Schorndorf

Neue Genusstour bei den Schorndorfer Weintagen

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Fünf Remstäler Weine an fünf Stationen: Mit dem praktischen Glashalter bleiben die Hände frei. © Habermann / ZVW
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Weintage mit Wetterglück: Temperaturen, nicht zu heiß und nicht zu kalt, lockten am Wochenende die Weinfreunde nach Schorndorf.
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Mit Leiterwagen, Wein und Wasser zum Spülen auf Genusstour mit Stadtführerin Cornelia Hafner. © Gabriel Habermann
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Durch enge Gassen und Winkel. © Gabriel Habermann

Schorndorf. Was die Weintage zwischen Weiß, Rosé und Rot zu bieten haben, das war am Wochenende nicht nur an den Ständen der fünf Remstäler Wengerter zu erleben. Mit der eigens für die Weintage konzipierten Genusstour konnten sich die Teilnehmer verführen lassen – von allerhand Wissenswertem über die Wein-Stadt Schorndorf und von fünf von den Weingütern ausgewählten Weinen.

Als Aperitif im Rathaus-Foyer einen Muskateller-Sekt vom Beutelsbacher Weingut Dobler, im Schatten der Stadtkirche einen Grauburgunder vom Weingut Knauer aus Geradstetten, mit Blick auf das Barbara-Künkelin-Mosaik auf der Rückseite des Alten Rathauses einen Sauvignon blanc der Remstalkellerei, im Innenhof des Burgschlosses vom Großheppacher Weingut Bernhard Ellwanger einen Muskat-Trollinger Rosé und zum Abschluss auf dem Oberen Marktplatz als trockenen Roten einen Lemberger vom Weingut Jürgen Ellwanger aus Winterbach. Die Auswahl, von den Weingütern selbst getroffen, hätte besser nicht sein können – und passte perfekt zu den Stationen, die Stadtführerin Cornelia Hafner am späten Samstag- und Sonntagnachmittag mit jeweils 20 Interessierten ansteuerte.

Auf Genusstouren spezialisiert, hat sie sich für den Weinpart ihre Nichte mit dazugeholt: Sabina Schumann – der Papa war Geschäftsführer der Weingenossenschaft in Fellbach – war aber nicht nur für den Weintransport im Leiterwagen und für den Ausschank der edlen Tropfen in die Gläser zuständig. Sie stellte jeden Wein und das dazugehörige Weingut vor – „zum Wohl“.

Im Mittelalter: Sechs Keltern und 25 Reblagen in Schorndorf

Mit dem fruchtig-frischen Muskateller-Sekt des Weinguts Dobler im Glas war von Cornelia Hafner im Rathaus zu erfahren, dass Schorndorf zwar nicht zu den Pionieren des Weinbaus im Remstal gehörte – die älteste Kelter ist 1086 in Beinstein urkundlich erwähnt, die Schorndorfer erst 1276 –, im Mittelalter aber „richtig Gas gegeben hat“: In der Blütezeit gab es in Schorndorf sechs Keltern und 25 Reblagen. „Wein“, weiß die Stadtführerin, „war ein wichtiges Handelsgut.“ Er wurde verkauft, Salz und Getreide dafür eingekauft. Von dieser florierenden Handelszeit zeugt auch das Alte Rathaus mit seinen Arkadenfenstern im Erdgeschoss: Dort war einst die Schorndorfer Markthalle untergebracht.

Typisch auch die Ackerbürgerhäuser. Zu einem besonders schönen Exemplar im Sack, 1660 erbaut, führt Cornelia Hafner als Nächstes und erklärt: Das gemauerte Erdgeschoss war groß genug für Ställe und Werkzeuge, darüber die Wohnräume und unterm Dach wurde das Getreide gelagert, was bis heute an den Lottern, den Seilzügen, zu erkennen ist. Nicht zu sehen ist auf dieser Tour das Untergeschoss, das aber genauso wichtig war: Bis heute gibt es in der Altstadt viele große Keller, die sogar miteinander verbunden sind.

