Schorndorf

Modekette H&M kurz vor der Eröffnung

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Stadtbildprägend: Dieser kantige Neubau wird künftig für die Besucher den Eingang zur Schorndorfer Fußgängerzone bilden. © Gabriel Habermann

Schorndorf. Einfach war es nicht, ein Kraftakt vielmehr: Nach fünf Jahren Mietersuche, Planung und Umsetzung steht der Neu- und Umbau des einstigen Veil-Gebäudes nun kurz vor dem Abschluss. Gut 2000 Quadratmeter Verkaufs- und Arbeitsfläche sind zwischen Höll- und Schulstraße entstanden.

Hektische Betriebsamkeit herrscht um das Gebäude in der Schulstraße 24/26. Mitarbeiter des Textilhändlers H&M sind dabei, letzte Kleidungsstücke einzuräumen. Auch die Handwerker haben noch einiges zu tun. Der Pflasterbelag vor dem Gebäude muss noch verlegt, Rauchmelder in allen Gebäudeteilen müssen installiert werden. Die Zeit drängt, denn am Freitag soll die Filiale bereits eröffnet werden. Stephan Göttker läuft um das Gebäude, wird immer wieder angesprochen, muss Telefongespräche entgegennehmen. Doch der Investor bleibt bei all dem erstaunlich gelassen.

Das Ziel: Mehr Kundschaft in die Innenstadt locken

Ein Projekt solcher Größe hat der Stuttgarter zum ersten Mal bewältigt. „Das war schon ein Kraftakt“, sagt er, nun, da es kurz vor der Vollendung steht. Seit dem Spatenstich im März 2017 ist er quasi jeden Tag vor Ort gewesen. Göttker klingt deswegen aber keineswegs erschöpft. Vielmehr klingt bei ihm der Stolz durch, dass diese Herausforderung endlich gemeistert ist. Und die Schorndorfer Innenstadt an einem der meistfrequentierten Orte künftig einen Händler hat, der, so seine Hoffnung, möglichst viel Kundschaft anlockt. Was nicht nur ihm, sondern der ganzen Stadt zugutekommen würde.

Fast fünf Jahre ist es nun her, dass Stephan Göttker und seine Frau Christine die Immobilie erworben haben, in der einst das Modehaus Veil residierte. Dass dort wieder ein Modegeschäft seinen Platz haben soll, sei von Anfang an klar gewesen. Bei der Suche nach Mietern hätten dann bald auch große Ketten ihr Interesse bekundet.

Architektur auf der Höhe der Zeit

Indes machten diese schnell deutlich, dass die Verkaufsfläche von rund 700 Quadratmetern im Bestand deutlich zu wenig, ein Neubau deshalb unerlässlich sei. Einer, der sich, das war Göttker wichtig, in die Umgebung einfügt und dennoch architektonisch auf der Höhe der Zeit ist.

Doch mit Abriss und Neubau des Gebäudes in der Schulstraße 26 alleine wäre der Raumbedarf von 2000 Quadratmetern, den H&M gefordert habe, nicht zu verwirklichen gewesen. Göttker musste bei der Planung daher auch das denkmalgeschützte Gebäude nebenan miteinbeziehen. Ein für die Hamburger Modekette eher ungewöhnliches Projekt, wie der Investor bemerkt. Vor allem weil dabei von den Standardmaßen abgerückt wurde und die Räumlichkeiten individuell geplant werden mussten.

Die Herausforderung: Der denkmalgeschützte Altbau

Dies sei dann auch die größte Herausforderung gewesen: die Bestandsfläche so zu modifizieren, dass das Gebäude von 1642 in seinen schützenswerten Eigenschaften erhalten bleibt und dennoch für die neue Nutzung tauglich gemacht wird – die strengen Bestimmungen von Brand- und Denkmalschutz stets im Hinterkopf. „Dieser Prozess hat ziemlich lange gedauert“, sagt Göttker. Insgesamt zwei Jahre habe die Planung in Anspruch genommen.

Dass dabei möglichst behutsam vorgegangen wurde, lässt sich bereits von außen sehen. Das Gebäude fußt an der Nordseite auf der alten Stadtmauer. Die war bislang jedoch nicht recht zu sehen, da sie über die Jahre zugegipst, betoniert und überstrichen wurde. Nach der Sanierung ist die alte Mauer nun freigelegt – ein expliziter Wunsch des Bauherrn.

Auch im Inneren des Gebäudes habe man die vorhandenen Strukturen, so weit es geht, beibehalten. Nur wenige Mauern mussten weichen, um Neu- und Altbau miteinander zu verbinden.

Charme kleiner Modegeschäfte

Vor allem im ersten Stock, der zuvor als Büro genutzt wurde, sei die Verkaufsfläche geprägt von alten Holzbalken, die verstärkt, wo nötig repariert und schließlich überstrichen wurden. Was der ersten Etage, die über eine deutlich geringere Deckenhöhe und eine leichte Schräge verfüge, einen eher an kleine Schorndorfer Modegeschäfte erinnernden Charme verleihe.

Im Erdgeschoss hingegen sei der Übergang geschmeidiger gelungen: „Der Laie sieht’s nicht, dass das Gebäude von 1642 ist“, glaubt Göttker. Obwohl auch hier historische Wände erhalten geblieben seien – und man die Originalsäulen lediglich schön verkleidet habe.

Niedriger als der wuchtige Altbau

Der kantige Neubau ist deutlich höher geraten als das im Januar 2017 abgerissene Veil-Gebäude, hat drei Etagen mit Verkaufsfläche und eine kleine vierte für die Technik. Ist damit aber immer noch niedriger als der recht wuchtige Altbau nebenan, wie Göttker betont.

Insgesamt 2045 Quadratmeter Fläche (inklusive Lager und Mitarbeiterräume) wurden bei der Baumaßnahme geschaffen. Auf drei Etagen im Neu- und zwei im Altbau wird ab Freitag verkauft.

„Ein anspruchsvolles Jahr liegt hinter uns“, sagt Stephen Göttker zufrieden lächelnd. Und verrät zumindest so viel: Sein letztes Bauprojekt wird dies in Schorndorf jedenfalls nicht gewesen sein.

Langfristige Investitionen in Schorndorf

  • Stephan Göttker war es nach eigenem Bekunden wichtig, einen Mieter zu finden, der langfristig Interesse am Standort Schorndorf hat.
  • Wie lange die Vertragslaufzeit geht, wie hoch die Miete ist und welche Summe er und seine Frau für den Neu- und Umbau investiert haben – darüber will er jedoch keine Auskunft geben.
  • An Schorndorf haben Christine und Stephan Göttker Gefallen gefunden. Weitere Projekte sind in Planung, aber noch nicht spruchreif. Wobei es kein Geheimnis ist, dass ihnen unter anderem das Eckgebäude Marktplatz/Neue Straße gehört, in dem einst die Deutsche Bank residierte.