Schorndorf

Neueste Technik im Kirchenraum: Schorndorfer Versöhnungskirche  ist für Pandemiezeiten gerüstet

Versöhnungskirche
Laienvorsitzender Klaus Göckmann, Jörg Sommer als Vorsitzender des Bauausschusses, technischer Berater Nathanael Fuchsloch und Pfarrer Thomas Fuchsloch (von links) beim Baustellenbesuch. © ALEXANDRA PALMIZI

Es gibt Gläubige, die fühlen sich in Corona-Zeiten, in denen kaum mehr als Sonntags-Gottesdienste mit weiten Abständen möglich sind, im Stich gelassen. Gemeinsames Singen, Chorproben, Jungschartreffen, Kirchenkonzerte – alles gestrichen. Auch in der Versöhnungskirche hält man sich strikt an die Abstands- und Hygieneregeln: Doch vor drei Jahren hat der Kirchengemeinderat dort eine weitsichtige Entscheidung getroffen, mit der in Pandemiezeiten einfach mehr geht.

Und so sind seit September die Handwerker im Kircheninnern am Werk und bringen die Lautsprecheranlage, die Beleuchtung und die Kamera-Technik nicht nur auf den neuesten Stand, sondern auf Konzert- und Veranstaltungs-Niveau. Erfahrungen mit Gottesdiensten als Livestream im Internet und als Youtube-Video – mit 20 000 Klicks – hat die Kirchengemeinde noch mit der alten Technik bereits im ersten Lockdown im Frühjahr gesammelt. Außerdem hat Pfarrer Thomas Fuchsloch im Schorndorfer Auto-Kino vor 80 Autos aus dem ganzen Landkreis gepredigt und im Sommer auf der Bühne vor der Kirche, wo auch an insgesamt neun Samstagabenden Hofkonzerte stattfanden.

Pfarrer Fuchsloch: „Macht euch die Technik untertan“

In der Bibel steht, sagt Fuchsloch, macht euch die Erde untertan. Als gelernter Elektroingenieur geht er noch einen Schritt weiter – und will sich die Technik untertan machen. Seit 27 Jahren ist Fuchsloch Pfarrer der Versöhnungskirche, früh war er für moderne Technik offen – und mutig genug, voranzugehen: Schon vor 15 Jahren wurden in der Kirche Kameras eingebaut, damit die Sonntags-Gottesdienste für Eltern mit Kleinkindern ins sogenannte Gartenzimmer übertragen werden können. Für die Mütter und Väter wurden sogar Kopfhörer angeschafft, falls das Wühlen in der Legokiste mal wieder zu laut war und die Predigt übertönte. Und weil der Pfarrer die Erfahrung gemacht hat, dass Eltern und Brautpaare oft vor lauter Aufregung nichts mitkriegen, gibt’s schon lange mit Video-Mitschnitten von Tauf- und Traugottesdiensten einen besonderen Service. Über Satellit gab es sogar schon – fürs gemeinsame Liedersingen – Live-Schalten zur Partnergemeinde in Ghana.

Vor Jahren hat sich die Kirchengemeinde außerdem einen Beamer und eine festinstallierte Leinwand angeschafft, über die sich nicht nur die Jugendlichen gefreut haben, sondern auch die Älteren, die mit den projizierten Texten auf der Leinwand besser zurechtkamen als mit der kleinen Schrift im Gesangbuch. Überhaupt hat Fuchsloch die Erfahrung gemacht: „Ältere Menschen sind offen für moderne Technik.“ Einige der betagteren Gemeindemitglieder haben sich jetzt sogar ein Tablet angeschafft, um die Gottesdienste aus der Versöhnungskirche im Livestream oder im Video erleben zu können. Wenn Familien dann zu Hause am Bildschirm den Gottesdienst zusammen feiern, die Jüngeren den Alten technisch unter die Arme greifen, wird für Fuchsloch Gemeinschaft auch in Pandemiezeiten möglich.

Einen sechsstelligen Betrag, der aber deutlich unter 500 000 Euro bleiben soll, wird die technische Aufrüstung der Versöhnungskirche kosten. Der Zuschuss von der Landeskirche hält sich dabei in Grenzen, „für Technik und Licht gibt’s kaum was“, sagt Fuchsloch und hat, weil er die Kirche als Institution etwas schwerfällig findet, keine Scheu, sich mit den freikirchlichen Gemeinden auszutauschen, die technisch oft besser ausgestattet sind.

