Schorndorf

Mit Sophie Schneider aus Schorndorf: "Gott des Gemetzels" in der Forscherfabrik

gottgemetzel
Den friedlichen Halt verlieren auf schwankend zivilisatorischem Boden. Guido Kunkel, Sophie Schneider (aus Schorndorf), Jacqueline Haas (verdeckt) und Jerome Jähnig. © Foursemble

Der Krieg ist weit weg? Und er wird mit Panzern und Granaten ausgetragen? Illusorische Selbsttäuschung unserer Gesellschaft. Der Krieg ist ganz nah! Sein Schlachtfeld ist auch das bürgerliche Wohnzimmer. Und er wird dort mit tödlich verletzenden Worten ausgetragen. Genau darum geht es in dem 2006 erschienenen Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“.

Geschrieben hat es die Französin Yasmina Reza, eine der meistgespielten Autorinnen der Gegenwart. Auch als Verfilmung des Regisseurs Roman Polanski war der Stoff 2011 mit Schauspielern wie Jodie Foster, Kate Winslett und Christoph Waltz ein großer Erfolg. Nun ist es, präsentiert vom Kulturforum, als (bereits ausverkaufte) Aufführung der Stuttgarter Theatergruppe „Foursemble“, am Freitag, 27. Januar, 20 Uhr, in der Forscherfabrik zu sehen.

Konflikt eskaliert

Ein Stück für vier Personen, zwei Ehepaare, die sich bei Kaffee und Kuchen treffen, um eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen ihren beiden Söhnen auf dem Schulhof „vernünftig“ zu klären. Das geht gründlich schief. Die beabsichtigte Klärung gerät aus den Fugen. Der Konflikt eskaliert. Die Gründe: Verletztheiten, Selbstgerechtigkeit und eine schnell getriggerte Gereiztheit bei allen Beteiligten. Und das bei durchaus unklaren Fronten zwischen und innerhalb der beiden Elternpaare.

Als äußerst brüchig erweist sich der Boden der Zivilisation. Und wie Yasmina Reza die Sogkraft der Zerstörung auch in hochgebildeteten Verhältnissen entfaltet, das macht sie zu einer großen, durchaus zu Recht gefeierten Autorin: mit Witz, Eleganz und einem virtuosen Parlando über den Abgründen bildungsbürgerlicher Fassaden.

Der Krieg? Er ist unheimlich komisch. Das Publikum muss bei ihr erschreckt über sich selbst lachen. Und sollte sich hüten zu denken: „Ich bin aber nicht so!“

Mit Sophie Schneider aus Schorndorf

Eine der Schauspielerinnen des Ensembles ist die Schorndorferin Sophie Schneider. Sie hat 2018 die Truppe mitbegründet, die im Stuttgarter Atelier-Theater beheimatet ist. Intendant ist dort der 2001 aus der ehemaligen UdSSR nach Deutschland übersiedelte Regisseur Vladislav Grakovskiy, der auch die Reza-Komödie, die im Oktober 2021 Premiere hatte, in Szene setzte.

Erlös soll ukrainischen Flüchtlingen zugutekommen

Der Erlös der Benefiz-Aufführung soll den ukrainischen Flüchtlingen in Schorndorf zugutekommen. Das ist Sophie Schneider, wie sie sagt, „eine Herzensangelegenheit“. Sie hat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine dreiköpfige Flüchtlingsfamilie bei sich aufgenommen. Und war die Hilfsbereitschaft am Anfang groß, so bemerkt sie nun: „Die Leute sind erschöpft, wollen das nicht mehr mittragen. Das bröckelt jetzt. Es hat auch mit zu wenig Wohnraum zu tun.“ Umso wichtiger ist ihr das unverbrüchliche Zeichen der Solidarität mit den Flüchtlingen durch die Theater-Aufführung.

Die Inszenierung, macht sie neugierig, sei keinem „Realismus“ verpflichtet, sondern arbeite auch mit Pantomime und einem eher magischen Bespielen der Gegenstände des Interieurs. Tulpen spielen eine große Rolle auf dem Schlachtfeld. Boulevard, Komödie, tiefe Tragödie? Yasmina Reza sagt: „Die geistreichsten Menschen sind immer Pessimisten, die sind auch die humorvollsten. Ich habe noch nie mit einem Optimisten richtig gelacht.“

Der Krieg ist weit weg? Und er wird mit Panzern und Granaten ausgetragen? Illusorische Selbsttäuschung unserer Gesellschaft. Der Krieg ist ganz nah! Sein Schlachtfeld ist auch das bürgerliche Wohnzimmer. Und er wird dort mit tödlich verletzenden Worten ausgetragen. Genau darum geht es in dem 2006 erschienenen Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“.

Geschrieben hat es die Französin Yasmina Reza, eine der meistgespielten Autorinnen der Gegenwart. Auch als Verfilmung des Regisseurs Roman

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