohne Angst.“

Voodoo

Was Voodoo überhaupt ist - darum ranken sich Gerüchte, Geschichten, Mythen ohne Ende. Oft geht es im Voodoo-Kult um Opfer-Rituale, um Geistwesen, Dämonen, rituelle Tänze im Trancezustand, in Puppen versenkte Nadeln.

Was genau sich in der Schorndorfer Wohnung abgespielt hat, ist im betreffenden Hochhaus offenbar nicht bekannt: „Es ist niemand dazu eingeladen worden“, hieß es von Klägerseite.