Schorndorf

Mitarbeiterinnen des Schorndorfer Krankenhauses geben persönlichen Einblick: Nach einem Jahr Pandemie ist der Ausnahmezustand Alltag

Covid Arbeit RMK
Angela Rothermel (links), die leitende Ärztin der interdisziplinären Notaufnahme der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf, und Sabrina Barschtipan (rechts), Bereichsleiterin der Intensivstation und stellvertretende Pflegedienstleitung vor dem Schorndorfer Krankenhaus. © Gabriel Habermann

„Dass trifft Schorndorf nie“, dachte sich Dr. Angela Rothermel, leitende Ärztin der Notaufnahme noch im Februar vergangenen Jahres. Corona war erstmals groß in den Schlagzeilen. Doch leider sollte Rothermel nicht recht behalten. Bei all dem Geschehen im vergangenen Jahr ist ihr vor allem eine Patientin in Erinnerung geblieben. 

„Die Klinik ist momentan sicherer als der Supermarkt“, sagt Angela Rothermel über die aktuelle Situation im Schorndorfer Rems-Murr-Klinikum. Es gebe eine breite Teststrategie, das Virus soll keine Chance zur Ausbreitung bekommen. Die Teststrategie sei in den vergangenen Monaten immer wieder erweitert worden. Sie und Sabrina Barschtipan, Bereichsleiterin der Intensivstation, sprechen per Video-Chat über die aktuelle Lage und das vergangene Jahr in der Klinik.

Jeder Patient, der ins Krankenhaus kommt, muss einen PCR-Test machen, so Rothermel. Anfänglich habe das Ergebnis oft zwei bis drei Tage auf sich warten lassen, erzählt die 44-Jährige. Doch inzwischen gibt es im Krankenhaus ein eigenes Labor. „Jetzt haben wir nach 39 Minuten ein Ergebnis“, sagt die Medizinerin, die bereits seit 2003 in Schorndorf arbeitet. Manchmal sei das überraschend. Man könne den Patienten oft nicht ansehen, ob sie das Virus haben.

Ohne Test kommt keiner mehr ins Krankenhaus

Während die Patienten einen PCR-Test machen müssen, sind für deren Angehörige Schnelltests vorgesehen. Allerdings müssen sie vorher als Bezugsperson gemeldet sein und einen Termin vereinbaren. Nach dem Test dürfe der Angehörige schließlich mit FFP2-Maske rein. Allerdings darf nur eine Person pro Patient und Tag in die Klinik. Außerdem sind die Besuchszeiten von 14 bis 19 Uhr eingeschränkt. Doch die Medizinerin Angela Rothermel macht auch deutlich, dass in besonders schweren Fällen auch Ausnahmen gemacht werden. Die meisten Angehörigen hätten für das Vorgehen viel Verständnis, so die beiden Frauen.

Sie müssen sich ebenfalls regelmäßig testen lassen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen zweimal in der Woche einen Antigen-Schnelltest machen. Das gebe nicht nur allen im Krankenhaus mehr Sicherheit, sondern auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im privaten Umfeld. „Dann kann ich mit einem guten Gefühl nach Hause gehen“, sagt Sabrina Barschtipan.

Corona-Patienten werden in Winnenden behandelt

Nicht nur wegen der breiten Teststrategie ist das Schorndorfer Krankenhaus daher theoretisch coronafrei. Denn Anfang Februar wurden die Strukturen geändert. Corona-Patienten werden seither in die Winnender Klinik verlagert und dort behandelt. Nur in Ausnahmefällen, etwa wenn nachts eine schwer an Corona erkrankte Person kommt, wird sie dann erst am nächsten Tag verlegt. Die Fieberambulanz, in der Menschen mit Corona-Symptomen getestet werden, gibt es aber auch weiterhin.

Doch auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sich infizierte Menschen im Krankenhaus aufhalten, Sabrina Barschtipan und Angela Rothermel tragen in ihrem Berufsalltag dauerhaft FFP2-Masken. Doch daran hätten sie sich inzwischen gewöhnt, meinen die beiden. Angela Rothermel erzählt, wie sie nach ihrer Schicht manchmal auch mit der Maske ins Auto steigt, weil sie ganz vergisst, sie wieder abzusetzen. Sie ist vor allem froh, dass es ausreichend viele Masken gibt. Sabrina Barschtipan gibt ihr recht: „Das ist Alltag geworden, ich fühle mich sicher damit.“ Sie sei vielmehr irritiert, wenn sie beim Einkaufen nach der Arbeit dann jemand ohne Maske sehe. „Das ist ein befremdlicher Anblick“, sagt sie.

