Schorndorf

Neues aus Geschichte und Gegenwart: Heimatblätter und Jahrbuch für Schorndorf erschienen

Heimatblätter 2021
Der neue Band der Heimatblätter. © privat

Die Heimatblätter für 2019/2020 sind soeben erschienen und sie kommen gerade recht. Die Tage werden wieder kürzer, und die langen Abende laden dazu ein, sich in den abwechslungsreichen, informativen und reich bebilderten Band zu vertiefen. Herausgegeben von der Stadt Schorndorf und dem Heimatverein, liegt abermals ein unterhaltsames Jahrbuch mit Neuigkeiten aus ältester Geschichte bis hin zur Gegenwart vor.

Aus der Werkstatt neuester Ansätze familiennaher Geschichtsvermittlung im Stadtmuseum berichtet Nina Raczek. Die Museumspädagogik musste sich durch eine „Digitale Generation“ herausgefordert bewegen, was sie anhand der Ausstellung „Mammut, Römer, Kelten & Co.“ anschaulich macht. Im Mittelpunkt bleiben zwar die originalen Ausgrabungsobjekte, aber um das Interesse der (jungen) Besucher zu beleben, braucht es auch „interaktive Mitmachstationen“. Vor allem die Kids scheinen besonders durch „Action“ zu lernen.

Einblick in die Urkunden seines Stadtarchivs gibt Harald Winkel. Sie „lassen den Leser tief in die Rechts- und Lebenswirklichkeit vergangener Zeiten eintauchen“, schreibt der Stadtarchivar und gibt ein paar interessante Beispiele, in denen es meist um handfeste Rechtsstreitigkeiten geht, über die man vielleicht sogar (absurde) Romane schreiben könnte.

Der Kopf des Engels verschwand 2008

Nadja Bühler stellt Friedrich von Stroelin (1794-1882) vor, der von 1831 bis 1860 Oberamtmann in Schorndorf war. Eine Zeit großen Mangels durch Trockenheit, Kartoffelkrankheiten und schlechte Ernten, die viele Remstäler zur Auswanderung zwang. Der karrierebewusste, zweimal verheiratete Vater von 14 Kindern scheint eine geachtete Persönlichkeit gewesen zu sein. „Ein auffallendes Grabmal“, schreibt Nadja Bühler, „erinnert auf dem Alten Friedhof in Schorndorf an ihn und seine Familie. Es besteht aus einem eindrucksvollen Engel, der auf einem Steinsockel thront.“

Der Kopf des Engels wurde vermutlich während der SchoWo 2008 entwendet. Vor allem Roland Buggle hat sich dann für eine Restaurierung des Engels starkgemacht, die dann, mit vielen tatkräftigen Spendern und der Organisationsarbeit im Stadtmuseum, bis zur Gartenschau 2019 auch erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Anlässlich der Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ zum Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht hielt Museumsleiterin Dr. Andrea Bergler 2019 einen so fakten- wie facettenreichen Vortrag „zum Kampf um die politische Gleichberechtigung von Frauen“, der nun überarbeitet vorliegt. Daraus nur so viel: 1922 wurde die Apothekerin Klara Palm als Nachrückerin die erste Gemeinderätin Schorndorfs. Sie vertrat die Deutschnationale Volkspartei, die im Schorndorfer Gemeinderat bis Ende der 1920er Jahre die größte Fraktion war und, so der Historiker Hans-Ulrich Wehler, „sich als stramm nationalistische, friedensverweigernde, ultrakonservative Alternative“ zur republikanischen Weimarer Koalition anbot.

Erst 1948 kam dann mit Rosa Kamm (SPD) erstmals wieder eine Frau in den Gemeinderat. Und nun, wir springen, im Juni 2021 sind im Schorndorfer Gemeinderat 13 Frauen und 19 Männer vertreten. Eine Erfolgsgeschichte?

Zum 70. Gründungsjubiläum des Heimatvereins hielt der Historiker Thomas Schnabel 2019 einen Festvortrag zum Thema Heimat. „Die Heimat“, sagte Schnabel, „bedarf aber der Pflege und Vermittlung, nicht des Geschreis, der Agitation oder gar der kollektiven Ausgrenzung oder Stigmatisierung ganzer Bevölkerungsgruppen.“

Lisa-Marie Kenkel widmet sich in ihrem Beitrag der 50-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Tulle und Schorndorf. Aktuelle Geschichtsschreibung vom Feinsten. Wie auch die Laudatio auf die Barbara-Künkelin-Preisträgerin Dunja Hayali von Christine Lambrecht.

Mit Lust liest man die Beiträge zum Schorndorfer Ringer und Dichter Fred Boger. Um Verluste geht es am Ende in den einfühlsamen Nachrufen auf Schorndorfs im selben Jahr verstorbene Ehrenbürger Werner Lempp und Karl-Otto Völker. Überraschend bei der Lektüre: zwei sehr unterschiedliche Lebensmilieus und so viele Gemeinsamkeiten im sozialen Engagement!

Die Heimatblätter sind erhältlich im Stadtmuseum und in der Buchhandlung Seelow und kosten 15 Euro.

Die Heimatblätter für 2019/2020 sind soeben erschienen und sie kommen gerade recht. Die Tage werden wieder kürzer, und die langen Abende laden dazu ein, sich in den abwechslungsreichen, informativen und reich bebilderten Band zu vertiefen. Herausgegeben von der Stadt Schorndorf und dem Heimatverein, liegt abermals ein unterhaltsames Jahrbuch mit Neuigkeiten aus ältester Geschichte bis hin zur Gegenwart vor.

Aus der Werkstatt neuester Ansätze familiennaher Geschichtsvermittlung im

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