Schorndorf

Mit Abstand ein rundum gelungener Krämermarkt: Disziplinierte Besucher und glückliche Händler in Schorndorf

Kraemermarktschocorona
Mit Abstand Freude beim Flanieren, Stöbern und Kaufen. Besucher genossen dieses Ereignis in Zeiten der Corona-Pandemie. © Gaby Schneider

Disziplinierte Besucher, glückliche Händler und ein gut aufgegangenes Hygienekonzept in Zeiten der Corona-Pandemie sorgten für beste Laune in der Schorndorfer Innenstadt. „Die Stimmung ist ausgesprochen gut, alles läuft sehr geordnet ab, sowohl bei den Besuchern wie auch bei den Marktbeschickern“ – und das wichtigste in Zeiten des Coronavirus: „Die Abstände sind bombastisch gegeben“, zeigt sich Marina Fischer vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung und verantwortlich für den Ablauf des Krämermarktes zufrieden. Ein Pluspunkt außerdem: Das Wetter spielt mit, die Sonne lacht vom Himmel. Fischer: „Ich glaube, es ist ein Highlight für Schorndorf und für die Besucher in diesem Teil-Lockdown.“


61 Standplätze für die Händler seien im Bewerbungsverfahren vergeben worden, davon fehlten am Mittwochmorgen zehn Marktbeschicker unentschuldigt. Fischer: „Aufgrund Corona hat in diesem Jahr keine Nachvergabe stattfinden können. Somit sind 51 Standplätze auf dem Krämermarkt belegt.“ Wie so oft in der Coronazeit war es ein Abwägen – zwischen gesundheitlichen Risiken für alle und wirtschaftlicher Existenzsicherung für die Beschicker. Letztlich fand der Krämermarkt in Schorndorf statt, trotz seit Wochen steigender Infektionszahlen. Bedenken wegen möglicher Infektionen hatte die Stadtverwaltung im Vorfeld nicht. „Das haben wir uns gut überlegt“, betont der Erste Bürgermeister. In Abstimmung mit dem Landesverband für Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg wurde ein Konzept für die Durchführung erarbeitet.

Socken, Hemdchen, Gardinen, Taschen und Mützen waren genauso zu haben wie Zuckerwatte und gebrannte Mandeln. Das Verkaufsangebot schlechthin: Mund-Nasen-Masken in allen Farben und mit sämtlichen Mustern.

„In diesen Zeiten klammert man sich an jeden Strohhalm“

Zwischen Ständen mit Bürsten, Spätzlebrettern, Schmuck und Nudelholz sitzt Maria Mühlberger an ihrem Verkaufszelt mit Puppenbekleidung auf dem Marktplatz – ein Platz in der Morgensonne. Die Marktbeschickerin aus Schwäbisch Gmünd zieht normalerweise von einem Krämermarkt zum nächsten. Doch weil die Märkte coronabedingt teilweise ausfallen, sei in diesem Jahr „verständlicherweise alles anders“. Sie stricke und nähe seit mehr als 30 Jahren Puppenkleider, habe mit Flohmärkten angefangen und ist jetzt quasi ein „alter Hase“, was das Beschicken von Krämermärkten betrifft. Zuletzt sei sie in Welzheim auf dem Markt gewesen, und für Schorndorf habe sie auch gleich die Zusage gegeben: „Man klammert sich in diesen Zeiten an jeden Strohhalm“, sagt sie.

Corona stelle die Organisation solcher Märkte auf eine harte Probe: „Es ist alles problematischer.“ Sie lobt die Umsetzung in Schorndorf: „Es ist alles gut durchdacht, die Stände stehen auf großem Abstand.“ Und die Besucher? „Es ist toll zu beobachten, wie groß das Interesse ist – und auch die Freude, auf einen Krämermarkt gehen zu können.“

Vieler der Händler kommen schon seit Jahren nach Schorndorf zum Krämermarkt. Einer der Stammbeschicker ist Kai Menzel aus Donauwörth. Er bietet allerlei Lederwaren an. „Die ersten drei Monate des Jahres war ich noch auf einigen Märkten unterwegs“, erzählt Menzel. Dann kam Corona. Bis jetzt war er bei rund 30 Märkten in Städten unterwegs – „in einem ‘normalen’ Jahr wäre ich auf mehr als 200 Märkten zugegen“. Die tolle Atmosphäre und Stimmung – „trotz der verrückten Zeiten gerade“ – gefalle ihm in Schorndorf sehr: „Man merkt den Besuchern die Freude an, rausgehen zu können, ein positives Erlebnis zu haben, in der Sonne zu flanieren, mit anderen auf Abstand ins Gespräch zu kommen.“ Strahlende Augen bewiesen ein Lächeln hinter der Maske: „Das ist viel wert“, sagt Menzel. Der Krämermarkt sei gerade deshalb ein „bisschen mehr als nur ein Markt“.

