Schorndorf

Nächster Laden in der Weststadt macht zu

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© ZVW/Sarah Utz
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Blick in den Laden.
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„Oh là là“-Besitzer Michail Bargas ist besonders stolz auf die Suppenküche, die jeden Mittwoch stattfindet – dieses Jahr zum letzten Mal.

Schorndorf. Nächsten Januar hätte das „Oh là là“ sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Aber so weit wird es nicht kommen: Das Modegeschäft mit Gastronomie-Angebot kann sich in der Weststadt nicht mehr halten und muss, wie schon einige andere Läden in diesem Jahr, schließen. Besitzer Michail Bargas gibt den Laden nur „schweren Herzens“ auf.

Es sind Kleinigkeiten, die den Ausschlag geben können: Die Fußgängerzone hört ein paar hundert Meter vor dem „Oh là là“ auf, der Laden ist etwas nach hinten versetzt und deshalb nicht sofort sichtbar, die Straße dient eher zur Durchfahrt als zum Flanieren. „Wenn etwas tolles Neues in einem anderen Teil der Stadt aufmacht, kommen weniger Menschen hierher“, fügt Michail Bargas, Besitzer des „Oh là là“, hinzu. Er habe gesehen, dass Menschen umdrehen, weil sie denken, nach dem Ende der Fußgängerzone kommen keine Geschäfte mehr.

Trotz allem: Warum die Laufkundschaft dieses Jahr komplett weggebrochen ist, kann Bargas nicht genau sagen. „Der Jahresanfang ist in der Textilbranche immer etwas ruhiger, aber das Geschäft hat einfach nicht mehr angezogen.“ Die Schließung einiger Läden in der Weststadt Anfang des Jahres habe die Sache nicht besser gemacht.

„Als wir nach Schorndorf gekommen sind, kannten wir das Weststadt-Phänomen nicht“, erzählt Bargas. „Jetzt, nach so vielen Jahren, rächt sich die Lage.“ Dabei findet er die gesamte Weststadt-Konstruktion unnötig. Schorndorf sei nicht New York. „Der Mittelpunkt einer Stadt ist normalerweise die Kirche“, sagt Bargas. Das „Oh là là“ ist davon eine Minute entfernt, der Marktplatz ist in zwei Minuten zu Fuß zu erreichen. Bargas findet deshalb, dass Schorndorf zu klein ist, um eine Weststadt zu haben. „Als wir herkamen, wussten wir nicht, wie schwierig es ist, in der Weststadt ein Geschäft zu betreiben. Eigentlich sind wir super zentral.“ Einmal habe er beobachtet, wie eine Frau eine halbe Stunde vor dem Schaufenster stand. Als er sie fragte, warum sie denn nicht reinkomme, antwortete sie, dass man in der Weststadt einfach nicht einkauft.

Weil der Weststadt-Name so negativ behaftet ist, hat sich Bargas vor einigen Jahren mit anderen Ladenbesitzern zusammengetan. Damals entstand die Idee für das „Daimlerviertel“. „Wir wollten die Gegend aufwerten“, beschreibt Bargas die Zusammenarbeit zwischen den Läden. „Eine tolle Ecke“ mit guter Atmosphäre sei die Umgebung damals gewesen, die Ladenbesitzer hätten sich alle gut untereinander verstanden. „Bisschen wie Greenwich Village in New York“, so Bargas. Beteiligt waren unter anderem das „Oh là là“, Luna Viva, die Pizzeria Domenico (damals noch benachbart), der Betten Veil und die Musikbar Engel, aber auch einige Läden, die inzwischen nicht mehr existieren.

Daimlerviertel statt Weststadt: Die Idee sollte mehr Kunden gewinnen

Die Werbegemeinschaft saß wochenlang bis spätabends zusammen, kreierte Flyer, eine Website und ein Logo. Weil sie in der Gottlieb-Daimler-Straße waren, kamen sie schließlich auf die Idee mit dem Daimlerviertel. „Wir wollten erst mal was auf die Beine stellen, bevor wir uns an die Stadt wenden“, sagt Bargas. Dafür hatten sie sich sogar den Namen von Daimler genehmigen lassen. Die Idee sei von den Kunden gut angenommen worden, aber nach einigen Monaten schlief die Aktion ein. Die Extraarbeit war zu viel und „dann waren alle mit ihrem eigenen Laden beschäftigt“, so Bargas.

Suppen, Tapas, Sommersalate: Seit sieben Jahren gibt es auch Gastro

Vor dem Umzug in die Stadt war Bargas beim Jeans-Hersteller MacKee in einem Gewerbepark in Backnang beschäftigt. Weil während der Wirtschaftskrise viele Läden dort schlossen, suchte auch MacKee einen neuen Standort. „Wir fanden Schorndorf total schön“, erinnert sich Bargas. Der Anfang in der Stadt war schwer, aber nach zwei Jahren hatten sie sich etwas etabliert. Vor sieben Jahren hat Bargas angefangen, auch Gastronomie anzubieten.

Zuerst nur Kaffee und Muffins, dann hat er das Angebot erweitert. Sommersalate, Tapas, samstags ein Weißwurstfrühstück –etwas gab es im „Oh là là“ immer, aber das Steckenpferd war die Suppenküche jeden Mittwoch. „Auf die bin ich besonders stolz“, sagt Bargas. „Das war eigentlich eine Schnapsidee von mir, die ich innerhalb von drei Tagen umgesetzt habe.“ An die erste Suppe erinnert er sich noch: eine Kartoffelsuppe.

„Die Suppenküche – das Original“ ist seit 2013 der Slogan, unter dem Bargas jeden Mittwoch seine Suppen anbietet. Inzwischen im „Oh là là“ statt bei MacKee (den Namen hat er geändert, als er den Laden übernommen hat, weil die Jeans dort gar nicht mehr verkauft werden). Eine vegetarische Suppe und eine mit Fleisch oder Fisch ist dabei, „aus guten Tellern“ an einem liebevoll gedeckten Tisch, wie er stolz erklärt. Als die Suppenküche startete, gab es nur einen langen Tisch, an dem alle zusammengesessen sind. Im Sommer hat er inzwischen die Tische vom benachbarten Lokal Engel angemietet, so dass die Kunden auch draußen sitzen können. Dieses Jahr zum letzten Mal.

Wann genau Bargas schließt, weiß er noch nicht. Erst mal will er schauen, wie der Räumungsverkauf läuft. Fest steht: Den zehnten Geburtstag wird der Laden nicht mehr feiern. „Schorndorf ist Heimat geworden“, meint Bargas. Er sei sechs Tage die Woche vor Ort gewesen. „Das tut schon etwas weh.“

Abschiedsparty

Bevor er geht, will Michail Bargas noch eine Abschiedsparty für das Oh là là schmeißen.

Der Termin steht noch nicht genau fest, soll aber in den nächsten zwei Wochen von Samstag auf Sonntag sein.

Zu Tapas, Paella, Wein, Softdrinks und Kaffee ist dazu jeder, der kommen will, herzlich eingeladen.