Schorndorf

Neues Praxisbuch „Mit Kindern gemeinsam trauern“

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Seit 15 Jahren leitet Gabriele Schmidt-Klering Trauergruppen für Kinder. Jetzt hat sie ein Buch zum Thema geschrieben. © Büttner / ZVW

Schorndorf. Abschied, Tod und Trauer sind schwere Themen. Doch sie werden nicht leichter, wenn wir sie gedanklich wegschieben. Dass gerade Kinder in ihrem Umgang damit ernstgenommen werden wollen, das erlebt Gabriele Schmidt-Klering in ihren Trauergruppen immer wieder. Jetzt hat die Erzieherin ein Buch zum Thema geschrieben, mit dem sie ganz praktisch Anregungen geben will für eine achtsame und ehrliche Trauerbegleitung.

Video: Gabriele Schmidt-Klering im Interview.

Einfach nichts sagen, wegducken, in Gesprächen einen großen Bogen um die verstorbene Person machen, bald wieder auf Normalität pochen – die Strategien, Abschied, Tod und Trauer aus unserem Leben zu schieben, sind vielfältig, Unsicherheit und Hilflosigkeit groß. Dass gerade aber Kinder ein Bedürfnis haben, sich mit der Verlusterfahrung auseinanderzusetzen, das erlebt Gabriele Schmidt-Klering in ihren Trauergruppen immer wieder. „Kindern“, sagt die 59-Jährige, „tut es sehr gut, wenn sie über die verstorbene Person sprechen können.“

Bis Kinder zu reden beginnen, kann viel Zeit vergehen

Vor 15 Jahren hat sich die Erzieherin zur zertifizierten Trauerbegleiterin ausbilden lassen – und weiß längst: Bis Kinder zu reden beginnen, kann viel Zeit vergehen. Darum sind ihre drei Gruppen, die sie für Sechs- bis Zehnjährige, für Zwölf- bis 14-Jährige und für 15- bis 18-Jährige im Familienzentrum anbietet, auch keine Gesprächskreise. Gabriele Schmidt-Klering ist es in der Trauerbegleitung wichtig, dass sich das Pendel zwischen dem Schweren und schönen Erlebnissen immer wieder hin- und herbewegt: „Kinder brauchen für sich auch eine Hoffnung auf ein gutes Weiterleben.“ Und weil es ihnen oft an sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten fehlt, arbeitet die Trauerbegleiterin bewusst mit Bilderbüchern und Geschichten. Im steten Bewusstsein, dass Veränderungen und Abschiede unser ganzes Leben durchziehen, in dem auf jedes Frühjahr der Sommer und auf den Herbst der Winter folgt.

Musik kann trösten, Körpererfahrungen entspannen

Als Trauerbegleiterin ermuntert sie Kinder, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden, und weiß, dass Körpererfahrungen die Anspannung lösen können. Musik kann trösten. Und sie erlebt immer wieder, dass Kinder über den Umgang mit Farben, Ton und Wolle einen Zugang zu ihrer Trauer finden können – und freut sich, wenn sie begeistert den Vorschlag aufgreifen, beim Nassfilzen Erinnerungszettel ins Innere der Filzkugeln einzuarbeiten.

Kinder müssen Abschied nehmen können

„Ein bisschen Sicherheit“ will sie auch als Autorin geben: Darum finden sich in ihrem 140-Seiten-Buch, das nicht nur für betroffene Familien hilfreich sein kann, sondern auch Wege für Erzieherinnen und Lehrer aufzeigt, ganz konkrete Anregungen. Wie diese: „Kinder brauchen eine aufmerksame Umgebung“ – und in der ersten Phase vielleicht einen Menschen von außerhalb, der sich kümmert, zuhört und auf die Beerdigung vorbereitet. Denn das ist für sie als Trauerbegleiterin wichtig: Sie will den Kindern nicht nur einen sicheren Ort bieten, wo Erinnerungen möglich sind. Ihr geht es auch darum, nach den Ressourcen der Kinder zu schauen: Wen gibt es, mit dem sie sprechen können? Welche Namen könnten in den Fingern der Helferhand stehen? Kinder, weiß Gabriele Schmidt-Klering, brauchen wahrheitsgetreue Informationen und müssen Abschied nehmen können. Rituale, schreibt sie in ihrem Buch, „geben Sicherheit und Halt“ – und müssen gar nicht spektakulär sein: So hilft es vielleicht schon, jeden Sonntag am Frühstückstisch eine Kerze für den Verstorbenen anzuzünden, abends ein besonderes Erinnerungslied zu singen oder Gedankenzettel in einer Dose zu sammeln.

Anfang März ist das Praxisbuch erschienen

Weil sie bei einem Besuch auf der Bildungsmesse „Didakta“ vor vier Jahren Bücher über den Umgang mit trauernden Kindern vermisst hat, ist Gabriele Schmidt-Klering selbst aktiv geworden: Und da dem Münchner Reinhardt-Verlag, den die Erzieherin für seine Ratgeberreihe „Kinder sind Kinder“ sehr schätzt, ihr 30-seitiges Probekapitel zugesagt hat, konnte sich die 59-Jährige im vergangenen Sommer tatsächlich ans Werk machen. Anfang März ist ihr Praxisbuch erschienen, das sich zunächst in einem Theorieteil ganz allgemein mit Tod und Trauer in unserer Gesellschaft beschäftigt und mit der Frage, wie Kinder über den Tod denken. Der Praxisteil setzt sich – in überschaubaren Textabschnitten – dann ganz bewusst damit auseinander, was trauernde Kinder brauchen. Und dafür liefert die Autorin immer wieder konkrete Tipps zum Ausprobieren. Sie bietet Ideen zum Sprechen und Philosophieren mit Kindern – und will damit hilfreiche Anregungen für Betroffene in Familien und Einrichtungen bieten, aber auch „ein interessantes Buch für alle Menschen, die mit Kindern zu tun haben“.

Autorenlesung

Gabriele Schmidt-Klering liest am Donnerstag, 27. April, von 19 Uhr an im Familienzentrum aus ihrem Buch „Mit Kindern gemeinsam trauern“.

Erschienen ist es Anfang März 2017 im Reinhardt-Verlag und zum Preis von 14,99 Euro im Buchhandel erhältlich.