Schorndorf

Nicht autofrei, aber weniger Parkplätze

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Der Untere Marktplatz in Schorndorf wird nicht autofrei. © Joachim Mogck

Schorndorf. Klar gescheitert ist im Gemeinderat die SPD-Fraktion mit dem Versuch, den Unteren Marktplatz nach der Gartenschau doch noch weitgehend auto- und parkplatzfrei zu halten. Die klare Mehrheit hat sich für den Kompromissvorschlag der Verwaltung ausgesprochen, der ein deutlich reduziertes Parkplatzangebot im Vergleich zum vor der Gartenschau vorhandenen Zustand vorsieht – und deutlich mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer.

SPD-Fraktionschef Thomas Berger begründete den Antrag seiner Fraktion, auf dem Unteren Marktplatz lediglich ein paar wenige Behinderten- und Kurzzeitparkplätze auszuweisen, mit vielen, alle in die gleiche Richtung gehenenden, Rückmeldungen nach der Vorberatung im Ausschuss. „Die Welt in Schorndorf geht nicht unter, wenn auf dem Unteren Marktplatz nicht mehr geparkt wird“, meinte Berger. Seiner Fraktion gehe es vor allem darum, den permanenten Parkplatzsuchverkehr wegzubringen, sagte der Fraktionschef und bekundete, es tue ihm „echt leid“, dass die Grünen bei so etwas nicht mitmachten. „Nicht alle“, widersprach GLS-Stadtrat Werner Neher und verwies auf den Antrag auf Anlegung von Seniorenparkplätzen.

„Jetzt kommt’s auf ein oder zwei Jahre auch nicht mehr an“

Im Gegensatz zu Thomas Berger, der befürchtet, dass auch eine Kompromisslösung mit nur noch etwa der Hälfte der früheren Parkplätze den späteren Schwenk zu einem autofreien Unteren Marktplatz erschwert, sieht CDU-Fraktionschef Hermann Beutel in dem jetzt beschlossenen Provisorium mit 16 schräg angeordneten Parkplätzen – für diese Variante hat sich das Gremium auf Vorschlag der CDU-Fraktion letztendlich bei einigen Enthaltungen ausgesprochen – einen ersten Schritt zur endgültigen Umgestaltung des Unteren Marktplatzes. „Jetzt kommt’s auf ein oder zwei Jahre auch nicht mehr an“, meinte Beutel, der es für falsch hielte, jetzt einen weitgehend leeren Platz zu schaffen, auf dem sich vor allem in den Wintermonaten kaum jemand aufhielte. Für Hermann Beutel und seine Fraktion ist allerdings klar, dass die Parkdauer auf dem Unteren Marktplatz möglichst kurz gehalten werden muss (maximal 45 Minuten), dass dort keine Brötchentaste installiert werden kann und dass es zur Überwachung einen hohen Kontrolldruck braucht.

Klopfer: Untergang der Stadt wurde auch bei Einführung der Fußgängerzone beschworen

Außer der AfD – „Wir denken ähnlich wie die CDU“, sagte Stadtrat Lars Heise – ging in Sachen Unterer Marktplatz auch FDP/FW-Fraktionschef Gerhard Nickel mit der CDU-Fraktion konform. „Wir stehen im Wort bei den Innenstadt-Geschäften“, sagte der Centro-Vorsitzende, der auch nichts davon hält, jetzt auf die Schnelle einen Platz zu schaffen, „der tot rumsteht und zu nichts nutze ist“. Grundsätzlich, so Grünen-Fraktionschef Ulrich Kost, stünden die Grünen zum Ziel, keine Autos mehr auf dem Unteren Marktplatz zu haben. Aber nicht jetzt, nachdem die Einzelhändler während der Gartenschau große Umsatzeinbußen zu verzeichnen gehabt hätten und das Weihnachtsgeschäft vor der Türe stehe. Gescheitert sind die Grünen mit ihrem Antrag auf vier der geplanten 16 Parkplätze zu verzichten, „damit der Parkplatz-Eindruck nicht zu dominant wird. Kühl gekontert hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer das flammende Plädoyer des Seniorenforums-Vorsitzenden Heinz-Jürgen Kopmann für ausreichend Parkplätze auf dem Unteren Marktplatz – und zwar sowohl im Interesse einer lebendigen Innenstadt als auch der aufs Auto angewiesenen Senioren: „Man hat auch früher schon den Untergang der Stadt beschworen, als die Fußgängerzone eingeführt wurde“, sagte Klopfer.

Für Finanzbürgermeister Thorsten Englert ist’s keine Frage, dass sich die Stadt mit dem Kompromissvorschlag der Verwaltung dem Ziel „autofreier Unterer Marktplatz“ annähert. Was zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und im Interesse einer umweltfreundlichen Mobilität auch dringend geboten sei – und zwar nicht nur auf dem Unteren Marktplatz. Auch für den Archivplatz habe es ja bereits Überlegungen in Richtung Park statt Parkplatz gegeben. „Aber wir sind in der Stadt noch nicht reif für den Wandel“, konstatierte Englert, der in der jetzt beschlossenen Zwischenlösung „kein Risiko“ sieht.

Der Gemeinderat hat sich beim Unteren Marktplatz für die Parkraumvariante mit den schräg angeordneten Parkplätzen entschieden.


Seniorenparkplätze

Als „aus rechtlichen Gründen nicht abstimmungsfähig“ hat die Verwaltung einen zunächst einmal auf den Unteren Marktplatz bezogenen Antrag der Grünen Liste Schorndorf (GLS) auf Schaffung von speziellen Seniorenparkplätzen erklärt. Über das Anwohnerparken und die Ausweisung von Behindertenparkplätzen hinaus sei eine Privilegierung nicht möglich.

Denkbar sei allenfalls, an der einen oder anderen Stelle gesonderte Parkplätze auszuweisen, versehen mit der Bitte, beim Parken besondere Rücksicht auf Senioren zu nehmen. Verwarnt oder gar abgeschleppt werden dürfe aber nicht.