Schorndorf

Nicht nur Freude über den neuen Aldi

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Aldi Symbolbild
Symbolbild. © Ralph Steinemann
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Hier soll die Aldi-Filiale in Grunbach gebaut werden.

Remshalden. Noch in diesem Herbst, so sieht es jetzt aus, dürfte der Discounter Aldi die Baugenehmigung für seinen Neubau an der Rommenhöllerstraße in Grunbach haben. Bürgermeister Reinhard Molt sieht den Markt als wichtigen Beitrag zu einer besseren Nahversorgung, insbesondere für Grunbach-Süd. Doch nicht alle sind begeistert. Kritische Stimmen kommen vom HGV und vom Rewe-Filialleiter.

1100 Quadratmeter Verkaufsfläche soll der neue Aldi in Grunbach haben, eine schicke, hochmoderne Filiale, die von der Anmutung nicht mehr viel gemeinsam hat mit den spartanischen Discounter-Märkten von früher. Wann der Supermarkt zwischen Rommenhöllerstraße und Bahngleisen, in Laufweite zum Grunbacher Bahnhof, eröffnet, ist noch nicht sicher.

Die Pressestelle will dazu auf Anfrage „keine Prognose abgeben“. Wenn jedoch der Bebauungsplan nach den Sommerferien rechtskräftig wird und Aldi dann sofort den Bauantrag beim Landratsamt einreicht, dürfte es schnell gehen. Der Markt könnte, wenn Aldi das Vorhaben zügig vorantreibt und alles glattgeht – um eine Prognose zu wagen – bis nächstes Jahr um diese Zeit stehen.

Ob das eine gute Nachricht ist, darüber gibt es allerdings geteilte Meinungen in Remshalden.

Durch den Aldi soll Kaufkraft am Ort bleiben, die bisher abfließt

„Der geplante Aldi-Lebensmittel-Discounter wird eine wichtige Rolle zur Sicherung der Versorgung der Wohnbevölkerung im Wohngebiet Grunbach-Süd spielen“ – zu diesem Schluss kommt ein Gutachten, das die Verträglichkeit des neuen Markts mit dem bestehenden Einzelhandel vor Ort untersucht hat.

Der Aldi, so heißt es weiter in dem Gutachten, werde zwar zu „Umsatzverlagerungen“ führen, aber negative Auswirkungen auf die „Nahversorgungsstrukturen“ würden nicht auftreten. Im Gegenteil seien sogar „Kaufkraftrückholungs- und Kopplungseffekte“ zu erwarten, die auch den nahegelegenen Rewe-Markt stärken. Sprich: Remshaldener, die bisher zum Beispiel nach Weinstadt fahren, um sich zu versorgen, werden durch den Aldi eher im Ort bleiben und dann auch gleich noch beim Vollsortimenter Rewe einkaufen, was sie beim Discounter nicht bekommen.

„Remshalden braucht beides, Discounter und Vollsortimenter“

Christian Bauer, Betreiber des Rewe-Markts in Grunbach, hat dazu allerdings seine eigene Meinung. Er befürchtet negative Auswirkungen durch den neuen Aldi. „Dadurch stellt sich die Frage neu, ob unser Standort in der Bahnhofsstraße noch wirtschaftlich bleibt“, sagt er. Schon jetzt sei aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten der Standort kritisch, weil die Verkaufsfläche viel zu klein sei. „Ein Vollsortimenter hat normalerweise 1600 Quadratmeter“, sagt Bauer.

„Weil wir alteingesessen sind, haben wir gesagt, wir erhalten den Standort.“ Bauer glaubt nicht, dass der Aldi neue Kunden zu Rewe bringt. Er meint zudem: Andere Einzelhändler im Ort seien auch nicht begeistert. Aldi sei mit seinen Backwaren auch für Bäcker eine ernstzunehmende Konkurrenz. Lennard Volk, Ausschussmitglied des Handels- und Gewerbevereins, bestätigt, die grundsätzlich eher kritische Haltung bei den Händlern. „Ich frage mich auch, warum Remshalden einen dritten Discounter braucht.“ Er spielt auf Penny und Lidl an, die in Geradstetten Filialen haben. „Meiner Meinung nach fehlt es an einem richtig guten Vollsortimenter.“ Sowohl Rewe in Grunbach als auch Edeka in Geradstetten hätten mit ihren kleinen Verkaufsflächen Probleme, ein breites Warenangebot vorzuhalten.

