Schorndorf

Nach der langen Corona-Zwangspause: Schorndorfer Gastronomen starten mit gemischten Gefühlen

Außengastro
Ekaterina Liokou, Betreiber in des Concept L, freut sich sehr, ihr Restaurant wieder eröffnen zu dürfen. © ALEXANDRA PALMIZI

In Stuttgart sind die Gastronomen am Wochenende regelrecht überrannt worden. Nach sieben Monaten Corona-Zwangspause zog es offenbar viele Menschen mit Macht in die Cafés und Restaurants, um endlich den Frühling zu genießen. Erst an diesem Montag durften die Wirte im Rems-Murr-Kreis wieder eröffnen – und sie taten es mit gemischten Gefühlen.

Ob sich die Menschen wegen eines Espressos testen lassen?

Montag gegen Mittag in der Altstadt. In vielen Geschäften stehen die Ladentüren weit auf – die Einzelhändler dürfen ihre Kunden endlich wieder ohne Tests in die Geschäfte lassen. Anders sieht es in den Cafés und Restaurants aus. Die Wirte sind verpflichtet, ihre Gäste zu kontrollieren. Zweimal geimpft müssen die Gäste sein, von Corona genesen oder einen gültigen Coronatest vorlegen können - und zwar egal, ob sie im Innern sitzen oder wie an diesem Montag bei bestem Wetter mit großem Abstand auf luftigen Terrassen Platz nehmen wollen. Das sieht nicht jeder ein. „Das ist doch kein Schaffen“,  findet Rosa Placentino von der Café Bar Incontro. An diesem späten Vormittag steht sie an der Tür ihres Lokals, schaut über die große Terrasse mit den liebevoll dekorierten Tischen, an denen nur wenige Frauen sitzen – und ist genervt. Viele Leute seien erst einmal geimpft, und wegen eines Espressos gehe kein Mensch extra zum Testen, glaubt sie. Die Wirte müssten ihre Gäste kontrollieren und hätten dadurch das doppelte und dreifache Geschäft. „Heute Morgen“, erzählt die Wirtin, „sind zwei gekommen, die waren zweimal geimpft, aber die 14 Tagen waren noch nicht abgelaufen.“ Und manche Gäste könnten zwar einen Test vorweisen, aber man müsse genau hinsehen, wie alt der sei. „Ich bin nicht begeistert“, sagt sie. „Entweder wir machen richtig auf oder gar nicht.“

An einem Tisch in der Sonne, am Rande der Terrasse, sitzen Carin Veil und Luisa Krall. Draußen sei die Testpflicht schon etwas traurig, findet Carin Veil, und das meint auch Doris Schäfer, Filialleiterin der Parfümerie Amica. „Ich finde, die Außenbewirtung könnte man ohne Tests aufmachen“, sagt sie und blickt über die weit auseinanderstehenden Tische. Auch wenn sie die Regel zu streng findet, freut sich Doris Schäfer doch vor allem darüber, dass Lokale endlich wieder geöffnet sind. „Das ist wichtig für die Innenstadt“, sagt sie. Und: „Man muss den Kopf hochhalten. So ein Virus haben wir noch nie gehabt.“

Im „Concept L“ in der Hetzelgasse ist Wirtin Ekaterina Liokou einfach nur froh, dass sie wieder öffnen darf. Lächelnd steht sie vor ihrem kleinen Restaurant und sagt: „Nach all den Monaten ist es noch ein unwirkliches Gefühl. Aber ich freue mich.“ Mit ihren Gästen sprechen und sie verwöhnen zu können, habe ihr sehr gefehlt. In den vergangenen Monaten hat sie sich mit ihrem Abholservice über Wasser gehalten, und Speisen to go will sie angesichts der Abstands- und Testauflagen erst mal weiter anbieten. „Aber ich bin optimistisch“, sagt sie. Drinnen klingelt dass Telefon, was sie sichtlich freut: „Das macht Mut“, findet die Wirtin. Ein Stammgast hat an einem der Tische vor dem Haus schon Platz genommen, Auch er ist glücklich, dass es wieder losgeht. Morgens ab 11 Uhr ist Ekaterina Liokou anzutreffen, sie nimmt Bestellungen auf und Reservierungen entgegen. Sind die Corona-Auflagen für die Gastronomie übertrieben? Ach, sagt die Wirtin: „Letztlich schützen uns diese Maßnahmen doch vor einer neuen Welle.“

Auf dem Marktplatz im Eiscafé Fellini stehen die Türen weit offen. Eine Mutter holt für ihre kleine Tochter eine Eistüte – der Frühling lädt dazu ein. Außer Eisbechern und Eistüten gibt es hier Pizza und Pasta, doch noch hat Inhaber Asteriu Dimitrios sein Tagescafé nicht komplett geöffnet. „Wir lassen es langsam angehen“, sagt er. Die Terrasse ist noch nicht bestuhlt, nur an ein paar Stehtischen kann ein schneller Espresso getrunken werden. An diesem Dienstag will er ein paar Tische aufstellen und dann erst mal abwarten, wie die Resonanz ausfällt. „Ich freue mich, dass wir aufmachen können“, sagt er, meint aber auch: „Draußen sollte es aber ohne Test gehen.“ Die Leute zu kontrollieren, sei sehr aufwendig, zumal aus Sicht des Fellini-Wirtes noch dringend eine zentrale Teststation gebraucht wird. Umso besser findet er Planungen, wonach auf einem Teil der Terrasse des nahe gelegenen Ama Deli eine weitere Teststation eingerichtet werden könnte. Dazu soll ein Zelt für die Testungen aufgestellt werden.

Ab Donnerstag gibt es wieder Frühstück im Ama Deli

Noch nicht mit vollem Service, sondern mit Selbstbedienung für die Gäste ist man im Ama Deli in die Woche eins nach dem Lockdown gestartet. „Wir haben erst in Stuttgart geöffnet“, sagt Inhaber Mathias Simon, der dort auch das „Amadeus“ betreibt. Derweil laufen im Ama Deli die Vorbereitungen für die offizielle Wiedereröffnung am Donnerstag. „Dann gibt es auch wieder Frühstück“, kündigt Ama-Deli-Betriebsleiter Cem Tosun zufrieden an.

Noch sind nicht alle Cafés und Restaurants in der Stadt geöffnet, was aber auch schlicht daran liegen kann, dass montags in vielen Lokalen Ruhetag ist. Im „Emma’s“ in der Höllgasse ist Mert Balci dabei, für die Wiedereröffnung an diesem Dienstag alles auf Hochglanz zu bringen. Mit Fensterspray und einem Lappen wienert er die Fensterscheiben: „Wir freuen uns, aber wir freuen uns mit gemischten Gefühlen.“ Nicht jeder Gast werde davon begeistert sein, dass er sich testen lassen muss, wenn er nicht geimpft oder genesen ist. „Aber die Hoffnung, dass es klappt, ist da. Wir sind optimistisch.“

In Stuttgart sind die Gastronomen am Wochenende regelrecht überrannt worden. Nach sieben Monaten Corona-Zwangspause zog es offenbar viele Menschen mit Macht in die Cafés und Restaurants, um endlich den Frühling zu genießen. Erst an diesem Montag durften die Wirte im Rems-Murr-Kreis wieder eröffnen – und sie taten es mit gemischten Gefühlen.

Ob sich die Menschen wegen eines Espressos testen lassen?

Montag gegen Mittag in der Altstadt. In vielen Geschäften stehen die Ladentüren

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