Schorndorf

Missbrauchsfälle in SOS-Kinderdörfern: Bisher keine Hinweise zu Oberberken

SOS-Kinderdorf
Das SOS-Kinderdorf will ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche geborgen und behütet aufwachsen können. © ALEXANDRA PALMIZI

Gewalt jetzt auch in SOS-Kinderdörfern: Ein Aufruf der unabhängigen Kommission zur Anerkennung und Aufarbeitung erlittenen Unrechts in Einrichtungen des SOS-Kinderdorfs hat dieses Thema zuletzt schmerzlich ins Bewusstsein gebracht. 160 Hinweise auf Gewalt und Missbrauch sind laut Presseberichten beim SOS-Kinderdorfverein in den vergangenen Jahren eingegangen – von aktuellen und von ehemaligen Betreuten. Drängt sich die Frage auf: Gab es auch Meldungen zum SOS-Kinderdorf in Oberberken? Mussten auch hier Kinder und Jugendliche – seit der Gründung in den 1960er Jahren – Gewalt- und Missbrauchserfahrungen machen?

Bisher gibt es dafür keine Hinweise. Gleichwohl hat Tobias Bauer, zuständiger Pressesprecher des SOS-Kinderdorf-Vereins in München, Verständnis für das Interesse, stellt aber klar, dass Fragen, ob es in einzelnen Kinderhäusern Meldungen gegeben hat, nicht beantwortet werden können. „Für uns steht der Schutz der Kinder und Betreuten im Vordergrund.“ Schließlich müssten – auch wenn die Missbrauchsfälle aufgearbeitet werden sollen – die Kinder, die aktuell in einem SOS-Kinderdorf lebten, geschützt werden. Bevor Stellung bezogen wird, müsse, so Bauer weiter, abgewartet werden, ob und wie viele Meldungen eingehen. „Die unabhängige Kommission wird diese Meldungen dann bewerten und auswerten.“ Für diesen Sommer wird eine erste Einschätzung erwartet, ein endgültiger Bericht ist für Sommer 2024 geplant.

Als Unrecht gilt: Gewalt durch Erwachsene und Übergriffe durch Gleichaltrige

Die Kommission – so ist es im Aufruf formuliert – „hat das Ziel, in Einrichtungen von SOS-Kinderdorf e.V. geschehenes Unrecht herauszuarbeiten“. Als Unrecht gelten dabei körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt durch Erwachsene sowie Übergriffe durch Gleichaltrige. Ein Ziel der Kommission ist außerdem, Empfehlungen für eine Verbesserung des Kinderschutzes in den SOS-Kinderdörfern zu erarbeiten.

Dabei sollen alle Personen einbezogen werden, die während ihres Aufenthalts in Einrichtungen des SOS-Kinderdorfs Unrecht erlitten haben. Es gab bereits etliche Hinweise und Meldungen von betroffenen Personen über eine zentral eingerichtete Anlauf- und Meldestelle. Die Kommission bittet jetzt betroffene Personen, die bisher nicht aktiv geworden sind, sich zu melden, und möchte ihnen damit die Gelegenheit geben, gegenüber der Kommission das erfahrene Unrecht und Leid zu dokumentieren. „Die Kommission weiß“, heißt es in dem Aufruf weiter, „dass es nicht leicht ist, über erfahrenes Unrecht zu berichten, auch wenn die Taten unter Umständen schon lange zurückliegen. Dazu gehören Mut und die Sicherheit, dass die Kommission vertraulich mit den Informationen umgeht.“ Diese Sicherheit garantiert die Kommission.

10.000 Kinder seit den 1960ern in SOS-Kinderdorffamilien aufgewachsen

Die bisher gemeldeten Vorfälle, das stellte unlängst Klaus Schäfer als Kommissionsvorsitzender gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) München dar, reichten bis in die 1960er Jahre zurück. In dieser Zeit wuchsen nach Angaben Schäfers mehr als 10.000 Kinder in Deutschland in SOS-Kinderdorffamilien auf. Rund die Hälfte der Meldungen machten dabei Fälle aus, in denen Kinder und Jugendliche sich gegenseitig Gewalt angetan hätten, so Schäfer weiter. Doch es gebe auch Vorwürfe von Gewalt und sexuellem Missbrauch gegen Betreuer. „Dabei geht es vor allem um Fälle der gewaltgeprägten, sogenannten schwarzen Pädagogik, die es in den 1960er und 70er Jahren in vielen Erziehungseinrichtungen gab.“

Auch das SOS-Kinderdorf in Oberberken wurde in den 1960ern gegründet. Aktuell leben dort gut 85 Jungen und Mädchen in neun Kinderdorffamilien, vier Wohngruppen und in einer Jugendwohngemeinschaft. In einem Porträt des Kinderdorfs, das auf der Internetseite veröffentlicht ist, heißt es heute: „An diesem sicheren Ort können sie geborgen und behütet aufwachsen. Sie erleben eine vertrauensvolle Atmosphäre, Liebe und Wertschätzung.“

Gewalt jetzt auch in SOS-Kinderdörfern: Ein Aufruf der unabhängigen Kommission zur Anerkennung und Aufarbeitung erlittenen Unrechts in Einrichtungen des SOS-Kinderdorfs hat dieses Thema zuletzt schmerzlich ins Bewusstsein gebracht. 160 Hinweise auf Gewalt und Missbrauch sind laut Presseberichten beim SOS-Kinderdorfverein in den vergangenen Jahren eingegangen – von aktuellen und von ehemaligen Betreuten. Drängt sich die Frage auf: Gab es auch Meldungen zum SOS-Kinderdorf in Oberberken?

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