Schorndorf

Mit der Machete elf Autos demoliert

Amtsgericht5_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf/Urbach. Im Rausch hat er auf einem Parkplatz mit einer Machete Autoscheiben eingeschlagen. Wenige Wochen später beleidigte er, ebenfalls im Rausch, zwei Frauen rassistisch und frauenfeindlich. Ein 30-jähriger, mehrfach vorbestrafter Urbacher wurde dafür nun zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat verurteilt – ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung.

Es war fünf Uhr morgens, Dutzende Autos standen noch auf dem Parkplatz der Auerbachhalle in Urbach. Drinnen wurde noch das vietnamesische Neujahrsfest am 14. Februar 2016 gefeiert. Draußen machte sich der Angeklagte mit einem Freund und einer Machete an den Autos zu schaffen. Sie schlugen Autoscheiben ein, sprangen auf Motorhauben, zerstörten Seitenspiegel. Dabei verletzte sich der Freund an einer kaputten Autoscheibe und ließ seine Blutspuren am Tatort zurück, wodurch er letztendlich gefasst werden konnte.

Zwei Jahre später sitzt nun auch der vermutliche Hauptschuldige vor Gericht. Sein damaliger Freund wurde für die Sachbeschädigung, bei der elf Autos demoliert wurden und ein Schaden in Höhe von mehr als 20 000 Euro entstand, bereits zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

"Ich hatte zu viel getrunken"

An die Tat selbst kann sich der Angeklagte nicht mehr genau erinnern. „Ich hatte zu viel getrunken und nichts gedacht“, sagt er. Einen Grund konnte er auch nicht nennen. Sie hätten einfach nur Krawall machen wollen. Wofür er sich im Rückblick schämt: „Letztendlich ist gar nichts daran toll.“

Auch für die Beleidigungen, für die er ebenfalls angeklagt war, konnte er keine plausiblen Gründe nennen. Im April 2016 hat er zwei italienische junge Frauen auf einem Supermarkt-Parkplatz frauenfeindlich und rassistisch beleidigt. In der Folge fühlten sich die beiden Frauen ängstlich und verunsichert. Als Grund für die Beleidigungen nannte der Angeklagte Stress mit seiner Freundin und seine damalige Depression. Außerdem sei er auch an diesem Tag stark alkoholisiert gewesen. Vor Gericht entschuldigte er sich bei den beiden glaubhaft: „Es tut mir leid, das war respektlos gegenüber euch als Frauen.“ So etwas werde nicht mehr vorkommen.

Probleme mit Drogen und Alkohol

Bei beiden Taten war der Angeklagte stark alkoholisiert und kann sich angeblich nicht an den genauen Verlauf erinnern. Der 30-jährige hatte schon häufiger Probleme mit Alkohol und anderen Drogen und musste deshalb bereits an mehreren Therapiegesprächen teilnehmen. Allerdings weigerte er sich, alle drei Gespräche zu besuchen.

Inzwischen habe er seinen Alkohol- und Drogenkonsum reduziert. Er wolle, so sagt er, Verantwortung für seine Familie übernehmen. Zudem habe er - zum ersten Mal in seinem Leben - einen Job gefunden, der ihm Spaß mache und mit dem er auch genug verdiene. Erst kürzlich sei er Vater geworden und nun ernsthaft bemüht, sein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken.

Schon 14-mal vorbestraft

Der 30-Jährige ist bereits 14-Mal einschlägig vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahl, Raub, Beleidigung und versuchter räuberischer Erpressung. Auch wegen des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole wurde er mehrfach verurteilt. Er hat bereits mehrere Freiheitsstrafen verbüßt und steht noch bis April 2019 unter Bewährung.

Da der Angeklagte alle Taten gestand, konnte die Beweisaufnahme schon früh geschlossen werden. Das Gericht hatte nun darüber zu entscheiden, ob der Angeklagte erneut Bewährungszeit erhält.

Eigentlich sei bei dieser Vorgeschichte keine Bewährung mehr möglich, meinte der Staatsanwalt. Allerdings fällt seine Sozialprognose für den Angeklagten eher positiv aus. Er habe sich sehr glaubhaft bei den Italienerinnen entschuldigt und sich Gedanken über seine Aussagen für den Gerichtsprozess gemacht. Außerdem sei er in den letzten beiden Jahren kaum straffällig geworden – und wenn, dann nicht einschlägig. Zuletzt wurde er wegen Schwarzfahrens verurteilt. Und er habe er bei seinem jetzigen Arbeitgeben eine berufliche Perspektive. Der Staatsanwalt plädierte deshalb für eine Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat, ausgesetzt „mit größten Bedenken“ auf drei Jahre Bewährung.

Das Urteil

Auch sein Verteidiger stellte dem Angeklagten eine gute Sozialprognose aus. Der 30-Jährige übernehme Verantwortung für seine Familie, komme pünktlich zur Arbeit, habe sich von seinem alten und kriminell geprägten Freundeskreis gelöst und ein umfassendes Geständnis vor Gericht abgelegt. Damit der Alkohol nicht wieder zum Auslöser für Straftaten wird, solle sich sein Mandant Hilfe bei einer Beratungsstelle suchen. Beim Strafmaß schloss er sich in seinem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an.

Dem folgte auch das Gericht und verurteilte den Angeklagten zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat, ausgesetzt auf eine Bewährungszeit von drei Jahren. Der Angeklagte muss zudem eine ambulante Alkohol- und Drogentherapie und ein Anti-Aggressionstraining absolvieren.

Der Angeklagten steht nun gleich doppelt unter Bewährung und darf sich nicht die kleinste Straftat zu Schulden kommen lassen, da ihm sonst eine Haftstrafe von zwei bis drei Jahren ohne Bewährung droht.

Der 30-Jährige nahm das Urteil an und entschuldigte sich für seine Taten.