Bürgermeister Reinhard Molt meint dazu: „Remshalden braucht beides, Discounter und Vollsortimenter.“ Er sieht den Aldi analog zum eingangs zitierten Gutachten als wichtige Ergänzung des Nahversorgungsangebots. Grunbach-Süd sei ein wachsender Ortsteil, das Käuferpotenzial werde größer. Und er erwartet auch positive Effekte durch den Aldi für den Rewe-Markt. Während bisher der Einkaufsverkehr über die Brückenstraße in Richtung Weinstadt abfließe, werde der Aldi die Bewohner von Grunbach-Süd in die andere Richtung ziehen. „In der Regel ergänzen sich Vollsortimenter und Discounter. Die Sorge, dass sie sich schaden, die stimmt nicht.“

Rewe oder Edeka in der Neuen Mitte

„Letztendlich kann das ein Steigbügel sein, dass der Rewe-Markt sich neu organisiert und vergrößert“, sagt Molt. „Wir als Kommune würden uns einer Diskussion nicht sperren.“ Und der Bürgermeister gibt noch einen Hinweis, wie er sich die Entwicklung vorstellt: In Grunbach müsse dauerhaft ein Vollsortimenter vor Ort sein. Das sei auch die Haltung des Gemeinderats. Christian Bauer sagt ebenfalls: Den Standort in Grunbach wolle er nicht gerne aufgeben. Aber er müsse nicht der Einzige bleiben: Wenn die Möglichkeit bestehe, den möglicherweise geplanten Vollsortimenter-Standort in der Neuen Mitte zu bekommen, dann sei das für Rewe interessant.

Die Neue Mitte, das Areal westlich vom Rathaus in Geradstetten, ist weiterhin ein Projekt, dessen Umsetzung in den Sternen steht. Aber die meisten nennen einen Vollsortimenter als wesentliches Element, das dort hin soll. „Die Neue Mitte soll eine zentrale Versorgungsfunktion für alle Ortsteile einnehmen“, sagt Reinhard Molt. Möglich sei jedoch keine neue Ansiedlung eines Marktes, sondern nur eine Verlagerung eines bestehenden. Dazu trifft auch das Gutachten zur Aldi-Ansiedlung eine Aussage: Diese werde den Plänen für die Neue Mitte „genügend Potenzials-Spielraum“ lassen.


Die Eisenbahnstraße und das dritte Gleis

Aldi plant für den Kundenparkplatz zwei Ein- und Ausfahrten: die eine im Norden von der Remsstraße, die andere im Süden von der Eisenbahnstraße her.

Die von Süden funktioniert aber nur so lange, wie die Bahngleise auf der Remstaltrasse so bleiben wie sie sind. Denn: Es gibt dort im Regionalplan eine Freihaltefläche für ein drittes Gleis. Sollte dieses irgendwann kommen – aktuell gibt es keine Pläne –, dann müsste laut Martin Groeger, dem für Planung zuständigen Sachgebietsleiter im Remshaldener Bauamt, die Eisenbahnstraße ein Stück nach Norden verschoben werden. Die Gewerbegrundstücke, die daran bereits liegen, würde das nicht beeinträchtigen.

Aber: Die südliche Zufahrt auf den Aldi-Parkplatz wie sie jetzt umgesetzt wird, würde dann nicht mehr funktionieren. Für diesen – in naher Zukunft unwahrscheinlichen – Fall sieht der Bebauungsplan die Verlegung der Zufahrt an die Rommenhöller Straße vor.

"Lidl hübscht auf"

Während Konkurrent Aldi bald mit einer modernen, neuen Filiale in Remshalden aufschlägt, modernisiert auch Lidl das Erscheinungsbild seines bestehenden Marktes im Ortsteil Geradstetten. Lidl will den Eingangsbereich neu gestalten. „Die Botschaft ist: Lidl hübscht auf“, sagte Bürgermeister Reinhard Molt im Technischen Ausschuss des Gemeinderats. Der Ausschuss erteilte einstimmig sein Einvernehmen zu dem Baugesuch.