Schorndorf

Nach Ausraster auf der SchoWo: Weshalb ein ehemaliger städtischer Mitarbeiter des Ordnungsdienstes jetzt verurteilt wurde

Schowo 2018
Hier – unter der Schorndorfer Arnoldbrücke – trug sich bei der SchoWo 2018 die verhandelte Episode zu. © ALEXANDRA PALMIZI

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Schorndorf war bei der SchoWo 2018 im Amt aus seiner Rolle gefallen. Der Vorwurf, für den er sich nun vor Gericht verantworten musste: gefährliche Körperverletzung im Amt, gepaart mit Nötigung.

Wie es dazu kam: Der heute 40-jährige Mann hatte seinen neuen Job als Teamleiter beim KOD erst wenige Wochen vor Beginn der SchoWo angetreten. Zuvor hatte er nach seiner Ausbildung als Einzelhandelskaufmann, einer Stellung bei einem Autoteilehändler und bei verschiedenen gemeindlichen Vollzugsdiensten gearbeitet. Der gebürtige Stuttgarter war nach einigen Jahren in Heilbronn nach der Trennung von seiner Frau wieder in die Heimat zurückgekehrt und suchte nach einer neuen Herausforderung. In Schorndorf schien alles zu passen.

Viel Kontrolle auf SchoWo nach vermeintlichem Skandal-Stadtfest

Hier stand nun also im Sommer die SchoWo an. Das erste Stadtfest nach dem berühmt-berüchtigten im Jahr 2017. Damals war die SchoWo wegen einiger Randale im Stadtpark durch die Weltpresse gegangen: Wegen anfänglicher, fehlerhafter Einschätzungen der Polizei hatte das Gerangel im Park plötzlich medial den Stellenwert der Silvesternacht in Köln erreicht. So was sollte nicht noch einmal passieren, da war sich auch die Rathausspitze einig. Weshalb die Jugendlichen für die Zeit des Stadtfestes einen neuen Platz zugewiesen bekommen hatten. „Under the Bridge“ hieß der Parkplatz unter der Arnoldbrücke nun vorläufig. Hier sollten die jungen Gäste feiern und dabei gleichzeitig besser kontrollierbar sein als im weitläufigen Stadtpark-Areal.

Ansage des Oberbürgermeisters: Deeskalierend und bürgerfreundlich

Und so sollten auch besonders viele Menschen für die Sicherheit auf der SchoWo sorgen. Die Polizei sollte eng mit dem KOD zusammenarbeiten, um die Situation unterhalb der Brücke zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle zu halten. Drum habe es etliche Lagebesprechungen gegeben, auch am Vorabend des ersten SchoWo-Abends, an dem der Beschuldigte die Fassung verloren hatte. Die Marschrichtung war klar vorgegeben. Als Zeuge vor Gericht fasste Oberbürgermeister Matthias Klopfer den damaligen Tenor zusammen: „Deeskalierend und bürgerfreundlich“ sollten die Ordnungskräfte auftreten, „Präsenz zeigen und für Ruhe sorgen“.

Der damalige Teamleiter war am selben Morgen schon um 6 Uhr zu einer Schulung in Sersheim unterwegs gewesen. Die dauerte lange. Erst am späten Nachmittag kamen er und sein Team zurück nach Schorndorf. Gerade noch rechtzeitig, um an der Abend-Besprechung teilnehmen zu können. Das Team des jetzt Beschuldigten bestand aus weiteren drei Personen: einer Frau und zwei Männern. Schließlich startete die SchoWo, bald füllte sich auch der Platz unterhalb der Arnoldbrücke, für dessen Überwachung der KOD zuständig war. Alles lief zunächst bestens. Doch dann, weit nach 24 Uhr, veränderte sich etwas.

Erleichterung hinter der Absperrung

Ein junger Mann verspürte ein dringendes Bedürfnis, die Toilettenhäuschen waren aber besetzt, also erleichterte er sich im hinteren Bereich des Festgeländes. Eine Ordnungswidrigkeit - auf diese wies ihn einer der Mitarbeiter des KOD hin und erteilte ihm einen Platzverweis. Zunächst trollte sich der junge Mann. Allerdings kam er wieder zurück, mehrfach. Schließlich brachten der Angeklagte und seine Kollegin den jungen Mann entschlossen und wenig sanft zum Ausgang. Es entstand ein Gerangel, dabei fiel dem jungen Mann seine Uhr aus der Tasche, wobei das Armband sich vom Gehäuse löste. Er beschwerte sich lautstark, wollte die Uhr ersetzt bekommen. Die Antwort des KOD-Mitarbeiters war wenig professionell, ist aber durch verschiedene Zeugenaussagen belegt: Wenn er eine neue Uhr brauche, solle er doch Flaschen sammeln gehen.

