Schorndorf

OB-Kandidat Andreas Schneider: Keine neuen Flächen zubetonieren

Oberbürgermeisterkandidat Andreas Schneider
Andreas Schneider will OB werden. © Alexandra Palmizi

Die neue Stadtbücherei ist derzeit das größte Projekt in Schorndorf, die finale Entscheidung darüber wurde indes bis nach der Wahl des neuen Oberbürgermeisters zurückgestellt. Einer, der Stand jetzt dagegen ist und auch sonst die Ausgaben in Schorndorf auf den Prüfstand stellen will, ist Andreas Schneider, Stadtrat und unabhängiger Kandidat fürs Amt des Oberbürgermeisters. Einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern hat sich Schneider für den Fall seiner Wahl zum Oberbürgermeister zum Ziel gesetzt. Angesichts dessen könnte es bis auf weiteres eher schlecht aussehen für die Bücherei. Denn deren Bau kann er sich erst dann vorstellen, wenn sich die Finanzlage verbessert hat. „Das ist in den nächsten fünf Jahren wohl nicht der Fall“, sagt Schneider im Gespräch mit der Zeitung.

Bei Beratungsstellen und Leistungen gibt es kein „Sozialklimbim“

Die Abkehr von der Schuldenpolitik ist ein wichtiger Punkt in seinem Programm. Sparen will er deshalb nicht nur bei der Bücherei – Einsparpotenziale sieht er etwa auch bei Bauplanungen, wo man seiner Meinung nach auf manches externe Gutachten leicht verzichten könnte. Kein Streichkonzert will er indes bei den Sozialleistungen für Bedürftige und Senioren und bei den Beratungsstellen. Dies sei kein Sozialklimbim, stellt er klar. Und auch die Zuschüsse im Kulturbereich sollen unter einem OB Schneider nicht wegfallen: Die seien zwar hoch, sagt er, aber Schorndorf sei kein Industrie-, sondern ein Kulturstandort: „Ich erhoffe mir, dass auch die Innenstadt und die Gastronomie davon profitieren.“

„Bei 42 000 Einwohnern in Schorndorf muss Schluss sein“

Bis zum Jahr 2035 soll Schorndorf klimaneutral werden, dieser Beschluss des Gemeinderats steht. Noch unklar ist allerdings, wie das gelingen soll. Auf Flächenschutz setzt Andreas Schneider, der in Schorndorf deshalb „nur noch eine moderate Entwicklung“ zulassen will. „Keine neuen Ausweisungen mehr, höchstens noch Verlagerungen“, ist sein Credo. Die im Flächennutzungsplan eingeplanten Flächen reichten für 42 000 Einwohner. „Dann“, sagt der Kandidat, „muss spätestens Schluss sein. Wir packen nicht mehr.“ Lediglich in den Ortschaften sollten die Menschen noch die Möglichkeit zur Eigenentwicklung haben. Generell aber bedeuten mehr Einwohner für ihn vor allem mehr Abnutzung und weiteren Bedarf an Infrastruktur wie Kindergärten und nicht zuletzt auch ein Mehr beim Verkehr. Apropos mehr Verkehr: Hier setzt Schneider weiterhin auf den Individualverkehr und hofft auf neue, saubere Antriebstechniken. „Ich bin wegen der Kosten nicht der Meinung, den ÖPNV ausbauen zu können“, sagt er. Radwege sollten zwar verbessert, nicht aber für Millionen von Euro Shared Spaces geschaffen werden.

Überhaupt glaube er nicht, dass Klimaschutz mit Verkehrsvermeidung zu schaffen ist. Denn über einen bestimmten Anteil an Radfahrern werde man nicht hinauskommen, der Autoverkehr bleiben. Stattdessen setzt er beim Klimaschutz auf ökologisches Bauen, auf Biotop-Verbünde und darauf, Flächen frei zu halten: „Wir dürfen keine Kaltluftschneisen mehr bebauen“, ist er überzeugt. Die Schöpfung zu bewahren: Mit diesem Ziel ist Andreas Schneider 1994 bei den Grünen eingetreten. Er studierte Politik und Erziehungswissenschaften in Tübingen und arbeitete danach und bis heute als Pädagoge im Kinder- und Jugendbereich. Von 2004 bis 2009 saß er für die Grünen im Kreistag, 2014 kandidierte er für den Gemeinderat, wurde auf Anhieb gewählt und 2019 wieder bestätigt. Eines konnte man Andreas Schneider bisher sicher nicht vorwerfen: dass er sich bei irgendjemandem andienen will. „Es ist mir egal, wenn ich mich unbeliebt mache“, sagt der OB-Kandidat. So ist er in den vergangenen Jahren auch seinen Weg in der Kommunalpolitik gegangen, hat erst der grünen Fraktion, dann der Partei den Bettel hingeschmissen und agiert seitdem im Gemeinderat als fraktionsloser Stadtrat. Der Grund für den Frust innerhalb der Fraktion seien unterschiedliche Arbeitsstile gewesen, generell findet er die Grünen aber „oft verbissen und besserwisserisch“. Eine Partei hat er im OB-Wahlkampf also nicht hinter sich, dafür aber eine Gruppe von 20 engagierten Schorndorfern hinter sich geschart. Diese unterstützen ihn nun mit ihrem tätigen Einsatz, nicht aber mit finanziellen Mitteln. „Die Plakate, die Homepage, den Stand und das Material zahle ich aus eigener Tasche“, sagt Schneider.

Ein OB wird der Chef von Hunderten von Mitarbeitern. Erfahrungen als Führungskraft bringt Schneider indes keine mit, was aus seiner Sicht aber kein Problem ist: „Als Sozialarbeiter habe ich in einer Sonderschule gearbeitet“, sagt er. „Mit Leuten, bei denen ich keine Handhabe gehabt habe.“ Zudem vermittle er beruflich in zerstrittenen Familien und könne deshalb auch sehr gut im Gemeinderat vermitteln.

Erfahrungen mit einem Wahlkampf hat Andreas Schneider bereits, nachdem er 2020 bei der Bürgermeisterwahl in Lorch angetreten ist. Damals kam er auf 11,8 Prozent der Stimmen, was er im Nachhinein gar nicht schlecht findet. „Ich habe alles allein gemacht, hatte keine Agentur, keine Partei im Rücken.“ Stadträtin Andrea Sieber sei bei der Bürgermeisterwahl in Schwaikheim nur auf 5,7 Prozent gekommen, erinnert er, der Grüne Bogdan Gheorghiu in Plüderhausen auf 3,1 Prozent. Trotzdem sieht Schneider aus heutiger Sicht auch eigene Fehler in seinem Wahlkampf: „Ich habe zu lange an dem Programm gearbeitet.“ Heute glaubt er: Ein Programm sei wichtig, das ja. „Aber man muss unter die Leute gehen. Ich sage allen: Lernen Sie mich kennen. Machen Sie sich ein Bild von mir.“

Die neue Stadtbücherei ist derzeit das größte Projekt in Schorndorf, die finale Entscheidung darüber wurde indes bis nach der Wahl des neuen Oberbürgermeisters zurückgestellt. Einer, der Stand jetzt dagegen ist und auch sonst die Ausgaben in Schorndorf auf den Prüfstand stellen will, ist Andreas Schneider, Stadtrat und unabhängiger Kandidat fürs Amt des Oberbürgermeisters. Einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern hat sich Schneider für den Fall seiner Wahl zum Oberbürgermeister zum Ziel

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