Irritiert sind die beiden Frauen auch von den Äußerungen der Corona-Leugner, die in Schorndorf immer wieder demonstrieren. Wenn sie die Schicksale von einigen der Corona-Infizierten und deren Angehörigen kennen würden, dann würden sie sich wohl kaum noch so äußern, meint Sabrina Barschtipan. Kerngesunde junge Sportler hätten teils mit schweren Verläufen behandelt werden müssen. Viele hätten außerdem mit Langzeitfolgen zu kämpfen. Andere hätten die Krankheit wiederum gar nicht überstanden. Barschtipan spricht von einem „nicht guten Ende“.

Auch für Medizinerinnen und Mediziner und Pflegekräfte keine einfachen Situationen. In der Pandemie wurde deshalb auch ein Kriseninterventionsteam gebildet. Man spricht mit Kolleginnen und Kollegen über die Fälle, so die Frauen. Außerdem gebe es Supervisionen. Doch in ihrem Alltag gebe es eben auch Lichtblicke. Manche Patienten seien über Wochen oder sogar Monate auf der Intensivstation gelegen und haben das Haus dann trotzdem laufend verlassen. „Auch das ist Corona“, sagt Sabrina Barschtipan. Das gebe ihr Motivation, schließlich sei sie genau deshalb hier.

„Es ist wirklich Großes geleistet worden“, sagt Rothermel

Durch die Krise sei das Haus zusammengewachsen, meint Ärztin Rothermel. Wenn Menschen etwa neben Corona auch andere Krankheiten haben, dann sei eine gute Zusammenarbeit gefragt. „Es ist wirklich Großes geleistet worden, um die Bevölkerung gut zu versorgen“, sagt die 44-Jährige. Außerdem habe man in den vergangenen Monaten immer wieder umplanen, umbauen und umstrukturieren müssen. Diejenigen Mitarbeiter, die in den vergangenen Monaten für die Corona-Patienten da waren, mussten Schutzkleidung tragen und konnten nicht einfach zwischen den Bereichen wechseln. Die Abläufe, Schichten und Pausen mussten angepasst werden.

Die Notaufnahme, in der Angela Rothermel die Leiterin ist, musste außerdem immer wieder auf Schwankungen in der Patientenzahl reagieren. Während sie und ihre Kolleginnen und Kollegen dort normalerweise 2000 bis 2200 Menschen in einem Monat behandeln, waren es in so manchen Lockdown-Monat nur 1600. Doch langfristig sei das keineswegs eine Entlastung. „Manche sind zu spät mit ihrem Herzinfarkt gekommen, aus Angst vor Corona“, sagt Rothermel. Die Folgen hätten sie dann später auf den verschiedenen Stationen gesehen. Der Zustand mancher Patienten habe sich durch die verzögerte Behandlung zusätzlich verschlechtert. Bei einem Notfall sollten die Menschen daher nicht zögern, in die Notaufnahme zu kommen, so Rothermel.

Bei einem Notfall besser nicht zögern, so die Expertinnen

Dass es einmal zu einer solchen Pandemie kommen könnte, das konnten sich die beiden Frauen vor einiger Zeit noch nicht ausmalen. „Das war bar jeder Vorstellungskraft“, sagt Angela Rothermel. Auch wenn die Medizinerin noch vor etwas über einem Jahr davon ausgegangen ist, dass das Virus um Schorndorf einen Bogen macht, im März kam schließlich die erste Patientin in die Schorndorfer Klinik. Sie hatte aus beruflichen Gründen Kontakt zu Menschen in Wuhan. Als sie ins Krankenhaus kam, das sei eine echte Ausnahmesituation gewesen, berichtet Medizinerin Rothermel. Viele Kollegen hätten sich damals beraten, wie nun mit der Situation umzugehen ist und was zu tun sei. Auch deshalb sei ihr die Frau besonders in Erinnerung geblieben. „Die haben wir wie eine VIP aufgenommen“, erzählt Rothermel.

„Dass trifft Schorndorf nie“, dachte sich Dr. Angela Rothermel, leitende Ärztin der Notaufnahme noch im Februar vergangenen Jahres. Corona war erstmals groß in den Schlagzeilen. Doch leider sollte Rothermel nicht recht behalten. Bei all dem Geschehen im vergangenen Jahr ist ihr vor allem eine Patientin in Erinnerung geblieben. 

„Die Klinik ist momentan sicherer als der Supermarkt“, sagt Angela Rothermel über die aktuelle Situation im Schorndorfer Rems-Murr-Klinikum. Es gebe eine

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