Schorndorf

Neue Zu- und Abfahrtsstraße soll Gewerbegebiet entlasten

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Der Ausbau der neuen Zubringerstraße für die Gewerbegebiete könnte zeitnah beginnen. © Alexander Roth
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Durch die neue Straße hinter den Betriebsgebäuden versprechen sich die Anwohner eine deutliche Entlastung der Wilhelm-Enßle-Straße und der angrenzenden Straßen vom Lkw-Verkehr.

Remshalden. Seit mehr als drei Jahren wird diskutiert und geplant, jetzt liegt das Ziel in greifbare Nähe, die Anwohner der Remshaldener Wilhelm-Enßle-Straße und der angrenzenden Straßen von den schlimmsten Ausmaßen des Lkw-Verkehrs zu entlasten. Wenn alles gut läuft, könnte 2019 die ersehnte neue Zu- und Abfahrtsstraße für die Firmen Almet und Palmer gebaut werden.

Vor mehr als drei Jahren sind einige Anwohner der Wilhelm-Enßle-Straße aufgestanden und haben begonnen, sich lautstark gegen den „Lkw-Terror“, wie sie es nannten, zu wehren. In der Straße stoßen Gewerbe- und Wohngebiet direkt aneinander. Dass das eine Fehlplanung war, die durch die Genehmigung weiterer Neubauten fortgeführt wurde, bestreitet heute kaum noch jemand. Die verfahrene Situation schien kaum zu lösen, die Fronten waren verhärtet. Doch mittlerweile ist der Ton versöhnlicher geworden. „Wenn alles so weiter fortschreitet, dann können wir möglicherweise zufrieden sein“, sagt Werner Hutzler, einer der engagierten Anwohner.

Dass er seine Zufriedenheit mit den Entwicklungen in so vorsichtige Worte kleidet, liegt daran, dass noch einige offene Punkte im Spiel sind. Aber ein entscheidender Vorgang geht jetzt seinem Abschluss entgegen: Der Gemeinderat hat Anfang dieser Woche einstimmig den Bebauungsplanentwurf gebilligt, der die Grundlage für den Ausbau des bisherigen Fuß- und Radwegs am Kelterwiesenbach zu einer einspurigen Straße für die Firmen Almet und Palmer darstellt.

Dieser Planentwurf wird nun vom 10. Januar bis zum 8. Februar öffentlich ausgelegt. Auch Bürger können dann Einwände dazu einreichen. Diese muss der Gemeinderat abwägen und kann dann, wenn alles glattgeht, den Bebauungsplan rechtskräftig beschließen. „Dann bedarf es keiner Baugenehmigung mehr“, sagt Bürgermeister Reinhard Molt. Sprich: Der Ausbau der neuen Zubringerstraße für die Gewerbegebiete könnte zeitnah beginnen.

Durchfahrtsverbot und neue Beschilderung

Durch die neue Straße hinter den Betriebsgebäuden versprechen sich die Anwohner eine deutliche Entlastung der Wilhelm-Enßle-Straße und der angrenzenden Straßen vom Lkw-Verkehr. Weitere Maßnahmen sollen zu einer Verbesserung beitragen. So gilt seit Anfang Dezember ein Durchfahrtsverbot für Lkw in der Falkenstraße. „Das ging plötzlich“, meint Werner Hutzler. Kurz nach einem Gespräch einer Gruppe von Anwohnern mit Bürgermeister Molt, sei das endlich umgesetzt worden, nach dem lange Zeit nichts passiert sei. Man sei Molt dafür sehr dankbar. „Das Gespräch mit ihm war sehr fruchtbar“, sagt Hutzler.

Eine weitere Maßnahme: Auf der Mittelquerspange zwischen Geradstetten und Grunbach, wo die Lkw von der B 29 aus landen, soll eine klare Beschilderung kommen. Man wolle die Kraftfahrer dort gezielt auf den richtigen Weg zum Gewerbegebiet in der Wilhelm-Enßle-Straße lotsen, ohne dass sie über die Hauptstraße durch Geradstetten und Hebsack fahrenmüssen, um dann über enge Wohnstraßen zum Gewerbegebiet zu kurven. Auch für die B 29-Ausfahrt aus der anderen Richtung, zwischen Winterbach und Hebsack, werde über eine Beschilderung nachgedacht, so Bürgermeister Reinhard Molt.

