Schorndorf

Neuer Boden trotz Standortdiskussion

Buecherei
Frei geräumt ist der Anblick des 30 Jahre alten Teppichbodens in der Stadtbücherei noch übler als im täglichen Betrieb. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Mitten in der heißen Standortdiskussion wird in der Stadtbücherei renoviert. Warum das nicht Geldverschwendung, sondern sinnvoll und nötig ist, muss Büchereileiterin Marianne Seidel zurzeit immer wieder erklären: Die Jahre, die sich der Umzug in ein neues Domizil wohl noch hinziehen wird, wären mit dem 30 Jahre alten, abgewetzten Teppichboden einfach nicht mehr zu überbrücken gewesen.

Ohne die mit Romanen und Kinderbüchern vollgestellten Regale wirkt die Stadtbücherei, die eigentlich schon seit Jahren in jeder Hinsicht an ihre Grenzen stößt, plötzlich licht und hell. Die Hälfte der insgesamt 600 Quadratmeter haben Umzugsprofis am Freitag vergangener Woche leer geräumt und dafür 55 Regal-Meter in den Sachbuchbereich verschoben.

Am Tag zuvor haben Marianne Seidel und ihre Mitarbeiterinnen ihre Büros ausgeräumt. Denn hier wie im Ausleihbereich muss der Teppichboden dringend erneuert werden: 30 Jahre alt, fleckig und von bis zu 80 000 Besuchern im Jahr bis auf den Grund abgewetzt – für die Büchereileiterin war der Zustand inzwischen auch „eine Frage der Hygiene“.

Außerplanmäßige Mittel – aber nur für die eine Hälfte des Bodens

Wäre ein Umzug in den Güterbahnhof oder ins Spital absehbar, der Teppichboden hätte vielleicht noch ein, zwei Jahre liegen bleiben können. Doch da die Zukunft noch immer ungewiss ist, hat sich Seidel für die Sanierung starkgemacht und ist froh, dass der Gemeinderat im Sommer die außerplanmäßigen Mittel im Haushalt eingestellt hat. Freilich nur für die Büchereifläche, die es wirklich dringend nötig hat: Der Boden aus den 1990er Jahren im Sachbuchbereich wird nicht erneuert.

Dass das Umzugsunternehmen den anderen Bereich am Freitag in nur sechs Stunden leer räumen konnte, ist für die Büchereileiterin nicht zuletzt auch ein Verdienst der Nutzer: „Unsere Leser waren super.“ Seitdem die Renovierung kommuniziert wurde, haben sie massenweise Bücher ausgeliehen. Tonnen, die dann nicht mehr geschleppt werden mussten: „Im Oktober“, sagt Seidel, „war das große Mitnehmen.“

Erster Öffnungstag: Dienstag, 6. Dezember

Am Mittwoch werden dann zunächst die Maler in die Bücherei kommen und den Wänden im Sanierungsbereich einen neuen Anstrich geben. Dann beginnen die Bodenarbeiten, die bis 5. Dezember abgeschlossen sein sollen. Erster Öffnungstag – inklusive neugestalteter Leseterrasse – ist dann der Dienstag, 6. Dezember, für den Marianne Seidel freilich einen großen Wunsch an die Nutzer hat: „Bitte nicht alle gleichzeitig kommen.“

Das würde die acht Bücherei-Mitarbeiterinnen heillos überfordern. Bedeutet die Renovierungszeit für sie doch nicht Freizeit: Sie helfen im Stadtarchiv aus und gehen – erstmals – mit Hase Henry und Bücherkoffer in Grundschulen, um Erstklässler persönlich in die Bücherei einzuladen. Außerdem will Marianne Seidel die Zeit nutzen, um mit ihren Mitarbeiterinnen konzeptionell zu arbeiten. Wohin geht die Reise der Bücherei? Für Marianne Seidel ist das nicht nur eine örtliche, sondern eben auch eine inhaltliche Frage.