Schorndorf

Nach Corona-Pause: Das Figurentheater Phoenix nimmt den Spielbetrieb wieder auf

Phoenix
Ute, Shermen und Soran Assef (v.l.n.r.) vom Figurentheater Phoenix sind froh, endlich wieder spielen zu können. Bild: Büttner © Büttner

Die Bühne und der Bauch? „Das Gefühl ist wieder da!“, sagt Ute Assef und Soran Assef versichert: „Es spielt keine Rolle, ob du vor 19 oder 120 Leuten spielst!“ Da sitzen sie in ihrem kleinen Theater, die Schauspielerfamilie Ute, Soran und Shermen Assef. Etwas erschöpft vielleicht, aber auch erleichtert und hoffnungsfroh.

Am Tag zuvor konnten sie nach einer dreieinhalbmonatigen, coronabedingten Zwangspause endlich wieder den Spielbetrieb aufnehmen. Zwei Vorstellungen mit ihrem Kinderstück „Der Regenbogenfisch“. Die Stuhlreihen gelichtet. Zwischen 26 und 34 Plätze können sie derzeit anbieten. „Was wir gerade haben, ist fast ein feudalistisches Logenprinzip“, flachst Soran Assef. Die Aufführungen waren deshalb so gut wie „ausverkauft“. Es waren 15 Besucher bei der Vormittags- und dann 19 bei der Nachmittagsvorstellung.

Diese Magie der Spielenden auf der Bühne vor Zuschauern

„Wir haben gespürt, dass da beim Publikum ein Hunger war, sich zu öffnen und ins Spiel einzutauchen, die Leute waren glücklich, dass sie wieder kommen konnten“, freut sich Soran Assef. Auch darüber, dass sich eine Kindergartengruppe getraut hat zu kommen. Und da war sie dann auch wieder, und Soran Assef bekommt dabei glänzende Augen: „Diese Magie mit den Spielenden auf der Bühne in einem besonderen energetischen Zustand - vor Zuschauern. Und jede Aufführung wird da unterschiedlich sein!“ Das ist durch nichts zu ersetzen. „Wir haben deshalb unsere Produktionen während der theaterlosen Zeit auch nicht wie andere auf You Tube gestellt. Mir kam das wie eine Geste der Verzweiflung vor“, sagt Assef und Tochter Shermen ergänzt: „Der Zauber von Theater kann digital nicht funktionieren.“

Und wie geht es weiter? „Wir versuchen, optimistisch in die Zukunft zu schauen“, erklärt Ute Assef. Und Soran sagt: „Wir fahren auf Sicht: Monat für Monat. Aber dieser Corona-Test-Spielplan ist für uns wichtig. Wir können so unsere Theatermaschinerie für den Herbst/Winter justieren.“ Geplant ist im Oktober eigentlich ein Festival kleiner Theaterhäuser und das Phoenix sollte der Veranstaltungsort sein. „Es ist wichtig“, sagt Ute Assef, „dass diese Bühnen wieder auftreten können.“

Man sei im Gespräch mit den Kollegen des Figurentheater-Festivals „Imaginale“ für das Jahr 2022. Auch die Frage nach einem Konzept steht im Raum, wenn man für längere Zeit nur vor einem Drittel der sonst üblichen Zuschauer spielen müsste.

Kostendeckende Arbeit ist nicht möglich

„Wir werden auf keinen Fall kostendeckend arbeiten können“, sieht Soran Assef voraus. Spielen sie bekannte Stücke von anderen Autoren, fressen die Festtantiemen oft fast ein Drittel der Einnahmen auf. Und doch, es gab für die Theaterleute vom Phoenix in den vergangenen Monaten auch sehr positive Erfahrungen. „Es gab eine tolle Resonanz vom Förderverein. Auch das Publikum hat gespendet“, betont Ute Assef. Das sei wichtig gewesen, damit man weiter mit den FSJlern an den Spielgruppen arbeiten könne. Soran: „Es gab schöne Gesten der Solidarität, das ist toll!“

Freiheit, aufeinander Rücksicht zu nehmen

Das Interview mit den Assefs wird zum Gespräch, zum Austausch darüber, was Theater in einer Situation wie der gegenwärtigen zu leisten vermag, warum es, wie Assefs finden, so dringend gebraucht wird. Und das Phoenix ist mit seinem engagierten theaterpädagogischen Programm nahe an Kindern und Jugendlichen. Soran Assef fragt sich deshalb angesichts des Einbruchs der Pandemie: „Was macht dieser Zustand mit Kindern und Jugendlichen? Die spüren doch die Verunsicherung der Erwachsenen!“ Aber Shermen wirft ein: „Die gehen gerade stark auf Distanz und wollen sich intensiv eher mit anderen Themen beschäftigen.“ Trotzdem ist sich Soran Assef sicher: „Die Krise hat gezeigt, wie alles zusammenhängt, wie abhängig wir sind. Das kann man nicht zurückdrehen.“

Aber vielleicht gemeinsam - im Theater - bearbeiten? Ute Assef formuliert es gegen die derzeit grassierende Ungeduld und militante Nervosität in Teilen der Bevölkerung so: „Es ist da eine Freiheit entstanden, indem man aufeinander Rücksicht nimmt.“

Distanz und Nähe zugleich - auch das kann man im Theater lernen.

Die Bühne und der Bauch? „Das Gefühl ist wieder da!“, sagt Ute Assef und Soran Assef versichert: „Es spielt keine Rolle, ob du vor 19 oder 120 Leuten spielst!“ Da sitzen sie in ihrem kleinen Theater, die Schauspielerfamilie Ute, Soran und Shermen Assef. Etwas erschöpft vielleicht, aber auch erleichtert und hoffnungsfroh.

Am Tag zuvor konnten sie nach einer dreieinhalbmonatigen, coronabedingten Zwangspause endlich wieder den Spielbetrieb aufnehmen. Zwei Vorstellungen mit ihrem

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