Schorndorf

Neue Produkte im Concept Store in Schorndorf und wie Jungunternehmer Jakob Härer die Neue Straße aufwerten will

Concept Store Jakob Härer
Jakob Härer vor seinem Concept Store in der Neuen Straße. Neu in seinem Sortiment sind unter anderem Basic-Pullover und T-Shirts, die klimaneutral mit Wind- und Solarenergie produziert sind. © Gabriel Habermann

Es sei ein bisschen so, als würde man ausgebremst werden und wäre gehemmt – Jakob Härer versucht Worte zu finden, um seine derzeitige Gefühlslage zu beschreiben: „Ich stehe in den Startlöchern, um endlich wieder richtig loslegen zu können, aber aus bekannten Gründen müssen wir Einzelhändler gerade andere Wege gehen.“

"Aufgeben war keine Option"

In der Corona-Anfangskrise, genau genommen Ende April 2020, eröffnete der 29-Jährige aus Plüderhausen seinen Concept-Store in der Neuen Straße, dort, wo vorher das Buchkontor war. „Die eigentliche Eröffnung hätte schon früher sein sollen, aber Corona machte da einen Strich durch die Rechnung“, blickt der Jungunternehmer zurück. Bereut habe er es zu keiner Zeit, das Geschäft in einer Krise zu eröffnen, ungeahnt dessen, wie lange diese andauern würde. „Aufgeben war überhaupt keine Option, ganz im Gegenteil“, betont Härer. „Ich habe viel geschafft in dieser Zeit und konnte viele Kunden gewinnen. Dennoch freue ich mich, wenn es wieder losgehen kann. Meine Motivation ist es, alles aufrechtzuerhalten.“ Zum Glück, so sagt der Geschäftsinhaber, sei er alleine im Laden und habe keine Mitarbeiter, um deren Beschäftigungsverhältnis er sich auch noch kümmern müsste.

Im Einzelhandel hat er Erfahrung. Vor seiner Ladeneröffnung arbeitete er im Magazin, einem großen Einrichtungsgeschäft in Stuttgart. Im Moment sei es durch „Click und Collect“ schwieriger geworden. Er versuche, mit den Kunden in Kontakt zu bleiben und ins Gespräch zu kommen, um herauszufinden, was sie brauchen können.

Produkte kommen aus der Region

Anfragen, vor allem über die sozialen Medien, bekomme er gerade viele. Auch übers Telefon nehme er die eine oder andere Bestellung auf. „Es ist derzeit eine Art des Ausprobierens, wie viele Kunden ich auf Instagram oder durch andere Plattformen gewinnen kann.“

In der vergangenen Zeit habe er zudem versucht, sein zweites Standbein als Kommunikations- und Grafikdesigner zu halten: „Da waren zwar Aufträge da, aber die konnten im Endeffekt nicht zu Ende gebracht werden, da beispielsweise Veranstaltungen der Reihe nach abgesagt wurden“, so der junge Gründer.

Kooperation mit dem "Nautilus"

Sein Sortiment möchte er ständig weiterentwickeln, gibt er zu. Worauf er stolz ist: Seine Produkte kommen aus der Region und sind nachhaltig erzeugt, beispielsweise Seifen und Handcremes. Seine Kunden würden vor allem die ausgewählte Ware schätzen, wie beispielsweise den Rudolf- Kaffee aus der gleichnamigen Rösterei. Auch da denke er an einen Ausbau des Angebots. Eine Kooperation soll es werden, mit dem „Nautilus“ – dem Café mit Rösterei, das Anfang Februar in der Moserstraße eröffnet hat (wir berichteten). Angedacht ist eine Schorndorfer „Kaffee-Edition“: „Tassilo Hang und Laura Feyel vom Nautilius liefern das Know-how, und ich das Design“, verrät Jakob Härer.

Dass er seine eigene Marke aufbauen möchte, daraus macht er kein Geheimnis. Aber das habe sich eher mehr und mehr durch den Zuspruch der Kunden entwickelt, die das Logo „jakob“ toll finden. Deshalb jetzt neu im Geschäft: beschriftete Teller, Tassen und Schalen, die in Zusammenarbeit mit der Diakonie Waiblingen entstanden sind. „Ganz schnell“ seien die mit „jakob“ bedruckten Espressotassen ausverkauft gewesen.

Neu sind auch Basic-Pullover und T-Shirts, die klimaneutral mit Wind- und Solarenergie aus GOTS zertifizierter Bio-Baumwolle produziert sind, und die To-Go- Becher aus Flüssigholz, die ein Spezialist im Schwarzwald produziert und die kompostierbar sind. „Als Jubiläumsaktion gibt es alle Produkte meiner Eigenkollektion zum halben Preis“, wirbt der junge Unternehmer.

Neue Straße soll aufgewertet werden

Trotz der Umstände sieht Jakob Härer die kommende Zeit in einem positiven Licht: „Ehrlich gesagt habe ich es aufgegeben, mich an Daten festzuhalten, wann, wie, was geöffnet oder wieder geschlossen wird“ – Jakob Härer wirkt für einen Moment nachdenklich, denn nie hätte er sich zum Beispiel vorstellen können, dass die Gastronomie schließen müsse und so lange geschlossen bleibt. Für ihn war das undenkbar.

Er habe aufgehört „Kraft in die Planungen zu investieren, die vermutlich eh dann wieder wie eine Seifenblase platzen“. Deshalb, so sagt er, warte er nun ab, was passiert – allerdings mit klaren Vorstellungen: „Mein Ziel für die Zukunft ist es vor allem, mehr Kunden zu gewinnen.“ Der junge Mann möchte nach der Krise kleine Events in seinem Laden und auch „coole Aktionen“ veranstalten. Ein konkretes Beispiel: „Ich könnte mir hier genau vor meinem Laden ein kleines Tischtennisturnier vorstellen – indem man einfach eine Tischtennisplatte aufstellt und jeder, der vorbeikommt und mitspielen möchte, kann mitmachen.“

Aber nicht nur da ist er kreativ: „Ich möchte dazu beitragen, dass die Neue Straße aufgewertet wird, dass hier Leben herrscht und die Passanten diesen Teil der Stadt nicht nur als Durchgangsstraße sehen.“ Dazu habe es auch schon konkrete Gespräche mit der Stadtverwaltung gegeben: „Etwa Mitte Mai sollen gepflanzte Kübel in der Straße verteilt werden und auch die Pflanzengitter an manchen Häusern verziert werden“, erklärt Härer.

Dazu seien zunächst die angrenzenden Ladeninhaber als Pflanzenpaten gedacht: „Aber wer ansonsten Interesse hat, kann sich dann gerne als Pate für einen der Pflanzenkübel melden.“

Es sei ein bisschen so, als würde man ausgebremst werden und wäre gehemmt – Jakob Härer versucht Worte zu finden, um seine derzeitige Gefühlslage zu beschreiben: „Ich stehe in den Startlöchern, um endlich wieder richtig loslegen zu können, aber aus bekannten Gründen müssen wir Einzelhändler gerade andere Wege gehen.“

"Aufgeben war keine Option"

In der Corona-Anfangskrise, genau genommen Ende April 2020, eröffnete der 29-Jährige aus Plüderhausen seinen

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