Schorndorf

Neuer Fachrat für Integration in Schorndorf: Bildung und Sprachhilfe als Türöffner

Integrationsbeirat
Tania Giffoni und Muhammet Türk. © Alexandra Palmizi

Mangelnde Sprachkenntnisse, Schul- und Bildungsprobleme, Ausgrenzung und Rassismus, aber auch die interkulturelle Öffnung nach innen und außen: Themen hat der neu gegründete Fachrat für Integration genug. Im Mai hatte er zum ersten Mal getagt, inzwischen haben die Mitglieder ihre Sprecher gewählt: Tania Giffoni und Muhammet Türk sind die Mitglieder, die das Gremium nach außen repräsentieren und im Gemeinderat und in den Ausschüssen vertreten werden. Beide sind angetreten, um Menschen mit Migrationshintergrund in Schorndorf eine Stimme zu geben, konkrete Hilfe zu leisten und zu unterstützen. Wie schwer es Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Migrationshintergrund haben können, wissen beide aus persönlicher und beruflicher Erfahrung. Tania Giffoni (38) ist Lehrerin an einer Gemeinschaftsschule, Muhammet Türk (38) ist Berufsberater bei der Bundesagentur für Arbeit.

Die Sprachbarriere bei Kindern empfindet Tania Giffoni als großes Problem. „Wie kann es sein, dass Kinder, die hier geboren sind, bei ihrer Einschulung Sprachprobleme haben?“, fragt sie. Deshalb will sie auf die schlechten Chancen von Kindern aufmerksam machen, die nicht gut Deutsch lernen. Die Sprachförderung hat sie sich deshalb besonders auf die Fahnen geschrieben. Derzeit wird im Fachrat für Integration der Stand an Sprachkursen und -förderung für Kinder und Erwachsene erhoben. Für Tanja Giffoni ist klar: „Sprachförderung ist gut investiertes Geld.“

Die ersten „Gastarbeiter“ in Schornbach

Das meint auch Muhammet Türk, der als Kind für seine Eltern in Deutschland übersetzt hat. 1969 kam sein Vater mit 16 Jahren nach Deutschland. Sein Ziel: Geld zu verdienen und wieder zurückzugehen. „Wir Kinder haben als Dolmetscher agiert“, erzählt er. Es kam anders als geplant. Der Vater blieb und arbeitete 40 Jahre lang bei Bosch. Die Schulbildung seiner Kinder sei dem Vater unendlich wichtig gewesen, der selbst die Schule in der vierten Klasse verlassen und das Vieh hüten musste, erzählt Muhammet Türk. Ähnliche Erfahrungen bringt Tania Giffoni mit, die als Kind in der einzigen „Gastarbeiter“-Familie in Schornbach aufgewachsen ist. Während Opa und Oma später zurück nach Italien gingen, blieb der Rest der Familie. „Es war ihnen klar, dass wir hier alle Möglichkeiten haben.“

Muhammet Türk und Tania Giffoni sind heute dankbar für die Entwicklung, die sie selbst gemacht haben. „Wir wollen etwas zurückgeben“, sagt Tania Giffoni. Für die Menschen mit Migrationshintergrund und deren Belange wollen sie sich aber nicht nur auf politischer Ebene im Gemeinderat einsetzen, sondern ihnen auch konkret Mut machen. „Es gibt immer eine Möglichkeit, egal wie die Situation ist“, ist Muhammet Türk überzeugt. Beide wissen aber auch: „Es ist keine Einbahnstraße“, sagt Tania Giffoni. Die Kinder müssten merken, wie wichtig Bildung ist, auch wenn ihnen die eigenen Eltern beim Lernen nicht helfen könnten. Ihren eigenen Eltern sei Bildung so wichtig gewesen, dass sie noch als Erwachsene über das italienische Konsulat den Hauptschulabschluss gemacht hätten.

Drei Arbeitsgruppen wurden gebildet

In Zukunft soll der Fachrat für Integration den Gemeinderat bei allen Belangen beraten, die Menschen mit ausländischen Wurzeln betreffen. Drei Arbeitsgruppen wurden gebildet, die sich mit Sprache und Bildung, mit Antirassismus und Antidiskriminierung sowie der interkulturellen Öffnung befassen. Derzeit wird auch erhoben, welche (Kultur-)Vereine und Gruppen von Migranten es in Schorndorf gibt. Über all das sind Muhammet Türk und Tania Giffoni sehr froh. „Man sollte nicht immer über die Menschen mit Migrationshintergrund reden, sonder mit ihnen“, sagt Tanja Giffoni. Als sie das Info-Plakat für den Integrations-Fachrat sah, habe sie deshalb „Endlich!“ gesagt. „Ich habe oft gedacht, redet doch mal mit uns. Jetzt wird zumindest mit einem Teil von uns geredet.“

Info

Tanja Giffoni und Muhammet Türk stehen bei Fragen und Anliegen gerne zu Verfügung. Zu erreichen sind sie per Mail über tania.giffoni@schorndorf.de und muhammet.tuerk@schorndorf.de

Mangelnde Sprachkenntnisse, Schul- und Bildungsprobleme, Ausgrenzung und Rassismus, aber auch die interkulturelle Öffnung nach innen und außen: Themen hat der neu gegründete Fachrat für Integration genug. Im Mai hatte er zum ersten Mal getagt, inzwischen haben die Mitglieder ihre Sprecher gewählt: Tania Giffoni und Muhammet Türk sind die Mitglieder, die das Gremium nach außen repräsentieren und im Gemeinderat und in den Ausschüssen vertreten werden. Beide sind angetreten, um Menschen mit

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