Schorndorf

Neuer äthiopischer Laden in Schorndorf ist auch Zeremonienort für Kaffee

Nilquellekaffee
Sobald es wieder möglich ist, will Selamawit Zeleke in ihrem Laden auch traditionelle Kaffeezeremonien anbieten. © Gaby Schneider

An den ersten, etwas faden und ziemlich dünnen deutschen Kaffee kann sich Selamawit Zeleke noch gut erinnern. Und auch an das Rotkraut, das ihr zum Essen serviert wurde, als sie vor 20 Jahren der Liebe wegen aus Addis Abeba nach Deutschland kam. Mittlerweile kann die 42-Jährige, die mit ihrem Mann und ihren beiden 14 und 16 Jahre alten Kindern in Schorndorf lebt, dem süß-sauer eingekochten Kraut tatsächlich was abgewinnen und zählt auch Spätzle zu ihren Leibgerichten. Doch an äthiopischen Kaffee kommt für sie nichts heran: Die grünen Kaffeebohnen frisch geröstet und von Hand gemahlen, der Kaffee dreimal aufgegossen und ausgeschenkt aus einer bauchigen Jebena-Tonkanne – mit dieser Zeremonie, die für Frauen in Äthiopien ein wichtiger Bestandteil des täglichen Soziallebens ist, hat Selamawit Zeleke auch schon lange Schlangen von Nicht-Afrikanern überzeugt. War sie in der Vergangenheit auf Basaren mit ihrem selbst gemachten Opal- und Fimoschmuck, gab es an ihrem Stand auch immer äthiopische Kaffeezeremonien – und die Frage von vielen begeisterten Genießern: Wo ist Ihr Laden?

Bohnen aus Äthiopien, geröstet in Schorndorf

Diese Frage kann die 42-Jährige mittlerweile beantworten: In der Schulstraße 9, wo zuletzt ein afrikanisch-asiatischer Lebensmittelladen war, hat sie mit der „Nilquelle“ ein Geschäft eröffnet, in dem es ihren Schmuck gibt – und natürlich äthiopischen Kaffee. Eine Freundin, erzählt Selamawit Zeleke, bringt die grünen Bohnen aus Äthiopien mit, geröstet wird er im Moment bei Rudolf-Kaffee in der Remsstraße. Sobald Corona es wieder möglich macht, will die 42-Jährige selbst im Laden rösten – und samstags zur traditionellen Kaffeezeremonie laden. Bis dahin gibt es den Kaffee, geröstet oder ungeröstet, bei ihr zu kaufen. Oder – nach italienischer Art – aus der Siebträgermaschine im Pappbecher zum Mitnehmen.

Doch aus Äthiopien kann Selamawit Zeleke noch mehr bieten: bunte Bilder und handgemachte Graskörbe, die an den Wänden ihres Ladens hängen, opulenten Schmuck in Glasvitrinen, Kleider mit kunstvollen Bordüren und Regale voller Gewürze, die es zum Teil tatsächlich nur in dem ostafrikanischen Land gibt. Weißkümmel, schwarzer Kardamom, eine spezielle Thymian-Art, aber auch Bockshornklee, Schwarzkümmel, Zimtstangen, Nelken, Sternanis und Kurkuma, die Selamawit Zeleke von Lieferanten auch aus anderen Teilen Afrikas bezieht. Außerdem gibt es bei ihr glutenfreies Teffmehl, aus dem sich Injera-Fladen backen lassen.

Wie die fermentierten Pfannkuchen hergestellt werden, die es in äthiopischen Restaurants auch in Stuttgart auf der Speisekarte gibt, demonstriert die 42-Jährige in einem ihrer mehr als 500 Videos, die sie unter Selam Habesha auf Youtube veröffentlicht. Doch auch in ihrem Laden gibt es Rezeptvorschläge – wie für das äthiopische Linsengericht „Messir Wot“ (siehe Infobox).

Vom besten Kaffee der Welt schon überzeugt

Im Grunde möchte die 42-Jährige genau das mit ihrem Laden bieten: ein Stück äthiopischer Kultur. Viele ihrer Kunden sind schon überzeugt – und halten den säurearmen, geschmacksreichen, äthiopischen Kaffee für den besten der Welt. Andere sind interessiert, was das afrikanische Land zu bieten hat – und können, wenn sie über die Türschwelle treten, in der „Nilquelle“ auf eine spannende Entdeckungsreise gehen.

An den ersten, etwas faden und ziemlich dünnen deutschen Kaffee kann sich Selamawit Zeleke noch gut erinnern. Und auch an das Rotkraut, das ihr zum Essen serviert wurde, als sie vor 20 Jahren der Liebe wegen aus Addis Abeba nach Deutschland kam. Mittlerweile kann die 42-Jährige, die mit ihrem Mann und ihren beiden 14 und 16 Jahre alten Kindern in Schorndorf lebt, dem süß-sauer eingekochten Kraut tatsächlich was abgewinnen und zählt auch Spätzle zu ihren Leibgerichten. Doch an äthiopischen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper