Schorndorf

Mit welchen Hürden Rollifahrer im Alltag zu kämpfen haben und was in Zukunft helfen soll

Kai Käfer in seinem Rollstuhl hat große Probleme auf dem Weg Beim Brünnele in Schorndorf, 07.10.2020.
Beim Brünnele sind die Pflastersteine und die Steigung für Rollifahrer eine besonders große Herausforderung. Ohne elektronische Unterstützung seines Rollstuhls könne er den Weg kaum nehmen, sagt Kai Käfer. © Benjamin Beytekin

Kai Käfer ist im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen. Treppen, größere Steigungen oder auch ein kaputter Aufzug sind für den 33-Jährigen echte Hürden. Wo es häufig hapert, zeigt Käfer bei einer Tour durch Schorndorf. Ein digitales Projekt soll künftig manches einfacher machen.

Los geht es in der Fußgängerzone in der Gottlieb-Daimler-Straße. Die vielen Pflastersteine dort gehören zwar zum historischen Stadtbild, doch für Rollstuhlfahrer machen sie das Fortkommen oft mühsam. An den Stellen, an denen die Steine nicht eben nebeneinanderliegen, bleiben die Räder schnell hängen. Es ist ein Rütteln, mit dem sich Kai Käfer über die Fläche bewegt.

Schilder stehen im Weg

Seitlich in der Straße gehe es ganz gut, doch hier stehen oft die Schilder der Einzelhändler auf dem Weg, erzählt Käfer. Christian Bergmann, Fachbereichsleiter für Familie und Soziales bei der Stadt, der sich seitens der Stadt der Tour angeschlossen hat, erklärt, dass dies an vielen Stellen auch gar nicht zulässig sei, man habe einige der Händler bereits darauf aufmerksam gemacht.

Schwierig wird es auch in den kleinen Gassen Schorndorfs, wie etwa der zwischen dem Archivplatz und der Gottlieb-Daimler-Straße. Dort ist der Pflasterstein besonders uneben und der Boden leicht abschüssig. Die kleinen Räder von Kai Käfers Rollstuhl wollen dann nicht so recht wie er. Die Gasse hinauf braucht Käfer die elektrische Unterstützung seines Rollstuhls. Zwar soll der Bodenbelag in der Stadt nach und nach ebenerdiger werden, wie Bergmann erklärt. Doch ein konkretes Jahresziel gibt es nicht. Ein Aktionsplan solle bald im Gemeinderat diskutiert werden. Derzeit finde eine Bestandsaufnahme statt.

Ein Online-Wegweiser soll in Zukunft helfen

Neben Bergmann ist an diesem Vormittag auch Mitarbeiterin Catrin Scholz dabei, sie arbeitet derzeit mit Käfer und einzelnen anderen Ehrenamtlichen an dem Projekt Hürdenlos. Künftig soll eine digitale Plattform Menschen mit Behinderung Auskunft darüber geben, wo sie welche Voraussetzungen vorfinden. Eine Softwarefirma stellt das Gerüst, in Schorndorf wird das Programm dann mit den entsprechenden Daten gefüllt. Unter anderem sollen Rollstuhlfahrer etwa von zu Hause aus prüfen können, ob ein Geschäft barrierefrei ist oder ob es in einem Restaurant eine Behindertentoilette gibt. Das Ganze solle ein Online-Wegweiser werden, erklärt Catrin Scholz.

Fellbach hat bereits gute Erfahrungen gemacht

Andere Städte wie Fellbach hätten damit schon gute Erfahrungen gemacht. Sobald rund 100 Objekte erfasst und vermessen sind, soll die Seite online gehen. Doch die Informationen müssen erst mal zusammengetragen werden und etwa Eingänge und Steigungen vermessen werden. Fünf Ehrenamtliche sind bereits gefunden, nach fünf weiteren wird gesucht. In einer Schulung sollen sie die notwendigen Fähigkeiten erlernen. Unter anderem werden die Freiwilligen beispielsweise in der richtigen Nutzung des elektrischen Neigungsmessers unterrichtet. Er funktioniert so ähnlich wie eine Wasserwaage.


