Schorndorf

Neue psychiatrische Praxis am Oberen Marktplatz: Verbesserung der ambulanten Versorgung

MiriamFazel
Miriam Fazel ist begeistert von den Praxisräumen mitten in der Altstadt – im ersten Stock über der Gaupp’schen Apotheke © Gaby Schneider

Je länger eine Krise andauert, desto schwieriger wird es, ihr standzuhalten: Ängste, Niedergeschlagenheit und Depressionen haben seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr deutlich zugenommen. Auch, weil die Perspektive fehlt. Das zeigt sich sogar schon in der neuen psychiatrischen Praxis am Oberen Marktplatz: Anfang März hat Miriam Fazel in Apotheken und Arztpraxen erste Info-Flyer verteilt, am Dienstag nach Ostern wird sie ihre Praxistüren öffnen – und schon jetzt sind alle Termine für die ersten beiden April-Wochen vergeben. Und mag der Gesprächsbedarf in Pandemiezeiten auch besonders groß sein, Tatsache ist: Die ambulante Versorgung im Raum Schorndorf war bisher besonders schlecht.

„Dass Miriam Fazel in der ehemaligen Kinderarztpraxis über der Gaupp’schen Apotheke ihre neuen Praxisräume eröffnen kann, wurde auch erst möglich, als auf Bundesebene die Zahl der Praxissitze unter anderem für Psychiater neu berechnet wurde. Von den freien Sitzen, die im Rems-Murr-Kreis im Sommer 2020 für niedergelassene Psychiater zu vergeben waren, hat die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie einen bekommen.“

Bis Ende März als Oberärztin in der Tagesklinik in Winnenden

Bis Mitte dieser Woche hat sie noch im Klinikum Schloss Winnenden gearbeitet, wo sie als Oberärztin erst in der Psychosomatik, dann in einer allgemeinpsychiatrischen Station war und zuletzt als Leiterin der Tagesklinik auch ein Programm für Borderline-Patienten entwickelt hat. 2016 hat sie im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) den Facharzt und in der Folge viele Weiterbildungen gemacht. Studiert hat sie in Münster und München. In Winnenden hat sie nach der Familienpause angefangen und dort vergangenes Jahr ihr Zehnjähriges gefeiert. Da die Mutter von drei erwachsenen Töchtern an zwei Tagen die Woche auch in einer Praxis in Möhringen gearbeitet hat, ist ihr die ambulante Arbeit nicht fremd. Darum konnte sich die 53-Jährige – obwohl sie sich im Klinikum immer wohlgefühlt hat – eine eigene Praxis gut vorstellen. Dass dann mitten in der Schorndorfer Altstadt passende Räume frei waren, hat ihr die Entscheidung noch mal leichter gemacht.

Miriam Fazel ist es wichtig, nah am Menschen zu arbeiten, sie möchte Patienten Hoffnung geben, Vertrauen, ein Gefühl der Sicherheit. Und sie freut sich, wenn sie den Leidensdruck lindern und Lebenssituationen verbessern kann. „Man kann“, ist Miriam Fazel überzeugt, „so viel helfen und unterstützen.“ Gerade in der aktuellen Krisensituation sieht sie einen hohen Bedarf – auf psychiatrischer und auf psychotherapeutischer Ebene. Weil viele Betreuungsstrukturen weggefallen sind, nicht alle mit der ungewohnten Home-Office-Situation zurechtkommen, etliche mit Existenzängsten zu kämpfen haben und mit der Sorge vor Ansteckung und schweren Krankheitsverläufen, ist die Zahl der Einweisungen nach Miriam Fazels Schätzung auch im ZfP in Winnenden gestiegen. Am häufigsten betroffen sind nach ihrer Beobachtung Corona-Patienten und ihre Angehörigen, Menschen mit Behinderungen, Ältere, aber auch viele Kinder und Jugendliche.

Der wichtigste Rat, den sie in der aktuellen Ausnahmesituation für die psychische Gesundheit geben kann, ist: die Kontakte unter Einhaltung der Hygieneregeln irgendwie zu halten und sich mit anderen Menschen auszutauschen – zur Not über Video oder Telefon. Als Ärztin kann sie nur empfehlen, aktiv zu sein, mit dem Partner, Freunden oder Bekannten raus in die Natur zu gehen, sich zu bewegen und sich immer wieder selbst etwas Gutes zu tun – als Ausgleich für den Dauer-Stress in Pandemie-Zeiten: „Das muss man aktiv und täglich machen, um den Belastungen standhalten zu können.“

Auch mit Online-Angeboten für sich selbst sorgen

Und obwohl sie in ihrer Praxis Patienten erst ab 18 Jahren annimmt, weiß sie: Ausreichend Bewegung im Freien tut insbesondere Kindern und Jugendlichen gut, leiden sie ja bekanntlich besonders unter der schwierigen Situation. Und für alle Altersklassen gilt ganz grundsätzlich: Anstatt sich von Ängsten lähmen zu lassen, sollte man gegensteuern, sich aktiv beschäftigen und ablenken. Denn: „Die Situation und die gegenwärtigen Umstände sind nicht zu ändern, man kann nur den Umgang damit ändern, indem man nach sich schaut und sich gegenseitig unterstützt“, sagt Miriam Fazel und sieht auch in den vielfältigen Online-Angeboten, die es mittlerweile gibt, eine Möglichkeit, für sich selbst zu sorgen.

In ihren frisch renovierten, hellen Praxisräumen arbeitet sie psychiatrisch und verschreibt Medikamente, aber auch psychotherapeutisch. Miriam Fazel ist ausgebildete Verhaltenstherapeutin, arbeitet aber auch verfahrensübergreifend. Sie behandelt Privatpatienten, gesetzlich Versicherte und bietet in der jetzigen Situation natürlich auch Video-Sprechstunden an.

Info

Miriam Fazels psychiatrische Praxis am Oberen Marktplatz 1 + 3 ist telefonisch unter 0 71 81/8 84 14 11 und per E-Mail unter m.fazel@psychiatrie-schorndorf.de zu erreichen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.psychiatrie-schorndorf.de.

Je länger eine Krise andauert, desto schwieriger wird es, ihr standzuhalten: Ängste, Niedergeschlagenheit und Depressionen haben seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr deutlich zugenommen. Auch, weil die Perspektive fehlt. Das zeigt sich sogar schon in der neuen psychiatrischen Praxis am Oberen Marktplatz: Anfang März hat Miriam Fazel in Apotheken und Arztpraxen erste Info-Flyer verteilt, am Dienstag nach Ostern wird sie ihre Praxistüren öffnen – und schon jetzt sind alle Termine für

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