Die Fläche des Krämermarktes wurde vergrößert, um den nötigen Abstand zwischen den Verkaufsständen sicherstellen zu können, und umfasst in diesem Jahr die gesamte Johann-Philipp-Palm-Straße, die Gottlieb-Daimler-Straße ab der Einmündung Kirchgasse sowie den Oberen und Mittleren Marktplatz. Aber: Glühweinselige Treffen, kleiner Mittagssnack in der Sonne – Fehlanzeige. Imbissstände waren grundsätzlich verboten, um so Gruppenansammlungen zu vermeiden. Eine gemütliche Veranstaltung hatte sich Edgar Hemmerich erhofft – dies wurde erfüllt: „Rundum gelungen“, zieht er das Fazit. Das Hygienekonzept sei voll aufgegangen. Zur Kontrolle der Abstandsregelungen und der Maskenpflicht seien in zwei Schichten insgesamt acht Vollzugsbedienstete im Einsatz gewesen. „Keine Auffälligkeiten“ heißt es den Tag über und die Beamten beobachten „ein definitiv diszipliniertes und rücksichtsvolles Verhalten“. Über Mittag und am Nachmittag herrschte immer noch ein reger Betrieb auf dem Marktplatz. Hemmerich lobt das Verhalten: „Ich bin glücklich und zufrieden, dass alles gut zusammengespielt hat.“

Krämermarkt-Nachricht – keine Ente in der Zeitung

„Ich bin ohne Angst durchgelaufen“, sagt Marita Glenz aus Rudersberg. „Sind wir doch mal ehrlich: Es ist doch hier nicht anders als in einem Supermarkt. Nur, dass wir hier noch einen entscheidenden Vorteil haben: Wir befinden uns unter freiem Himmel.“ Am Stand der Firma Geiger – Holz und Haushaltswaren – fällt Bianca Heinsch aus Winterbach die Auswahl bei den Ausstecherle schwer. Ihr Mann kann ihr nicht helfen und lacht: „Sie ist meine Weihnachtsbäckerin, deshalb muss sie die Ausstecherle selbst aussuchen.“ Das Ehepaar ist froh um ein bisschen Abwechslung: „Immer nur Corona, Corona, Corona. Und alles wird abgesagt. Hier auf dem Krämermarkt hat man gut beobachten können, was unter den besonderen Einschränkungen und Maßnahmen dann doch machbar ist.“

Über seine treue Kundschaft freut sich Robert Reuter aus Großostheim. Er hat seinen Wagen fast am Ende der Johann-Philipp-Palm-Straße aufgebaut – weit entfernt von seinem sonstigen Standplatz: „Aber das ist klar: Es ist alles gut verteilt und auf Abstand aufgestellt.“ Seit fast 40 Jahren ist er unter anderem mit seinen Muffs, Schals, Lammfelldecken und -kissen, mit Filzeinlegesohlen und waschbaren Medizinfellen immer in Schorndorf dabei, wenn Krämermarkt ist. „Wir sind gerne hier, zur Freude unserer Kunden.“ Denn, gibt Reuter zu, der Krämermarkt sei eine schöne Abwechslung, zum Glück habe er durch seine Firma Alternativen, um durch diese Corona-Krise zu kommen. „Wir fertigen ja alles in eigener Herstellung, machen Maßteile und Sonderanfertigungen.“

Neue Alpaka-Socken – darauf habe sie sich schon den ganzen Herbst gefreut, berichtet Anneliese Rothener aus Urbach. Fündig wurde sie bei Robert Reuter. Als sie gelesen habe, dass der Krämermarkt stattfindet, habe sie es erst für eine Ente gehalten: „Aber eine Zeitung dürfte solche Witze in Corona-Zeiten eigentlich nicht machen.“ Umso mehr sei dieser Krämermarkt ein „Lichtblick“ gewesen.

Disziplinierte Besucher, glückliche Händler und ein gut aufgegangenes Hygienekonzept in Zeiten der Corona-Pandemie sorgten für beste Laune in der Schorndorfer Innenstadt. „Die Stimmung ist ausgesprochen gut, alles läuft sehr geordnet ab, sowohl bei den Besuchern wie auch bei den Marktbeschickern“ – und das wichtigste in Zeiten des Coronavirus: „Die Abstände sind bombastisch gegeben“, zeigt sich Marina Fischer vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung und verantwortlich für den Ablauf des

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