Schorndorf

Mitten in der Stadt: Ein Dutzend Krähennester am Künkelin-Parkhaus

Krähen
Noch stören sie offenbar niemanden: Die Krähennester in den Alleebäumen an der Werderstraße. © ALEXANDRA PALMIZI

Ein Dutzend Krähennester in den hohen Platanen am Künkelin-Parkhaus. Was erstaunt den Blick heben lässt, ist im Grunde gar nicht so ungewöhnlich: Weil Saatkrähen in freier Natur immer weniger geeignete Brutbäume finden, weichen sie vermehrt in die Städte aus. Und da diese Krähenart – anders als die Rabenkrähe – typischerweise in Kolonien brütet, die nach Auskunft des Nabu-Landesverbands durchaus auch einige Hundert Brutpaare umfassen können, ist in den Alleebäumen an der Werderstraße eben nicht nur ein Nest zu entdecken, sondern gleich zwölf.

Dr. Stefan Bosch, Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz beim Nabu Baden-Württemberg, weiß außerdem: Fühlen sich die Krähen an einem Standort wohl und finden sie dort genügend Futter, werden die Bäume auch über einen längeren Zeitraum und immer wieder belegt – auch von den gleichen Paaren: Saatkrähen gehen lebenslange Partnerschaften ein. Und tauchen die Vögel in einem Jahr plötzlich auf, könne das ein Hinweis sein, dass sie von anderer Stelle vertrieben wurden.

Saatkrähen: Einst bei Landwirten als Insektenjäger beliebt

Mögen sich manche auch am scharenweisen, geselligen Auftreten der Vögel stören, am lauten Krächzen und am Kot, der auf parkenden Autos landet – einst waren Saatkrähen durchaus beliebt – bei Landwirten, da sie die Insekten auf ihren Feldern dezimierten. In einem Vogelporträt auf der Nabu-Internetseite ist zur Saatkrähe weiter zu erfahren: Da diese Aufgabe inzwischen Pestizide übernommen haben, weicht die Saatkrähe, die sich als Allesfresser auch Insekten, Schnecken und Regenwürmer schmecken lässt, mittlerweile auch gerne auf Saatgut und Feldfrüchte aus.

Mit einem Vorurteil will der Nabu-Ornithologe aber aufräumen: Auch wenn immer wieder behauptet und befürchtet wird, Rabenvögel würden sich ungehemmt vermehren, das Gegenteil ist der Fall. In vielen wissenschaftlichen Untersuchungen wurden laut Naturschutzbund stabile Bestände nachgewiesen – auch weil jeder Lebensraum nur einer begrenzten Anzahl an Rabenvögeln Quartiere, Brutplätze und Nahrung bieten kann.

Stadt Schorndorf: Aktuell kein Anlass zur Vergrämung

Zum Problemfall sind auch die Saatkrähen am Künkelin-Rathaus noch nicht geworden. Die Stadtverwaltung, kündigt Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich auf Anfrage an, behalte die Population im Blick. An eine Vergrämung, die sowieso nur bedingt möglich ist, werde aktuell nicht gedacht. Bereits im Jahr 2014 hat die Naturschutzverwaltung den Kommunen über den Städtetag „Hinweise zum Umgang mit Saatkrähen im Siedlungsbereich“ an die Hand gegeben – mit folgender Kernbotschaft: Da zunehmender Mangel an geeigneten Brutbäumen in der freien Landschaft sowie Störungen und Verfolgungen die Krähen vermehrt in die Städte und Ortschaften getrieben haben, besteht ein Weg zur Verringerung der Zunahme der Saatkrähenpopulationen in den städtischen Bereichen darin, die Lebensräume in den Außenbereichen wieder attraktiv zu machen.

Ein Dutzend Krähennester in den hohen Platanen am Künkelin-Parkhaus. Was erstaunt den Blick heben lässt, ist im Grunde gar nicht so ungewöhnlich: Weil Saatkrähen in freier Natur immer weniger geeignete Brutbäume finden, weichen sie vermehrt in die Städte aus. Und da diese Krähenart – anders als die Rabenkrähe – typischerweise in Kolonien brütet, die nach Auskunft des Nabu-Landesverbands durchaus auch einige Hundert Brutpaare umfassen können, ist in den Alleebäumen an der Werderstraße eben

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