Schorndorf

Morsches Gebälk in der Schorndorfer Stadtkirche: Chordachsanierung wird teurer

StadtkircheSchorndorfGeruest
Die Stadtkirche: eingerüstet und notdürftig abgedeckt. © Gaby Schneider

Eingerüstet und mit einem Notdach aus weißer Folie abgedeckt: Seit Mai wird am Chor der Stadtkirche geschafft. Mit Franz Wisotzki kommen jede Woche von Montag bis Donnerstag sieben Zimmermänner aus Rot an der Rot nach Schorndorf, um den Dachstuhl zu sanieren, der so bedrohlich auf das Kreuzrippgewölbe gedrückt hat, dass die Statik der ganzen Kirche gefährdet war. Und obwohl die Sanierungsarbeiten bisher gut vorankommen, eine böse Überraschung gab es für die Kirchengemeinde bereits: Es gibt weitaus mehr morsche Stellen im Gebälk als ursprünglich angenommen. Dazu kommt: Die Hölzer faulen nicht nur von außen, sondern auch von innen heraus.

Das macht mehr Arbeit, bedeutet aber auch höhere Kosten. Lag der Eigenanteil bisher – bei einer Gesamtsumme von 844.000 Euro – für die Gesamtkirchengemeinde bei 321.000 Euro, ist jetzt mindestens mit um ein Viertel gestiegener Kosten für die Zimmermannsarbeiten zu rechnen. Anlass für Pfarrerin Dorothee Eisrich, noch einmal eindringlich an die Spendenbereitschaft der Schorndorfer zu appellieren – und auch daran zu erinnern: „Das ist die Kirche der Stadt.“

Baustellenbesuch in luftiger Höhe und auf schwankenden Bodenbrettern

Dass die Arbeiten auf einem guten Weg sind, davon hat sich Pfarrerin Eisrich jedenfalls schon mehrfach selbst überzeugt. Mit dem wackeligen Baustellen-Aufzug, der an der Südseite der Kirche angebracht ist, hat sie sich schon einige Male nach oben getraut. In schwindelerregender Höhe – Frank Wisotzki spricht von Arbeitseinsätzen auf 22 bis 25 Metern – wagt sie sich immer wieder auch mit Baustellenbesuchern auf den Rundweg über schwankende Bodenbretter. Und auch wenn sie sich mit festem Boden unter den Füßen deutlich wohler fühlt, ihrer Begeisterung für die Arbeit der oberschwäbischen Zimmerleute tut das keinen Abbruch. Spezialisiert auf Kirchendächer und denkmalgeschützte Bauten reisen Frank Wisotzki und seine Männer durch ganz Deutschland – und haben schon an etlichen Kirchen Fehler der Vergangenheit behoben.

So auch in der Stadtkirche: Was hier im Dachstuhl vor allem in den 1970er Jahren angerichtet wurde, darüber kann Wisotzki nur den Kopf schütteln. Nicht nur, dass mit Lindan und PCB gesundheitsschädliche Holzschutzmittel auf die Balken aufgebracht wurden und über eigens gebohrte Löcher sogar in die Hölzer geflossen sind, viele brüchige Balken wurden mit wenig Sachverstand auch einfach nur mit Holzlatten stabilisiert. Methoden, für die dem Experten jedes Verständnis fehlt: Das ist handwerklich nicht nur schlecht gemacht, sondern war – vor allem, was den Einsatz von Holzschutzmitteln angeht – auch unnötig: „Das hat nichts gebracht“, sagt Wisotzki und verweist auf die vielen Balken, die wegen eingedrungener Feuchtigkeit und Insektenbefalls trotzdem morsch geworden sind. Wegen der giftigen Holzschutzmittel, die seit Mitte der 1980er verboten sind, müssen die Zimmermänner immer wieder in Schutzanzügen und mit -masken arbeiten. Das kontaminierte Holz muss sofort abtransportiert werden – auch wenn die Durchlüftung im geöffneten Dachstuhl eigentlich gut ist und zumindest das Arbeiten in der Sommerhitze einigermaßen erträglich macht.

40 Prozent der Fichtenbalken im Chordachgestühl müssen komplett erneuert werden. „In manche Balken“, sagt Wisotzki, „konnte man reingreifen.“ Stellenweise musste die Konstruktion sogar um 15 Zentimeter angehoben werden – so sehr war das Gebälk schon in sich zusammengesackt. Und noch einen Hinweis kann Wisotzki beim Baustellenbesuch geben: Heute werden auch keine Metall-, sondern ausschließlich Holznägel verwendet. Das ist nicht nur handwerklich hochwertiger, sondern auch vom Denkmalschutz so gewollt.

Sogar der erste Sparren des Hauptschiffs ist morsch

Doch wie groß war der Schreck, als sich im Verlauf der Arbeiten herausstellte, dass auch der erste Sparren des Hauptschiffs morsch ist. Doch Wisotzki kann nach eingehender Prüfung beruhigen: „Das Hauptschiff ist intakt.“ Darum werden die Zimmermänner, die nur an vier Tagen arbeiten, damit in der Kirche noch Gottesdienst gefeiert werden kann, den Zeitplan wohl auch einhalten können: Bis November wollen sie alle schadhaften Balken ausgetauscht haben. Dann wird das Dach mit den alten Ziegeln wieder eingedeckt. Für Pfarrerin Dorothee Eisrich ein Lichtblick: „Irgendwann muss es ein Ende haben. Wir wollen in Menschen investieren, nicht nur in Gebäude.“ Doch sie hat auch nicht vergessen, wie entsetzt sie war, als sie die ersten morschen Stellen gesehen hat – und sich bestätigt hat, was eigentlich schon bei der großen Innenrenovierung der Stadtkirche vor zehn Jahren klargeworden ist: „Dass es überfällig war, sieht man extrem deutlich.“

Insgesamt 150 Meter Holz sind seit Beginn der Sanierungsarbeiten im Chordachgestühl schon ausgetauscht worden. Ohne den Kirchbauverein, der sich seit 26 Jahren für die Sanierung der Stadtkirche einsetzt, wäre das alles nicht möglich: 1,66 Millionen Euro hat der Verein in den vergangenen Jahren für die Stadtkirche gesammelt, allein für die Dachstuhlsanierung sind es an die 150.000 Euro.

Eingerüstet und mit einem Notdach aus weißer Folie abgedeckt: Seit Mai wird am Chor der Stadtkirche geschafft. Mit Franz Wisotzki kommen jede Woche von Montag bis Donnerstag sieben Zimmermänner aus Rot an der Rot nach Schorndorf, um den Dachstuhl zu sanieren, der so bedrohlich auf das Kreuzrippgewölbe gedrückt hat, dass die Statik der ganzen Kirche gefährdet war. Und obwohl die Sanierungsarbeiten bisher gut vorankommen, eine böse Überraschung gab es für die Kirchengemeinde bereits: Es gibt

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