Schorndorf

Mit Danton und Agnes ins Abitur

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Letzte Vorbereitungen vor der ersten großen Prüfung – wegen der kühlen Temperaturen auch schon mal mit einer Decke. © Schneider / ZVW
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Nervennahrung und Glücksbringer: Proviant auf dem Tisch eines Abiturienten. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Pünktlich um 8 Uhr fiel für die Abiturienten der beiden allgemeinbildenden Gymnasien der Stadt am Dienstagmorgen der Startschuss für das letzte und wichtigste Kapitel ihrer Schulzeit. 94 Schülerinnen und Schüler des Burg- und 90 aus dem Max-Planck-Gymnasium schrieben ihre Abiturprüfung in Deutsch wieder gemeinsam in der Johann-Philipp-Palm-Halle.

Bereits zum dritten Mal hat die Stadt auf diese Übergangslösung gesetzt. Grund ist der Neubau des Burg-Gymnasiums, der noch mitten im Gange ist. Und solange auf der Baustelle gearbeitet wird, ist den Prüflingen der Baulärm schlicht nicht zuzumuten.

„Das hat sich bewährt“

Daher müssen die Schüler des BG für ihre schriftlichen Prüfungen auf die Grauhalde ausweichen. „Das hat sich bewährt“, sagt BG-Schulleiter Jürgen Hohloch. „Denn dadurch sparen wir an Aufsichten und es fällt weniger Unterricht aus.“ Nur der Sport, das versteht sich, könne während der Prüfungszeit am MPG nicht stattfinden.

„Ganz schön kühl. Aber trotz der vielen Leute locker und entspannt“, beschreibt Jan Reckels, Schüler des Burg-Gymnasiums, die Atmosphäre in der Sporthalle. Er selbst habe ein gutes Gefühl und sieht das Ganze entspannt. Der BG-Schüler hat schon eine Stunde früher, nicht erst um 13.30 Uhr, abgegeben und ein gutes Gefühl, dass er auf jeden Fall eine zweistellige Punktzahl erreichen wird. Entsprechend entspannt und ruhig wirkt der Abiturient. Sein Geheimnis: „Ich habe einfach keine Prüfungsangst.“

„Die Kunst ist es, sich keinen Kopf zu machen.

Groß vorbereitet habe er sich auf das Deutsch-Abitur aber auch nicht. Er wusste schon, dass er sich für den Essay entscheiden wird. „Essays liegen mir. Da ist man freier in der Gestaltung.“ Und nach neun Seiten hatte er schlichtweg alle Thesen über die „Macht der Sprache“, so das Prüfungsthema, dargelegt und seine Klausur abgegeben. Auch sein Neigungsfach Biologie, in dem er am Mittwoch geprüft wird, bereitet ihm kein allzu großes Kopfzerbrechen. Und für die Zeit nach dem Abitur hat er schon ziemlich konkrete Pläne: Er möchte Games Engineering studieren und später Spiele entwickeln.

Auch sein BG-Mitschüler Vincent Kramer blieb entspannt: „Die Kunst ist es, sich keinen Kopf zu machen. Die Nervosität kann einen schon mal mehrere Notenpunkte kosten.“

Entspannter Start mit Deutsch – Respekt vor der Mathe-Prüfung

Von einem guten Gefühl und einer entspannten Atmosphäre sprechen auch die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums. Über ihre Zeit nach der Schule haben sie ganz unterschiedliche Vorstellungen. So haben manche Schüler schon genaue Pläne vom Studiengang und der gewünschten Universität, andere hingegen beschreiben ihre Zukunft eher vage und geben eine grobe Richtung an.

Ein Weg, herauszufinden, wie es weitergeht, scheinen für viele das FSJ und Praktika zu sein. Ina Mühlhäuser - die sich am Dienstag für die Interpretation der Erzählung „Auf der Felsenkuppe“ entschieden hat - vom BG will erst einmal für ein Jahr Praktika absolvieren. „So kann man erst einmal etwas Berufserfahrung sammeln und anschließend schauen, wie es weitergeht.“

Prüfungen „zum Warmwerden“

Niklas Müller hat sich, wie viele seiner Mitschüler, für den Essay entschieden. „Über das Thema kann man halt viel schreiben.“ Der MPG-Schüler ist froh, dass die Prüfungen „zum Warmwerden“ mit dem Fach Deutsch gestartet sind – und nicht mit Mathematik. Um in dem Fach nicht zu unterpunkten, hat sich Müller extra Nachhilfe genommen. Auch in seinem Neigungsfach Sport hat er viel gebüffelt. „Auf jeden Fall“ wolle er damit nämlich später etwas beruflich machen.

Der Neubau am Burg-Gymnasium befindet sich indes „voll im Zeitplan“, sagt Steffen Schultheiß, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement bei der Stadt Schorndorf. Pünktlich zum Beginn des Schuljahrs 2018/19 soll das neue Gebäude bezugsfertig sein. „Es spricht alles dafür, dass das klappt.“ Seit Februar steht der Rohbau. Am 18. Mai ist Richtfest. Auch im kommenden Jahr müssen die BG-Abiturienten in die Johann-Philipp-Palm-Halle ausweichen.

Nächste Woche Mittwoch wird Mathematik geprüft

Die Prüfungen im Fach Deutsch mögen geschafft sein. Doch das ist nur der Anfang. Am heutigen Mittwoch folgen die vierstündigen Neigungsfächer von Biologie bis Gemeinschaftskunde. Und am Freitag sind Englisch-Kenntnisse gefragt. Nächste Woche Mittwoch wird Mathematik geprüft. Donnerstags sind die Russisch-Lerner am Burg-Gymnasium dran. Den Abschluss bildet das Fach Französisch am Freitag nächster Woche. Dann ist zumindest der schriftliche Teil des Abiturs 2017 geschafft.

Mit dem Feiern müssen sich die Abiturienten jedoch noch etwas gedulden. Wie sie abgeschnitten haben, erfahren sie nämlich erst am 26. Juni.

Die Wahl-Aufgaben

1. Interpretation einer Textstelle aus Max Frischs „Homo faber“ und Vergleich des Romans mit Georg Büchners Drama „Dantons Tod“. Untersucht werden sollten die Selbstbilder der Protagonisten.

2. Vergleich der Gedichte „Herbstgefühl“ (Georg Britting) und „Der Herbst des Einsamen“ (Georg Trakl)

3. Eine Interpretation der Erzählung „Auf der Felsenkuppe“ von Christoph Meckel.

4. Das Verfassen eines Essays zum Thema „Die Macht der Sprache“.

5. Analyse und Erörterung des Textes „Wir Tugendterroristen“ von Bernhard Pörksen aus der Wochenzeitung „Die Zeit“. Thema war Pörksens Position zur medialen Verbreitung von Skandalen und die moralische Empörung darüber im Internet-Zeitalter.

Der Aufgaben-Pool

  • Für rund 34 100 Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg haben am Dienstag die Abiturprüfungen begonnen.
  • Zum ersten Mal kamen dabei laut Kultusministerium Aufgaben zum Einsatz, die in einem gemeinsamen Abituraufgabenpool der Bundesländer entwickelt wurden. Die allgemeinbildenden Gymnasien haben jeweils eine Aufgabe in Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik daraus entnommen.
  • Wegen des Einbruchs beim Solitude-Gymnasium in Stuttgart-Weilimdorf, bei dem Unbekannte den Schultresor mit den Abituraufgaben knackten, mussten die Prüfungsaufgaben in den Fächern Mathematik und Englisch durch die Aufgaben des Nachhol-Termins ersetzt werden.