Kai Käfer zeigt in der Stadt Beispiele, die verdeutlichen, wo ein solches digitales Konzept helfen könnte. In den Drogeriemarkt Müller am Marktplatz kommt er beispielsweise ohne Hilfe nicht hinein. Die wenigen Stufen in das Geschäft fallen den meisten Menschen wohl kaum auf, doch für Rollstuhlfahrer wie Käfer werden sie zu einer großen Hürde. Künftig sollen sich Menschen mit Behinderung schon von zu Hause aus informieren können, wo sie einen barrierefreien Zugang vorfinden.

Wenn der Rollstuhl zu kippen droht

Der Rollstuhl von Kai Käfer hat eine elektronische Verstärkung, die ihm den Alltag etwas erleichtert. Doch die Metallrampe, die ihm und anderen Menschen mit Behinderung am Bahnhof zur Verfügung steht, wird in den Wintermonaten zur Gefahr, die elektronische Unterstützung nütze dann auch nichts mehr. Auch kleinere Steigungen seien für viele Rollstuhlfahrer eine Herausforderung, erklärt Kai Käfer. Der Rollstuhl kann schnell ins Kippen geraten, wie Käfer auf der Rampe am Bahnhof gegenüber dem Café Moser zeigt. Nur dank der angebrachten Hinterräder fällt der Stuhl nicht um.

Kai Käfer muss oft Umwege nehmen

Unterwegs in Schorndorf, spricht Käfer über seinen Alltag mit dem Rollstuhl. „Ich muss oft einen Umweg fahren“, sagt er. Nicht nur Stufen seien eine große Hürde, sondern beispielsweise auch Gehwege ohne abgesenkte Bordsteine. Oft müsse er auf der Straße fahren, Autos rauschten dann manchmal nur knapp an ihm vorbei. Besonders in Städten in denen sich Kai Käfer nicht auskennt, sei es oft ein Spießrutenlauf ans Ziel zu kommen. Die Stadt könnte mit dem Projekt Hürdenlos also auch Menschen von außerhalb helfen. Während Programme wie Google Maps etwa auch Fußgängern und Radfahrern einen Weg empfehlen, fehle diese Möglichkeit bisher für Rollstuhlfahrer, sagt Käfer. Sein Traum: das Entwickeln eines solchen Programms. „Für Menschen mit Behinderung gibt es bislang zu wenige solcher Möglichkeiten“, sagt der 33-Jährige.

Große Hilfsbereitschaft

Käfer musste den Umgang mit dem Rollstuhl erst lernen. Vor wenigen Jahren wurde bei ihm die Polyneuropathie diagnostiziert, eine Nervenkrankheit. Oft habe er beispielsweise mit Spastiken in den Händen zu kämpfen, dann sei es besonders schwierig, den Rollstuhl an bestimmten Stellen zu bewegen. Meist begegne er im Alltag sehr hilfsbereiten Menschen, erzählt er. Die Rampe im Bus klappe etwa oft ein in der Nähe stehender Fahrgast aus. Doch manchmal passiere es ihm auch, dass keiner hilft und auch der Busfahrer keine Anstalten macht, zu helfen. Doch das seien Ausnahmen, erzählt er.


Käfer setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. Die Geschäftsführer von Aldi und Lidl habe er etwa kürzlich mit der Bitte kontaktiert, Einkaufswagen anzuschaffen, die sich in den Rollstuhl einklinken lassen. Bislang gebe es solche Wägen nur im Kaufland und Marktkauf, erzählt er. Kai Käfer hat keine Hemmungen anzusprechen, was ihn stört. Nur so bestehe schließlich die Chance, dass sich die Dinge ändern.

Kai Käfer ist im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen. Treppen, größere Steigungen oder auch ein kaputter Aufzug sind für den 33-Jährigen echte Hürden. Wo es häufig hapert, zeigt Käfer bei einer Tour durch Schorndorf. Ein digitales Projekt soll künftig manches einfacher machen.

Los geht es in der Fußgängerzone in der Gottlieb-Daimler-Straße. Die vielen Pflastersteine dort gehören zwar zum historischen Stadtbild, doch für Rollstuhlfahrer machen sie das Fortkommen oft mühsam. An den

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