Freunde eilten jungem Mann zur Hilfe

Daraufhin rief der junge Mann – kaum hatte er sich endgültig vom Gelände entfernt – seine Freunde an. Die stürzten gleich von der Havanna-Bar herbei und sollten ihm zuliebe aufs Gelände gehen, um den Namen des Mitarbeiters herauszufinden, der mutmaßlich für die Beschädigung der Uhr verantwortlich war. Und so steuerte ein junger, damals 18-Jähriger, der in dieser Verhandlung als Geschädigter auftrat, zusammen mit seinem Freund auf die uniformierten Mitarbeiter des KOD zu und forderte sie recht harsch zur Nennung des Namens auf. Zunächst gerieten sie dabei an einen nicht beteiligten Mitarbeiter des anderen Teams, der sie nach wiederholtem Fragen zum Gehen aufforderte. Sie blieben, bohrten weiter nach dem Namen.

Der Angeklagte schaltete sich nun in seiner Funktion als Teamleiter ein, wollte den offenbar mit der Situation überforderten Kollegen unterstützen. Ein Handyvideo belegt die folgenden Ereignisse: Wieder also stellte der junge Mann die Frage, wer die Uhr kaputtgemacht habe. Allerdings sollte der junge Mann den gewünschten Namen nicht bekommen. Stattdessen sollte er sich bei der Ordnungsbehörde beschweren, schlug der Angeklagte vor. Auf die Frage, um welche es sich handle, gab’s provozierende Antworten.

Ironische Antworten, schubsendes Geleit zum Ausgang

Ob man denn hier in München oder Bayern sei? Der Ton wurde rauer, der junge Mann wurde brüllend aufgefordert, Abstand zu halten und zu gehen, ein Platzverweis wurde ausgesprochen. Wenn er nicht endlich freiwillig gehe, würde man unmittelbaren Zwang ausüben und ihn zum Gehen bringen. Dann wurde er, der nicht gehen wollte, von den Mitarbeitern des KOD schubsend zum Ausgang gedrängt. Das ist auch auf einem zweiten Video zu erkennen, das von einer Kamera gefilmt wurde, die offiziellerweise an der Arnoldbrücke zur Überwachung der Veranstaltung angebracht worden war.

Ebenfalls auf den beiden Filmen zu sehen ist, wie der junge Mann nach mehrmaligem Schubsen plötzlich zu Boden geht, offenbar – so die Einschätzung eines vor Gericht auftretenden Kriminalbeamten – nach der Anwendung eines geläufigen Polizeigriffs, dem Spazierstockhebel. Das Problem: Beim Sturz erlitt der Geschädigte einige Schürfwunden, weshalb vor Gericht wegen Körperverletzung verhandelt wurde. In der Anklageschrift hieß es sogar „gefährliche Körperverletzung“, weil die beiden Mitarbeiter des KOD den 18-Jährigen gemeinschaftlich zu Boden gebracht hatten.

Mit Spazierstockhebel zu Fall gebracht

Zunächst versuchte der Angeklagte noch vor Gericht, glauben zu machen, dass der junge Mann über die Füße herumsitzender Jugendlicher gestolpert war, doch ließ sich diese Behauptung nach der Sichtung der Videos nicht mehr halten. Auch war nicht zu beweisen, dass der junge Mann den Angeklagten geschlagen habe und er quasi aus Gegenwehr den jungen Mann zu Fall gebracht habe.

Vielmehr ergab sich, dass der Angeklagte während des Schubsens den Geschädigten im Halsbereich erwischt hatte. Und auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der in der Verhandlung als Zeuge auftrat, weil er zufällig zur Tatzeit vor Ort war, konnte sich daran erinnern, dass er von dem harschen Vorgehen des noch recht frisch eingestellten Mitarbeiters keinesfalls begeistert gewesen war. Schließlich sei es das Gegenteil dessen gewesen, was er noch bei der Lagebesprechung am gleichen Abend gefordert hatte. Tatsächlich war der Mitarbeiter im Verlauf des Jahres unter anderem wegen dieser SchoWo-Vorfälle aus dem Dienst entlassen worden.

Und so wurde der 40-Jährige am Ende, wie schon in der Anklage formuliert, wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung im Amt verurteilt. Allerdings – da es sich bei den erlittenen Verletzungen des Geschädigten nur um kleine Schürfwunden handelte – ordnete Richterin Petra Freier die Sache als minderschweren Fall ein. Der ehemalige Angestellte der Stadt Schorndorf wurde daher zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro, insgesamt also 3600 Euro verurteilt.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Schorndorf war bei der SchoWo 2018 im Amt aus seiner Rolle gefallen. Der Vorwurf, für den er sich nun vor Gericht verantworten musste: gefährliche Körperverletzung im Amt, gepaart mit Nötigung.

Wie es dazu kam: Der heute 40-jährige Mann hatte seinen neuen Job als Teamleiter beim KOD erst wenige Wochen vor Beginn der SchoWo angetreten. Zuvor hatte er nach seiner Ausbildung als Einzelhandelskaufmann, einer

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