Schorndorf

Oberbürgermeister Klopfer stimmt die Schorndorfer auf einen anstrengenden Corona-Winter ein

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Oberbürgermeister Matthias Klopfer. © Gaby Schneider

Oberbürgermeister Matthias Klopfer fühlt sich in diesen Tagen wieder in den März und in die Anfänge der Corona-Krise zurückversetzt: „Ich gehe mit Corona ins Bett und wache mit Corona auf“, beschreibt er seine Gemütsverfassung, die wiederum die Verschiebung der Akzente in seinem Arbeitsalltag widerspiegelt, seit die Fallzahlen wieder dramatisch steigen und seit immer öfters der kritische Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche oder die Vorwarnstufe mit 35 Neuinfektionen erreicht beziehungsweise überschritten wird. Idealerweise gehe es darum, bei den zu ergreifenden Maßnahmen keine Fehler zu machen, „aber natürlich werden wir Fehler machen“, sagt der Oberbürgermeister mit Blick auf den auch ganz persönlich empfundenen Zwiespalt, einerseits angemessen vorsichtig zu sein und andererseits ausreichend Zuversicht auszustrahlen. Wie schwierig das angesichts ganz unterschiedlicher Erwartungen in der Bürgerschaft ist, mag ein an Matthias Klopfer persönlich adressierter Brief verdeutlichen, in dem sich eine Bürgerin darüber beschwert, dass sich der Oberbürgermeister auf der Titelseite von „Schorndorf aktuell“ gemeinsam mit dem neuen Citymanagement-Führungsduo mit Maske hat ablichten lassen. Und das, so der Vorwurf an Klopfer, wo doch die gesundheitlichen Schäden der Maske längst wissenschaftlich erwiesen seien – ganz davon abgesehen, dass mit einem solchen Auftreten in unverantwortlicher Weise Angst geschürt werde.

Ausweitung der Maskenpflicht ist für Klopfer nur eine Frage der Zeit

Von einer „extrem anstrengenden und von Unsicherheit geprägten“ Zeit spricht Klopfer auch mit Blick auf ein Oberbürgermeistertreffen Anfang der Woche, bei dem es 90 Minuten lang um nichts anderes ging als um Corona - und natürlich zuvorderst um die Verschärfung der Maskenpflicht etwa innerhalb der Verwaltung und in der Gastronomie, aber auch schon um eine mögliche und aus Sicht des Oberbürgermeisters absehbare Wiedereinführung der Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt und ihre Ausweitung auf den stärker frequentierten öffentlichen Raum, in Schorndorf wohl gleichzusetzen mit der historischen Innenstadt. Er rechne damit, dass der Rems-Murr-Kreis den 35er-Inzidenzwert noch im Laufe der Woche reiße, sagt Matthias Klopfer und verweist zur Verdeutlichung, wie schnell sich die Lage in einer Stadt ändern kann, auf das Beispiel Fellbach, wo ein Corona-Ausbruch in einer Flüchtlingsunterkunft die Fallzahlen hat nach oben schnellen lassen. Und Ähnliches könne natürlich jederzeit auch wieder in einem Altenheim passieren, sagt Matthias Klopfer, der gleichwohl hofft, dass es nicht wieder so weit kommt, dass für Alten- und Pflegeeinrichtungen ein totales Kontaktverbot verhängt und dass bei Trauerfeiern die Zahl derer, die Abschied nehmen wollen, massiv eingeschränkt werden muss. Schlimm genug sei’s aber auch schon, dass es im Gemeinderat weiterhin nicht die Möglichkeit zum informellen Austausch und zum zwanglosen Beisammensein gebe.

