Meinung

OB-Wahl in Schorndorf: Vor dem Wahlsonntag wird der Ton rauer

Coronamarktplatz
Sie wollen ins Rathaus einziehen. Obere Reihe von links Manuel Burbott, Brigitte Aldinger, Bernd Hornikel und Andreas Schneider. Untere Reihe von links Tobias Schwenk, Markus Reiners, Horst Zwipp und Dörte Schnitzer. © Montage Joachim Mogck

Kurz vor der Oberbürgermeisterwahl an diesem Sonntag ist der Ton des Wahlkampfes rauer geworden. Wer unterstützt welchen Kandidaten seit wann, und was heißt das für die Wähler? Diese Frage stellte sich zuletzt auf der Straße, in den Leserbriefspalten und auf Facebook immer lauter. Fakt ist: Die Grünen, die sich offiziell für Bernd Hornikel aussprechen, hatten wie die SPD mangels Bewerber keinen eigenen OB-Kandidaten ins Rennen geschickt, derweil sich der ehemals Grüne Andreas Schneider rasch als unabhängiger Bewerber in Position brachte. Dass er nicht (mehr) mit den Grünen in Schorndorf kann und die nicht mit ihm, ist sattsam bekannt. Schließlich hat er sich von ihnen auf kommunaler wie auch auf Bundesebene eindeutig distanziert.

Eigenartige Suche nach dem besten Öko- und Naturschutz-Kandidaten

Klar, dass er von dieser Seite ebenso wenig wie von der SPD, mit der er im Gemeinderat auch nicht gerade in Freundschaft verbunden ist, Rückendeckung bekam. Doch die Grünen sind ein buntes Volk, viele Mitglieder und Sympathisanten sind sich gegenseitig keineswegs grün. Das unterscheidet sie zugegebenermaßen nicht groß von anderen Parteien – im Schorndorfer Wahlkampf hat es nun aber zu einer eigenartigen Suche nach dem besten Öko- und Naturschutz-Kandidaten geführt. Ist es Hornikel, der nun offiziell von den Grünen unterstützt wird? Ist es die Klimaschützerin Dörte Schnitzer? Oder ist es doch der abtrünnige Schneider, der immer noch Unterstützer und Fans auch unter Grünen hat und die für ihn in Leserbriefen und auf Facebook trommeln? Denn irgendwie grün, zumindest im Herzen, fühlt sich Andreas Schneider ja noch immer.

Hornikel und Reiners haben eigene Wahlkampfbüros

Angesichts dreier Konkurrenten, die im selben Wählerbecken fischen, könnte nun Markus Reiners der lachende Vierte sein. Seit Wochen ist der Stuttgarter Stadtrat höchst präsent in Schorndorf. Ebenso wie Bernd Hornikel hat er ein eigenes Wahlkampfbüro eingerichtet, von dem aus er seinen Wahlkampf steuert. Doch auch an seiner Eignung haben manche offenbar ihre Zweifel. War er zu Beginn des Wahlkampfes noch von der CDU, der FDP und den Freien Wählern aufs Schild gehoben worden, heißt es auf seiner eigenen Facebook-Seite nun nur noch, er werde von CDU und FDP und „mehrheitlich“ von den Freien Wählern unterstützt.

Wer konnte die meisten Wähler überzeugen?

Reiners, Hornikel und Schneider mögen die besten Chancen haben, doch wer von den dreien konnte im Wahlkampf die meisten Wähler und Wählerinnen überzeugen? Und wie schneiden die beiden Frauen Brigitte Aldinger und Dörte Schnitzer ab, wie viele Stimmen sammeln die beiden jungen Kandidaten Tobias Schwenk und Manuel Burbott? Und wen erreicht der Werbe-Unternehmer und Eventmanager Horst Zwipp, der erst gar nicht plakatieren wollte, nun aber die Schorndorfer werbewirksam mit seinem halben Gesicht von sich und seiner Tatkraft überzeugen will?

ZVW berichtet am Wahlabend live

Fest steht: Die Wahl wird spannend am Sonntag, wenn rund 31 200 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen sind. Bisher, so heißt es seitens der Stadtverwaltung, wurden bereits mehr als 5600 Briefwahlunterlagen ausgestellt. Am Wahlsonntag werden mehr als 250 ehrenamtliche Wahlhelferinnen und -helfer im Einsatz sein. Gewählt wird von 8 bis 18 Uhr in 30 Wahlbezirken. Um 15 Uhr treten die sieben Briefwahlvorstände zur Ermittlung des Briefwahlergebnisses im Burg-Gymnasium zusammen. Ab 18 Uhr treffen sich dort die Wahlvorstände, um das Ergebnis der OB-Wahl festzustellen. Die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken und das vorläufige Gesamtergebnis werden in der Aula übertragen und sind im Live-Blog auf der Webseite des Zeitungsverlags Waiblingen (www.zvw.de/wahlschorndorf) laufend abrufbar. Von 18.15 Uhr an sendet der Zeitungsverlag außerdem live aus seinem Wahlstudio im Burg-Gymnasium. Chefredakteur Frank Nipkau und Liviana Jansen berichten über Trends und Ergebnisse und präsentieren Interviewpartner zur Schorndorfer Wahl (www.zvw.de/schorndorflive). Mit dem Ergebnis wird um etwa 19 Uhr gerechnet. Sind alle Wahlbezirke ausgezählt, wird es der Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses, Erster Bürgermeister Thorsten Englert, bekanntgeben.

Nur wenige rechnen allerdings damit, dass am Sonntagabend der neue Oberbürgermeister, die neue Oberbürgermeisterin bereits feststehen wird. Denn kurz vor dem entscheidenden Kreuzchen haben dem Vernehmen nach nicht wenige Schorndorfer noch keine Wahlentscheidung getroffen. Das könnte sich auch auf die so wichtige Wahlbeteiligung auswirken. Doch ein klarer Favorit scheint nicht in Sicht, und auch angesichts des breiten Bewerberfeldes ist ein zweiter Wahlgang am 28. November wahrscheinlich. Eine entscheidende Frage wird dann sein, wer von den acht Kandidaten im Rennen bleibt und wer zugunsten von wem zurückziehen wird.

Auf die Stadtverwaltung allein sollte sich keiner verlassen

Mit dem Rückenwind seiner Unterstützer und dem Wissen um eine starke Stadtverwaltung ist mancher der Bewerber bisher sehr selbstbewusst aufgetreten. Doch um einen gewählten OB kann es einsam werden. Oft steht er hart im Wind. Deshalb braucht der oder die Neue sehr klare Vorstellungen von den Zukunftsthemen Klimaschutz, Mobilität und Stadtentwicklung. Er benötigt ein hohes Maß an Entscheidungsfreude und vor allem eine eigene Meinung, die er kraftvoll nach außen vertreten und dem Gemeinderat vermitteln kann. Wer auch immer Matthias Klopfer beerben wird: Für den neuen Oberbürgermeister wird es nicht damit getan sein, sich auf eine starke Stadtverwaltung zu verlassen.

Kurz vor der Oberbürgermeisterwahl an diesem Sonntag ist der Ton des Wahlkampfes rauer geworden. Wer unterstützt welchen Kandidaten seit wann, und was heißt das für die Wähler? Diese Frage stellte sich zuletzt auf der Straße, in den Leserbriefspalten und auf Facebook immer lauter. Fakt ist: Die Grünen, die sich offiziell für Bernd Hornikel aussprechen, hatten wie die SPD mangels Bewerber keinen eigenen OB-Kandidaten ins Rennen geschickt, derweil sich der ehemals Grüne Andreas Schneider rasch

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