Akustikdecke mit neuester Folientechnik

Doch inzwischen hat der Oberkirchenrat zumindest die zunächst nicht einkalkulierte Sanierung der Decke genehmigt. Und auf die ist Fuchsloch besonders stolz: Die 30 Jahre alte Akustikdecke, die nicht nur vor sich hinbröselte, sondern zu Hall-Problemen im Kirchenraum führte, wird im Zuge der Innenrenovierung mit einer Folienschicht versiegelt. Hätten die Maler diese technische Neuheit nicht ins Spiel gebracht, der alte, ergraute Rauputz, auf dem hohe Weihnachtsbäume Spuren hinterlassen haben, wäre lediglich überstrichen worden.

In die Jahre gekommen sind auch die störungsanfälligen Kameras und die defekte Lautsprecheranlage, die als Sprechanlage für Bandauftritte nicht wirklich geeignet war. Sind die Renovierungsarbeiten abgeschlossen, verfügt die Versöhnungskirche über eine moderne Konzertbeschallungsanlage. Am neuen Technikpult, von wo aus Licht, Kamera und Ton gesteuert werden, haben drei Personen Platz. Künftig wird es energieeffiziente Lampen geben, die mit indirekter Beleuchtung und Farbverläufen besondere Licht- und Toninstallationen für Konzertabende ohne große Umbauten bieten können. „Früher“, sagt Pfarrer Fuchsloch, „mussten bei Jugendgottesdiensten stundenlang Lautsprecher und Scheinwerfer in die Kirche geschleppt werden.“ Und die Leinwand, die stark von der Sonneneinstrahlung abhängig war, wird durch eine dreieinhalb mal zwei Meter große LED-Wand ersetzt: „Das ist ein deutlicher Qualitätsunterschied“, sagt Nathanael Fuchsloch, Sohn des Pfarrers und technischer Berater der Kirchengemeinde. Er beschreibt die Richtung, die dabei eingeschlagen wird, so: „Wir wollen das Traditionelle bewahren, aber auch Konzerte bieten können.“

Extraeinsatz der Handwerker für Baustellengottesdienste

Um das zu ermöglichen, haben viele im Vorfeld der Innenrenovierung mitgeschafft, beim Ausräumen angepackt und die alten Lampen, Lautsprecher und die Leinwand abgebaut. Zeitgleich renovieren die Jugendlichen gerade ihren Raum im Untergeschoss des Gemeindezentrums. „Das führt zu einer ganz anderen Identifizierung“, ist Jörg Sommer als Vorsitzender des Bauausschusses überzeugt. Zusammengewachsen, sagt Laienvorsitzender Klaus Göckmann, ist in den vergangenen drei Jahren auch der Kirchengemeinderat. Und zu einem Extraeinsatz sind nicht zuletzt auch die Handwerker bereit: Damit jetzt sonntags um 9.30 Uhr und um 11 Uhr mit maximal 80 Besuchern sogenannte Baustellengottesdienste stattfinden können, räumen sie jeden Freitagnachmittag die Kirche frei.

Ein großes Ziel hat die Kirchengemeinde dabei vor Augen: Der Heiligabend soll in der Versöhnungskirche gefeiert werden. Von 10 bis 20.30 Uhr will Pfarrer Fuchsloch insgesamt sieben Livestream-Gottesdienste bieten, jeweils 80 Gläubige können im Kirchenraum dabei sein. Ein Krippenspiel ist ebenfalls geplant - als Diashow.

Doch die Kirchengemeinde freut sich, aller Technikbegeisterung zum Trotz, vor allem auf eines: auf die persönlichen Begegnungen auf dem Kirchplatz nach dem Sonntagsgottesdienst und auf gemeinsame Mittagessen – in Nach-Corona-Zeiten.

Es gibt Gläubige, die fühlen sich in Corona-Zeiten, in denen kaum mehr als Sonntags-Gottesdienste mit weiten Abständen möglich sind, im Stich gelassen. Gemeinsames Singen, Chorproben, Jungschartreffen, Kirchenkonzerte – alles gestrichen. Auch in der Versöhnungskirche hält man sich strikt an die Abstands- und Hygieneregeln: Doch vor drei Jahren hat der Kirchengemeinderat dort eine weitsichtige Entscheidung getroffen, mit der in Pandemiezeiten einfach mehr geht.

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