Schorndorf

Mieten entwickeln sich noch moderat

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300 neue Wohnungen sollen künftig pro Jahr in Schorndorf entstehen. An der Krummhaarstraße baut die SWS Eigentumswohnungen. © Ramona Adolf

Schorndorf. Der neue Mietspiegel ist da. Seit Anfang August haben’s Vermieter und Mieter schwarz auf weiß, ob sie richtig liegen. Ungefähr zumindest. Denn meist hinkt der Mietspiegel ja doch hinter der Realität her. Doch als Orientierungshilfe taugt er – und hat neuerdings nicht nur kleinere Wohnungen, sondern auch Mietshäuser in der Übersicht. Außerdem wurden ältere Baujahreskategorien zusammengefasst.

Video: OB Klopfer zum Mietspiegel in Schorndorf

Zwischen zwei und vier Prozent sind die Mieten in den vergangenen zwei Jahren in Schorndorf nach oben geklettert. „Das ist ein moderater Anstieg“, findet Steffen Schultheiß, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement. Unter Federführung von Fachbereichs-Mitarbeiterin Ulrike Steiner-Mulfinger haben die Stadtverwaltung, der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Schorndorf und Umgebung und der Mieterverein Waiblingen und Umgebung den Mietspiegel vom 1. Juli 2014 fortgeschrieben. Angelehnt ist der Schorndorfer Mietspiegel, der mit dem 1. August 2016 in Kraft getreten ist, an den Mietspiegel der Stadt Waiblingen und an die Entwicklung der Nettokaltmiete des Landes Baden-Württemberg. Und die stieg in den vergangenen zwei Jahren im Durchschnitt um knapp 3,5 Prozent.

Sanierte Altbauwohnungen: Mieten steigen mit der Ausstattung

Die stärksten Steigerungen sind in Schorndorf bei älteren Wohnungen bis zum Baujahr 1968 zu verzeichnen. Eine Entwicklung, die sich Steffen Schultheiß so erklärt: „In diese Wohnungen haben die Eigentümer in den vergangenen Jahren häufig investiert und sie aufwendig saniert.“ Und der Trend, so die Beobachtung, gehe nach wie vor hin zu Wohnungen mit mittlerer bis guter Ausstattung.

Da sich viele Wohnungen in den vergangenen Jahren immer mehr angeglichen haben – und aus Gründen einer besseren Übersichtlichkeit – wurden für den neuen Mietspiegel Baujahreskategorien zusammengefasst: Statt „Baujahr 1948 bis 1960“, „Baujahr 1961 bis 1968“ und „Baujahr bis 1968“ gibt es nur noch die Kategorie „Baujahr bis 1968“. Außerdem sind im neuen Mietspiegel auch Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Reihenhäuser aufgenommen – und für die gelten die Mietspiegelaussagen plus einem 25-Prozent-Zuschlag. Ebenso neu in der Übersicht: Kleinwohnungen unter 40 Quadratmeter. Da gerade diese Wohnungen aber sehr gefragt sind, liegen die Mietwerte in der Regel auch über dem Tabellenwert „40 bis 60 Quadratmeter“, und zwar um bis zu ein Prozent pro Quadratmeter.

Bei der Entwicklung des neuen Mitspiegels war es allen Beteiligten wichtig, einerseits bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zugleich zu gewährleisten, dass in Schorndorf weiterhin in Wohnraum investiert wird. Und mag sich die Mietpreissteigerung – zumindest auf dem Papier – noch im moderaten Bereich zwischen zwei und vier Prozent bewegen, die Preise für Eigentumswohnungen in Schorndorf sind deutlich stärker gestiegen.

Jochen Schäfer, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses der Stadt, geht seit 2014 von Steigerungen um die zehn Prozent aus: Lag der Quadratmeterpreis für Neubauwohnungen im Jahr 2014 noch im Durchschnitt zwischen 2600 und 3700 Euro, ist die Kernstadt mittlerweile bei 4000 Euro pro Quadratmeter angelangt. Und selbst in den Stadtteilen, in denen es sich in der Regel etwas günstiger wohnen lässt, sind die Preise beachtlich: Eigentumswohnungen in Weiler werden für 3500 bis 3600 Euro pro Quadratmeter verkauft und in Haubersbronn im Durchschnitt für bis zu 3300 Euro. Von Wertsteigerungen von bis 150 000 Euro innerhalb von zwei Jahren für Wohnungen in Normalgröße, wie sie zum Teil schon für die Nachbarstadt Waiblingen gelten, sei Schorndorf indes aber noch weit entfernt, versichert Schäfer.

Einfach oder qualifiziert

Alle zwei Jahre wird der Mietspiegel in Schorndorf fortgeschrieben, unter Mitwirkung der Stadtverwaltung, des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins und des Mietervereins. Dabei handelt es sich um einen einfachen Mietspiegel, der das Mietpreisgefüge für den frei finanzierten Wohnraum wiedergeben und transparent darstellen will. Er ist eine der gesetzlichen Begründungsalternativen, die den Vertragsparteien die Möglichkeit bietet, die Miete entsprechend der Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage zu vereinbaren. Der Mietspiegel dient auch für den öffentlich geförderten Wohnungsbau als Grundlage für den Mietpreis.

Städte wie Schwäbisch Gmünd oder Esslingen haben einen qualifizierten Mietspiegel, der nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt und von der Gemeinde oder von Interessenvertretern der Vermieter und der Mieter anerkannt worden ist. Er wird alle zwei Jahre der Marktentwicklung angepasst.

Ob es auch für Schorndorf einen qualifizierten Mietspiegel geben kann, soll eine Arbeitsgruppe im kommenden Jahr diskutieren. Bisher, so die Tendenz, waren die Beteiligten aber ganz zufrieden mit der praktikablen Lösung. Die Kosten für einen qualifizierten Mietspiegel belaufen sich pro Jahr auf ungefähr 20 000 Euro. Und: Für OB Matthias Klopfer könnte ein qualifizierter Mietspiegel gar „politischen Sprengstoff“ bieten – und Konsequenzen für die Mieter haben.