Schorndorf

Norma am Rehhaldenweg Schorndorf: Anwohner-Protest gegen Supermarkt-Schließung

Normaprotest
Dass die Norma-Filiale geschlossen wird, haben sie über einen Aushang des Verwalterbeirats der Wohnungseigentümergemeinschaft in den fünf Hochhäusern am Rehhaldenweg erfahren. © Gaby Schneider

Helle Aufregung am Rehhaldenweg: Nach 35 Jahren wird der Mietvertrag des Norma-Marktes nicht verlängert. Das haben die Bewohnerinnen und Bewohner der insgesamt 252 Wohnungen in den fünf Hochhäusern Ende vergangener Woche über einen Aushang des Verwalterbeirats der Wohnungseigentümergemeinschaft erfahren. Zum Protesttermin vor dem Supermarkt, von Beiratsmitgliedern auf die Schnelle organisiert, kamen am Dienstagvormittag gut zwei Dutzend entsetzte Nachbarn. Hätte die Information alle Anwohner bis hoch in die Röhrachsiedlung und den Lindenweg erreicht, der Platz auf der Wiese vor dem Lebensmittelmarkt wäre vermutlich rappelvoll gewesen.

Norma, so die von der Hausverwaltung verbreitete Information der Hauseigentümerin, habe die Flächen zum 30. Juni 2022 gekündigt, der Lebensmittelmarkt werde also spätestens zu diesem Zeitpunkt schließen. Grund für die Kündigung, so die E-Mail an den Verwaltungsbeirat weiter, seien „ständige Beschwerden aus den umliegenden Häusern“. Roland Vetter, Expansionsleiter bei Norma, bestätigt auf Anfrage zwar, dass die Filiale zum genannten Zeitpunkt geschlossen wird, aber nicht wegen nörgelnder Nachbarn: „Das ist völliger Blödsinn.“ Vielmehr sei die vergleichsweise kleine Fläche von 250 Quadratmetern das Problem: „Das ist eine Ladengröße, mit der wir nicht zurechtkommen.“ Neubauten realisiert der Fürther Lebensmittel-Discounter heute mit Flächen zwischen 800 und 1200 Quadratmetern. Seit Jahren schon habe Norma versucht, im Wohngebiet eine größere Lösung zu finden. Weil daraus nichts geworden ist und die Stadt keinen alternativen Standort anbieten konnte, ziehe man jetzt die Reißleine. Mangelnde Kundschaft, erläutert Vetter, sei nicht das Problem.

Der Hausmeister weiß: „Die halbe Südstadt kauft hier ein“

Tatsächlich versichern an diesem Dienstagmorgen auch alle Anwesenden ein ums andere Mal, wie zufrieden sie mit dem Warenangebot und dem freundlichen Service der Mitarbeiterinnen sind, und wie wichtig der kleine Supermarkt für die Versorgung der fünf Hochhäuser und des umliegenden Wohngebiets, ja der ganzen Südstadt sei. Sogar aus dem Fuchshof, weiß Waltraud Bosch, kämen Senioren mit dem Bus zum Rehhaldenweg gefahren: „In die Stadt kostet’s 2,50 Euro pro Fahrt“, in die Grauhalde nur den Kurzstreckentarif. „Die halbe Südstadt kauft hier ein“, bestätigt auch Hausmeister Atila Pink. Anwohner, wie Pa ul Brauchler und Irmtraud Haug, erzählen, dass sie vor Jahren sogar extra wegen der wohnortnahen Grundversorgung in eines der Hochhäuser gezogen sind. Die Kunden kommen zu Fuß, oft mit dem Rollator, hergelaufen. „Der Erhalt eines Supermarkts ist für diese älteren Bewohner aus dem ganzen Wohngebiet sehr wichtig“, betonen denn auch Ursula und Horst Kneller. Und Mütter berichten: Für Kinder sei der nahe gelegene Supermarkt eine gute Möglichkeit, das Einkaufen zu üben.

Auch für die Schülerinnen und Schüler aus der Gottlieb-Daimler-Realschule und dem Max-Planck-Gymnasium ist die Norma-Filiale eine wichtige Einkaufsmöglichkeit in der Mittagspause. Die direkt daneben gelegene Bäckerei Wiedmaier hat ihre Öffnungszeiten sogar schon an die Schulzeiten angepasst und nur noch vormittags geöffnet, aber nicht mehr samstags und in den Schulferien, weil die Umsätze ansonsten zu gering sind. „Wir machen nur mit den Schülern Umsatz“, sagt Jenny Wiedmaier. Die Bäckerei-Filiale zu schließen ist für sie aber keine Option: „Wir bleiben drin“.

Raus aus dem Hochhaus, rein in den Norma-Markt – das ist auch Harald Hegers liebster Einkaufsweg. Auch aus Umweltschutzgründen: „Sonst müsste ich mit dem Auto zum Einkaufen fahren.“ Der nächste Supermarkt liegt an der Göppinger Straße – für betagte Anwohner aus dem Rehhaldenweg zu Fuß kaum zu erreichen.

CDU-Stadträtin Silvia Wolz: Quartiere sollen erhalten bleiben

Auf der Wiese vor dem Norma-Markt steht an diesem Morgen auch CDU-Stadträtin Silvia Wolz: Auch sie kann kaum glauben, dass der Supermarkt geschlossen werden soll. „Wir versuchen in der Stadt verzweifelt, seniorengerechte Quartiere zu entwickeln, und dann das.“ Silvia Wolz, die sich einen größeren Norma-Markt gut auf dem Parkplatz der Grauhalde-Sporthalle vorstellen könnte und Parkplätze auf dem jetzigen Norma-Gelände, weiß von Kunden ihrer nahe gelegenen Metzgerei, die wegen des Angebots sogar aus Schlichten zum Einkaufen in den Rehhaldenweg kommen.

Auch Anke Dörfler wohnt nicht mehr am Rehhaldenweg, doch sie war als Kind schon bei Norma einkaufen und will nicht, dass der Supermarkt schließt: „Ich bin extra heute hierhergekommen.“ Für den Erhalt des Marktes würde sie sofort unterschreiben – wie viele andere an diesem Morgen auch. Die Stadt, findet nicht zuletzt Hannelore Denk, „hat Verantwortung – und nicht nur für die Innenstadt“. Für Hans Schmid gibt es sowieso nur ein Ziel: „Norma muss bleiben.“

Helle Aufregung am Rehhaldenweg: Nach 35 Jahren wird der Mietvertrag des Norma-Marktes nicht verlängert. Das haben die Bewohnerinnen und Bewohner der insgesamt 252 Wohnungen in den fünf Hochhäusern Ende vergangener Woche über einen Aushang des Verwalterbeirats der Wohnungseigentümergemeinschaft erfahren. Zum Protesttermin vor dem Supermarkt, von Beiratsmitgliedern auf die Schnelle organisiert, kamen am Dienstagvormittag gut zwei Dutzend entsetzte Nachbarn. Hätte die Information alle Anwohner

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