Wein war früher Lebens-, nicht Genussmittel

Der Wein aber von anno dazumal, erfahren die Tour-Teilnehmer weiter, lässt sich mit heutigen Tropfen nicht vergleichen: der Alkoholgehalt niedriger, dafür mit Gewürznelken, Ingwer und Holundersaft versetzt, „um ihn bekömmlicher zu machen“. Wein war damals Lebens-, nicht Genussmittel, weil Wasser oft verunreinigt war.

Und weiter geht’s, mit dem Glashalter um den Hals, zur Stadtkirche, wo es von Sabina Schumann nicht nur einen Schluck Grauburgunder des Weinguts Knauer gibt, aus dem Töne von Apfel herauszuriechen sind. Dort erfahren die Teilnehmer auch Wissenswertes über die Stadtkirche, die im Mittelalter die drittgrößte Kirche in Württemberger war – nach Stuttgart und Tübingen. Doch der große Stadtbrand, 1634 ausgelöst vom Brandkugelbeschuss der kaiserlichen Truppen, hat Schorndorf arg zurückgeworfen: Von den 4000 Einwohnern, die davor in der Festungsstadt wohnten, sind gerade mal 200 übrig geblieben. Und von 25 Weinlagen waren’s noch 13. Die kleine Eiszeit im Jahr 1816 und die Reblaus haben ein Übriges getan. Heute hat Schorndorf gerade noch zwei Reblagen zu bieten: auf dem Grafenberg und auf dem Sünchen.

Auf einem Spaziergang durch die Altstadt, durch enge Gassen und Winkel geht’s für die Gruppe weiter auf den Unteren Marktplatz, wo Sabina Schumann mit einem kühlen Sauvignon blanc der Remstalkellerei wartet – und Cornelia Hafner daran erinnert, wie arbeitsintensiv der Weinbau bis heute ist: Den größten Fortschritt gab’s in der Keltertechnik – ansonsten ganzjährige Handarbeit auf dem Wengert.

In der Höllgasse, vor dem Geburtshaus von Gottlieb Daimler, wird wieder haltgemacht, bevor es über den Hirschbrunnen an der Johann-Philipp-Palm-Straße zu einem der ältesten Punkte der Stadt geht: zum Burgschloss. Im Innenhof wartet Sabina Schumann mit dem fruchtigen Muskat-Trollinger Rosé des Weinguts Bernhard Ellwanger – und Käse- und Salzstangen zur Stärkung. Und während Cornelia Hafner an den schlimmen Herzog Ulrich, seine zweiwöchige Prunkhochzeit in Stuttgart und den Bauernaufstand „Armer Konrad“ vor 500 Jahren erinnert, können die Teilnehmer beim Genuss des Weines Aromen von Litschi und Rosen erschnuppern. Und sie erfahren bei dieser Gelegenheit: In den Kellerräumen des Schlosses war bis 1980 der Wein der Remstalkellerei gelagert.

Über den Ochsenberg und den Spitalhof, vorbei an alten Stadtmauerresten, geht’s zum Abschluss der Tour auf den Oberen Marktplatz. Auch dort wartet Sabina Schumann bereits mit Leiterwagen und Klapptisch – und einem trockenen Lemberger des Winterbacher Weinguts Jürgen Ellwanger. Die Aromen von Cassis und Pflaume, die im Wein enthalten sind, erkennen nicht alle, das Salz in der Schokolade, die es dazu gibt, aber sehr wohl – wie die Botschaft, die Weintage, Weintour und Cornelia Hafner vermitteln wollen: „Im Remstal gibt es sehr gute Weine.“


Neue Stadtführung

Die eigens für die Weintage konzipierte Stadtführung „Wein-Verführung“ wird vom kommenden Jahr an in das reguläre Führungsprogramm der Stadt aufgenommen und kann über die Stadt-Info gebucht werden. Weitere Infos: www.schorndorf.de.