Schorndorf

Nach Strompreisschock für Neukunden: Stadtwerke Schorndorf rudern zurück

Symbolfoto Strom
Turbulenzen am Strommarkt – mit extrem schwankenden Preisen. © Benjamin Büttner

Weil sie als Grundversorger von Neukunden, die von Strom-Discountern Ende Dezember von heute auf morgen nicht mehr beliefert wurden, in der Ersatzversorgung 82,2 Cent pro Kilowattstunde verlangt haben, sind die Stadtwerke Schorndorf in die Kritik geraten. Zu Unrecht, wie die beiden Geschäftsführer Daniel Beutel und Christoph Baier finden: „Wir sind nicht unverschämt teuer, sondern verpflichtet, wirtschaftlichen Schaden von den Stadtwerken abzuwenden.“

Schließlich waren die Stadtwerke, nachdem Gas.de, Neckermann-Strom, Enqu und Stromio ihre Lieferungen einstellten, verpflichtet, deren Kunden aufzunehmen – und außer der Reihe und sehr kurzfristig Strom zu besorgen. Die Kunden, die ansonsten von heute auf morgen ohne Strom im Dunkeln gesessen wären, „waren in keiner Kalkulation drin“, sagt technischer Geschäftsführer Christoph Baier und macht noch einmal deutlich, dass die Strombeschaffung zu diesem Zeitpunkt angesichts explodierender Preise an der Strombörse extrem kostspielig war – „mit Viertelstundenwerten von zehn Euro und mehr“.

Bei Mischkalkulation hätten die Bestandskunden die Zeche bezahlt

Für die 348 Stromio-Kunden, die zum 23. Dezember 2021 von den Stadtwerken aufgenommen wurden, galt aber sowieso noch der Tarif von 34,7 Cent pro Kilowattstunde. Alle anderen Fremdkunden mussten ab 24. Dezember aber die 82,2 Cent plus den Monatsgrundpreis von 12,75 Euro bezahlen. Eine Mischkalkulation kam für die Stadtwerke auch deshalb nicht infrage, „weil sonst die treuen Bestandskunden die Zeche bezahlen müssten“, erklärt kaufmännischer Geschäftsführer Daniel Beutel die vergleichsweise hohen Preise in der Grundversorgung der Neukunden.

Da sich die Situation am Strommarkt mittlerweile wieder etwas beruhigt und stabilisiert hat, rudern die Stadtwerke jetzt zurück und kommen den 130 betroffenen Neukunden entgegen: Angesichts gesunkener Preise kann diesen ein besseres Angebot unterbreitet werden inklusive der Möglichkeit, auf den „Grund- und Ersatzversorgungstarif – Neukunden II“ zu wechseln. Die Kilowattstunde liegt dann bei circa 44 Cent; der genaue Preis soll Ende der Woche feststehen.

„Die Kunden, die nach dem 24. Dezember 2021 von uns in den Neukundentarif I aufgenommen wurden, erhalten alle ein Angebot und können kulanterweise in einen günstigeren Laufzeittarif wechseln. Dafür reicht ein Anruf in unserem Kundencenter, alternativ können die Kunden sich auch per Mail mit uns in Verbindung setzen“, führt Katrin Welz, Referentin Geschäftsentwicklung und Kommunikation, aus.

Bei großen Playern: Handelsabteilung beschafft den Strom an der Börse

Statt auf Spekulation setzen die Stadtwerke auf „absolut solide Kalkulation“ und sind nach Einschätzung des kaufmännischen Geschäftsführers Beutel für die Kunden auch deshalb die bessere Alternative: „Alle Kunden, die bei uns einen Vertrag abschließen, werden nie das Problem der Discount-Kunden haben.“

Dennoch ist, das gibt auch der technische Geschäftsführer zu bedenken, der Strommarkt in den vergangenen Jahren deutlich komplexer und schnelllebiger geworden. Mit Nachteil für die kleineren Anbieter: „Die großen Player haben eigene Handelsabteilungen, die an den Börsen den Strom beschaffen“, sagt Beutel. An einer Zusammenarbeit mit anderen Stadtwerken wird also kein Weg vorbeiführen: „Wir bräuchten eine Abteilung mit drei bis vier Personen, die den Strommarkt permanent im Blick haben.“ Da die Stadtwerke das nicht leisten können, arbeiten sie schon jetzt mit Dienstleistern nicht nur beim Einkauf, sondern auch bei der Bilanzierung und der Prognostizierung zusammen.

Dass die hohen Schorndorfer Strompreise auch mit dem 33 Millionen Euro teuren Neubau und den Defiziten in den Bäderbetrieben zusammenhängen, weist Daniel Beutel aber zurück: „Das hat mit den Stromkunden nichts zu tun.“ Grund für die Tariferhöhungen sind gestiegene Bezugspreise. Darum ist die Stromversorgung – trotz einer Halbierung der EEG-Umlage – auch für die Bestandskunden teurer geworden: Lag der Preis, der sich aus Energiebeschaffung, Netzentgelten sowie Steuern und Abgaben zusammensetzt – für die Kilowattstunde im Jahr 2021 noch bei 32,6 Cent, ist er in diesem Jahr für die knapp 17 000 Privat- und Gewerbekunden auf 34,7 Cent gestiegen. Dazu versorgen die Stadtwerke, die in diesem Jahr auch in neue Geschäftsmodelle wie Fotovoltaik und E-Mobilität einsteigen wollen, noch an die 100 Industriekunden.

Weil sie als Grundversorger von Neukunden, die von Strom-Discountern Ende Dezember von heute auf morgen nicht mehr beliefert wurden, in der Ersatzversorgung 82,2 Cent pro Kilowattstunde verlangt haben, sind die Stadtwerke Schorndorf in die Kritik geraten. Zu Unrecht, wie die beiden Geschäftsführer Daniel Beutel und Christoph Baier finden: „Wir sind nicht unverschämt teuer, sondern verpflichtet, wirtschaftlichen Schaden von den Stadtwerken abzuwenden.“

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