Die Orientierungslosigkeit der Lkw-Fahrer erlebt auch Werner Hutzler als großes Problem. Trotz riesiger Schilder an dem neu eingebauten Rolltor zwischen den Gebäuden von Palmer und Almet würden diese falsch abbiegen, mit laufendem Motor herumstehen und dann zurücksetzen – „und dazwischen torkeln Kinder rum“.

Offene Fragen

Bei einem weiteren „Runden Tisch“ am 16. Januar mit allen Beteiligten, also Verwaltung, Firmenvertretern und Anwohnern sollen jetzt solche offenen Punkte besprochen und Lösungen gesucht werden. Diskutieren wolle er auch noch die Frage, ob die Straße Markgraben zu einer Einbahnstraße werden könne, die nur noch in Richtung Obere Hauptstraße befahrbar ist, sagt Reinhard Molt. So sah es das Verkehrskonzept vor, das noch unter Molts Amtsvorgänger Stefan Breiter beschlossen wurde.

Außerdem ist noch ungeklärt, wo eigentlich mal der Radweg verläuft, der durch den Ausbau des bisherigen Weges Kelterwiesenbach zur Privatstraße für die Gewerbebetriebe wegfällt. „Das will ich großflächiger angehen mit dem Thema Verkehrskonzeption insgesamt“, sagt Reinhard Molt. „Da will ich keinen Schnellschuss machen.“ Wenn die Radler künftig die Wilhelm-Enßle-Straße nutzen, dann wäre ein „Radschutzstreifen“ denkbar, meint er, also ein Radweg. Man müsse aber bedenken, dass dann in der ganzen Wilhelm-Enßle-Straße nicht mehr geparkt werden könne. „Diese Sache kann an keinem Runden Tisch gelöst werden“, so Molts Ansicht. Dazu sei eine Verkehrsschau mit Polizei und Landratsamt nötig.


Verstöße gegen Auflagen

Zu Ärger bei den Anwohnern der Firma Almet in der Wilhelm-Enßle-Straße haben deren Verstöße gegen die Auflagen gesorgt, die mit der Genehmigung für das neue Firmengebäude einhergingen.

Dazu gehörte zum Beispiel eine Beschränkung des Lkw-Verkehrs auf einen Zeitraum zwischen 7 und 20 Uhr. Laut Landratsamt hat sich nach Beschwerden der Anlieger herausgestellt, dass diese teilweise missachtet wurden.

Gleiches gilt für das Sektionaltor, das mit dem Almet-Neubau vor dem Abschnitt der Straße Markgraben zwischen Palmer und Almet eingebaut wurde, um die Anlieger vom Betriebslärm abzuschirmen. Dieses sei von Mitte April bis anfang Juni aufgrund eines Defektes nicht geschlossen gewesen, schreibt das Landratsamt auf Anfrage. Folge: „Das Baurechtsamt hat daraufhin Vollstreckungsmaßnahmen angesetzt, damit die Auflagen umgesetzt werden.“

Dann hat das Landratsamt ergänzend gutachterlich nachmessen lassen, ob die zulässigen Lärmgrenzwerte eingehalten werden. Das sei der Fall gewesen. „Weiter wurde auch der Betreiber sensibilisiert“, so das Amt. „Derzeitig liegen keine Verstöße mehr vor, sämtliche Auflagen sind eingehalten. Seitens der Nachbarschaft sind seit August 2018 keine Beschwerden eingegangen.“

Almet-Geschäftsführer Andreas Wiedmann wollte sich zu den Verstößen nicht äußern. Er sagt auf Anfrage: „Wir sind mit allen Behörden in engem Kontakt. Und wird sind offen für alles, was Verbesserungen bringt.“