Schorndorf

Nein zur Prämie ist unter Autohändlern umstritten - Trinkle und Schloz äußern sich

Auto Corona Krise
Burger-Schloz in der Stuttgarter Straße. Der geschäftsführende Gesellschafter Peter Schloz hält nicht viel vom Konjunkturpaket der Bundesregierung. Er hatte eine Auto-Prämie befürwortet. © Gabriel Habermann

Wer über die Stuttgarter Straße nach Schorndorf fährt, wird auf der linken Seite von einem großen Stern begrüßt, Richtung Innenstadt stehen gleich mehrere Audi-Q8 in Reih’ und Glied an der Straße. Die vielen Autohäuser dürften die Entscheidung über die Auto-Prämie, die schließlich Mittwochabend fiel, mit großen Interesse verfolgt haben. Zwei, die die Entscheidung zu spüren bekommen, sind Florian Trinkle, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses, und Peter Schloz, geschäftsführender Gesellschafter des Autohauses Burger-Schloz. Doch auch wenn beide von hohen Verkaufszahlen profitieren, vertreten sie in Sachen staatlicher Prämie für Autos ganz unterschiedliche Meinungen.

Statt Prämien für den Kauf von Autos hat die Politik eine Mehrwertsteuersenkung beschlossen. Im zweiten Halbjahr 2020 wird die Steuer von 19 auf 16 Prozent und der ermäßigte Satz von sieben auf fünf Prozent gesenkt. Florian Trinkle, der im Gewerbegebiet Siechenfeld Wagen der Marke Kia und Suzuki verkauft, findet die Entscheidung generell richtig. Von dem Konjunkturpaket könnten theoretisch alle Branchen profitieren und bei einem neuen Auto sei damit schließlich eine Vergünstigung von mehreren Hundert Euro drin. Doch weil die Senkung erst ab Juli gilt, hätten die ersten Kunden ihn bereits angerufen, dass sie ihren Neuwagen deshalb erst in drei Wochen tatsächlich kaufen wollen. Ob er die Erleichterungen überhaupt ganz an seine Kunden weitergeben kann, weiß er heute noch nicht, die Hersteller entscheiden über die Listenpreise.

Kunden haben Entscheidung abgewartet

Der Geschäftsführer des Autohauses ist aber vor allem froh, dass die Entscheidung nun steht. Schon in den vergangenen Wochen hätten die öffentlichen Diskussionen über mögliche Prämien für Autos für Zurückhaltung bei den Kunden gesorgt. Viele hätten ihre Entscheidung abgewartet.

Von einer Auto-Prämie habe er ohnehin nicht viel gehalten. „Ohne unsolidarisch klingen zu wollen, aber ich halte das für Jammern auf hohem Niveau“, sagt er über einige der Stimmen seiner Branche. Andere Bereiche wie etwa die Gastronomie seien durch die Coronakrise sehr viel härter getroffen worden, gibt er zu bedenken.



Die Abwrackprämie 2009 sei für das Autohaus außerdem eher ein Strohfeuer gewesen. In den Folgejahren seien die Umsätze wieder stark zurückgegangen, nachdem viele den Autokauf vorverlegt hatten. Lediglich eine Prämie oder Vergünstigung für Pkw mit verbrauchsarmen Verbrennermotoren hätte man diskutieren können, findet Trinkle. Doch den Kauf eines Autos mit über 300 PS mit Steuergeldern zu unterstützen, sei „mit dem Umweltgedanken unvereinbar“.

Wirtschaftlich sei es in den vergangenen Wochen nicht gut gelaufen, im Verkauf mussten einige seiner 20 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Doch immerhin mit seiner angeschlossenen Werkstatt konnte er noch Umsätze erzielen. „Wir sind bislang mit einem blauen Auge davongekommen“, fasst er die Lage zusammen. Doch die ganze Krise werde wohl noch einen Rattenschwanz hinter sich herziehen, befürchtet er.

Bei Burger-Schloz mussten viele der 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit

Die Beurteilung der Lage klingt beim geschäftsführenden Gesellschafter Peter Schloz vom Autohaus Burger-Schloz ähnlich, auch wenn er die politischen Entscheidungen anders bewertet. „Wirtschaftlich läuft es schlecht, aber es gibt sicherlich Branchen, denen es noch schlechter geht“, sagt er. Viele der 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den sechs Standorten mussten in Kurzarbeit, besonders diejenigen im Verkauf seien nach wie vor betroffen. Derzeit laufe der Verkauf nur langsam wieder an. Das Autohaus verkauft Autos von Mercedes-Benz. „Die Lust am Geldausgeben ist weg“, sagt er. Doch wenn nun alle Menschen sparten, drohe eine wirtschaftliche Abwärtsspirale, warnt er.

Von der Entscheidung der Bundesregierung, die Mehrwertsteuer zu senken, ist er nicht begeistert. Er fürchtet, dass die Umstellung der EDV-Systeme zu einem derartigen Mehraufwand führe, dass die Steuererleichterungen gar nicht an den Endkunden weitergegeben werden könnten. Schloz hatte eine Prämie für den Autokauf befürwortet, die Absage der Politik bedauert er. Die Abwrackprämie 2009 habe ihm gezeigt, dass die Konsumentinnen und Konsumenten die Vergünstigung annehmen und ein Auto kaufen. Der Einbruch in den Folgejahren sei nicht so hoch gewesen wie die zusätzlichen Einnahmen. Einen Strohfeuer-Effekt wie Trinkle sieht er nicht.

Baden-Württemberg hätte von der Prämie profitiert, so Peter Schloz

Zu seiner Haltung komme er dabei nicht nur, weil er als Unternehmer von der Entscheidung profitiert hätte, betont er, sondern vor allem mit Blick auf die gesamte Wirtschaft in Baden-Württemberg. „Es hängt so vieles daran“, sagt Peter Schloz. Angefangen bei den Autobauern über die Zulieferer bis hin zu den vielen Beschäftigten seien viele von dem Erfolg der Branche abhängig. „Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hätte von einer Prämie enorm profitiert“, sagt er.

Doch dass überhaupt eine Entscheidung getroffen wurde, darüber ist auch er froh. Auch bei Burger-Schloz hätten einige Kunden die Entscheidung der Politik über das Konjunkturpaket abgewartet.

Die Prämie wurde vor allem von Klimaverbänden stark kritisiert. Peter Schloz erklärt, dass man aus klimapolitischer Sicht allerdings auch beachten müsse, dass neue Autos verbrauchsärmer seien als ältere Modelle.

Wer über die Stuttgarter Straße nach Schorndorf fährt, wird auf der linken Seite von einem großen Stern begrüßt, Richtung Innenstadt stehen gleich mehrere Audi-Q8 in Reih’ und Glied an der Straße. Die vielen Autohäuser dürften die Entscheidung über die Auto-Prämie, die schließlich Mittwochabend fiel, mit großen Interesse verfolgt haben. Zwei, die die Entscheidung zu spüren bekommen, sind Florian Trinkle, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses, und Peter Schloz, geschäftsführender

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