Schorndorf

Neue Erkenntnisse über uralte Bohlen-Funde in Oberberken

Strassenfund
Bei den Bauarbeiten zur Sanierung der Oberberkener Ortsdurchfahrt entdeckt: Ein Bohlenweg mit Hölzern, die vor fast 300 und vor mehr als 400 Jahren geschlagen wurden. © Gaby Schneider

Als die Ortsdurchfahrt in Oberberken im Jahr 2017 von Grund auf saniert wurde und damals plötzlich ein alter Bohlenweg zutage trat, war sofort klar, dass es sich um einen archäologisch interessanten Fund handeln muss. Roland Buggle, der als ehrenamtlicher Beauftragter des Landesamts für Denkmalpflege zur Fundstelle gerufen wurde, den Bohlenweg nicht nur freigelegt und dokumentiert, sondern auch veranlasst hat, dass die Holzproben ins Landesdenkmalamt nach Esslingen und weiter zur dendrochronologischen Bestimmung nach Hemmenhofen am Bodensee geschickt wurden, kann jetzt mit neuen Erkenntnissen dienen – und mit der Nachricht, dass es der Oberberkener Bohlenweg sogar in das Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege geschafft hat.

Diese Publikation, an der der Schorndorfer Heimatforscher selbst beteiligt war, belegt für ihn auch, „dass der Fund von Oberberken in Fachkreisen nähere Beachtung gefunden hat“.

An zwei Stellen fanden sich damals Teilstücke des Bohlenwegs, an einer sogar in zwei Lagen übereinander – auf 70 Zentimeter und einen Meter unter Straßenniveau. Entdeckt wurden auf einer Länge von bis zu zehn Metern vor allem Spaltbohlen sowie ein paar kleinere Rundhölzer, die ohne Verbindungsstücke nebeneinander lagen.

Dass die Hölzer fast mittig unter der Wangener Straße lagen, spricht dafür, dass diese noch heute dem Verlauf des alten Bohlenwegs folgt. Entdeckt wurden vor vier Jahren aber auch – zwischen der oberen und unteren Bohlenlage – Hufeisen sowie ein kurzes Stück einer (Kuh-)Kette mit Riegel. Bei den Hufeisen handelt es sich um einen grifflosen Typ, der seit dem Spätmittelalter gebräuchlich war, und um Griffeisen, die um 1300 erstmals aufgetaucht sind.

Vor allem aus Tannenholz, aber auch Pappel, Birke und Erle

Aus den beiden Fundstellen sind insgesamt 33 Hölzer im dendrochronologischen Labor des Landesdenkmalamts ausgewertet worden. 21 Bohlen sind aus Tannenholz, zehn Rundhölzer aus Pappelholz, eines aus Birken- und eines aus Erlenholz. Für den unteren Bohlenweg, das hat die Untersuchung der Jahresringe im Holz ergeben, wurden die Bäume im Jahr 1602/03 eingeschlagen. Die Bäume für den oberen Bohlenweg etwa 140 Jahre später, in den Jahren 1738/39 und 1742/43.

Was die Historiker aber vor allem hat rätseln lässt, war die Frage, warum sie in Oberberken, auf den Höhen des Schurwalds, überhaupt einen solchen Bohlenweg entdeckt haben. Dienten Holzbohlen in vergangenen Zeiten doch vor allem dazu, feuchtes Gelände passierbar zu machen – oder als Alternative zu Straßenbelägen aus Stein. Für eine unbedeutende Dorfstraße wäre ein solcher Aufwand sicher nicht betrieben worden.

Also lag die Vermutung nahe, dass die Wegeverbindung überregionale Bedeutung gehabt haben mussse. Und tatsächlich hat sich in den Akten des Stadtarchivs – als Schlüssselfund sozusagen– ein herzoglicher Auftrag vom 18. November 1740 gefunden, dass die Straße von Schorndorf nach Göppingen instandgesetzt werden muss, was die Zeitdaten aus der dendrochronologischen Untersuchung tatsächlich bestätigen.

Bedeutende Verbindung ins Filstal und bis nach Ulm

Der Oberberkener Bohlenweg war demnach Teil einer Verbindung vom Rems- ins Filstal, durch das damals die Fernverbindung Mainz-Ulm verlief. Auf Karten aus dem 16. Jahrhundert ist diese Straße bereits verzeichnet – als Heerweg, was für die Historiker des Landesdenkmalamts „auf eine überregionale Bedeutung schließen lässt“. Noch im 18. Jahrhundert führte diese Straße nicht durch den Ortskern weder von Ober- und Unterberken noch durch Wangen. Dass direkt an der Straße die Gaststätten „Hirsch“ und „Lamm“ und von 1843 an auch das Gasthaus „Post“ angesiedelt waren (vermutlich mit Umspannstationen für die erforderlichen Zugpferde), lässt außerdem darauf schließen, dass es sich dabei um Wegestationen gehandelt hat.

In den Archiven finden sich außerdem Hinweise, dass die Straße als überregionaler Handelsweg genutzt wurde: Briefe zwischen den beteiligten Parteien aus dem 17. Jahrhundert berichten von Streitigkeiten um die Instandhandlung der Straße nach Oberberken beim „Roten Stich“, einem Sumpfgebiet am Ende der Alten Steige. Außerdem wird berichtet, auch das ist im Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege nachzulesen, dass die „Mönchsbrücke“ über den Aichenbach am Anfang dieser Steige im 14. Jahrhundert von den Mönchen des Klosters Elchingen gebaut wurde, um den Wein aus den großen Weingütern um Schorndorf nach Ulm transportieren zu können. „Damals waren die Oberberkener in der Fron, im Herbst täglich einen Weinwagen die Schorndorfer Steige hinaufzubringen.“ Die Trassenführung, so der Schluss der Historiker, dürfte also bis ins Mittelalter zurückreichen.

Auf dieser Trasse verkehrten schwere Wagen

Für die Experten tragen all diese Indizien zu einem schlüssigen Bild bei: „Diese alte Fernverbindung umging die Ortskerne direkt und zugleich Steigungen, aber auch feuchte Niederungen. Auf dieser Trasse verkehrten schwere Wagen, unter anderem mit Weinfässern voller Remstalweinen, deren Transport für wichtige Akteure von Bedeutung war.“

Dass bei der Sanierung der Oberberkener Ortsdurchfahrt vor vier Jahren Holzbohlen zum Vorschein gekommen sind, hat Ortsvorsteher Siegbert Doring damals übrigens gar nicht so sehr überrascht: Er erinnerte sich, dass bei Kanalarbeiten im Jahr 1956 schon viel Holz rausgeholt wurde. Die Eichenbohlen, erzählte Doring damals, habe sein Vater dann zu Brennholz verarbeitet.

Als die Ortsdurchfahrt in Oberberken im Jahr 2017 von Grund auf saniert wurde und damals plötzlich ein alter Bohlenweg zutage trat, war sofort klar, dass es sich um einen archäologisch interessanten Fund handeln muss. Roland Buggle, der als ehrenamtlicher Beauftragter des Landesamts für Denkmalpflege zur Fundstelle gerufen wurde, den Bohlenweg nicht nur freigelegt und dokumentiert, sondern auch veranlasst hat, dass die Holzproben ins Landesdenkmalamt nach Esslingen und weiter zur

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