Neujahrsempfang abgesagt, Sommerempfang geplant

„Alles, was wir tun und überlegen, geht immer von der Grundannahme aus, wie die Lage wohl im Winter und bis ins Frühjahr 2021 hinein ist“, sagt Klopfer mit Blick zum Beispiel darauf, dass jetzt nicht nur das für kommende Woche geplante Unternehmer-Forum abgesagt worden ist – „Nicht, weil wir die Einhaltung der Auflagen nicht garantieren könnten, sondern weil es nicht zu vermitteln wäre, dass in der Barbara-Künkelin-Halle 200 Menschen zusammenkommen“ –, sondern dass auch schon entschieden ist, dass es im Januar keinen städtischen Neujahrsempfang geben wird. Stattdessen soll es im Juni unter freiem Himmel einen Sommerempfang geben. Auch der IHK-Neujahrsempfang, der Anfang 2021 ebenfalls in Schorndorf stattfinden sollte, fällt aus. Was es aber geben soll, ist ein wie auch immer gearteter Weihnachtsmarkt, über dessen genaue Ausgestaltung Stadt und Schorndorf Centro noch im Lauf der Woche informieren wollen. Aber auch die Landtagswahl im Frühjahr 2021 wirft schon ihre Schatten voraus, weil rechtzeitig und vorsorglich darauf reagiert werden muss, dass es wesentlich mehr Briefwähler als sonst geben wird.

Klopfer und Hemmerich lehnen Einladungen zu Weihnachtsfeiern ab 

In deutlich kleinerem Rahmen als geplant soll im November die Korpsversammlung der Gesamtfeuerwehr mit der Verabschiedung des langjährigen Kommandanten Jost Rube über die Bühne gehen. „Wir müssen beim Thema Veranstaltungen besonders sensibel sein“, sagt der Oberbürgermeister, der sich deshalb auch nicht vorstellen kann, dass es in diesem Jahr Weihnachtsfeiern von Firmen oder Vereinen gibt – vor allem keine Senioren-Weihnachtsfeiern. Und wenn doch, so seien sich er und der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich einig, dass sie dazu keine Einladungen annehmen würden. Überhaupt, so Klopfer, sollte sich zu dieser Zeit jeder Einzelne überlegen, wo er hingeht und welche Einladungen er annimmt. Und Selbiges gilt natürlich auch für den Urlaub etwa in den anstehenden Herbstferien. Er selber, so Matthias Klopfer, habe sich vorgenommen, zu erkunden, was die Mitgliedsbetriebe der Remstal-Route gastronomisch so draufhaben.

„Es geht darum, das Leben in der Stadt aufrechtzuerhalten“

Grundsätzlich gelte es jetzt vor allen Dingen, die Innenstadt mit Einzelhandel und Gastronomie gut über den Winter zu bringen. Was im Umgang mit der Gastronomie bedeutet, dass ihr alles, was irgendwie vertretbar ist, ermöglicht wird, um auch während der Wintermonate eine Außengastronomie anbieten zu können. Matthias Klopfer verweist beispielhaft auf das Café Incontro bei der Stadtkirche, wo gerade das Fundament für einen großen Schirm betoniert und eine neue Bodenabdeckung installiert wird, damit sich die Menschen – dann unter Infrarotbestrahlung – auch bei kälteren Temperaturen draußen wohlfühlen können. „Jetzt geht es wirklich darum, das Leben in der Stadt aufrechtzuerhalten“, betont Klopfer, der es deshalb für geboten hält, auch 2021 von den Gastronomen keine Sondernutzungsgebühren zu erheben. Gleichwohl wage er zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognose, ob es das Geschäft oder die Wirtschaft XY im kommenden Frühjahr oder Sommer noch gebe, sagt der Oberbürgermeister, der weiß, dass viele im Einzelhandel und in der Gastronomie „von der Zuversicht leben“ und mit verlässlichen Informationen zu ihrer wirtschaftlichen Lage eher geizen – „in guten genauso wie in schlechten Zeiten“ –, während es bei größeren Unternehmen halt doch auch verlässliche Indikatoren wie Steueraufkommen und Umfang der Kurzarbeit, aber auch die eine oder andere ehrliche Information im persönlichen Gespräch gebe. Apropos Gastronomie: Natürlich werde es auch verstärkte Kontrollen geben müssen, ob die mittlerweile wieder verschärften Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten würden, ohne dass bei Nachlässigkeiten jeweils gleich ein Bußgeld verhängt werden müsse: „Eine Gelbe Karte tut’s für den Anfang auch.“

Der Oberbürgermeister rät zur Grippeschutzimpfung

„Wir werden weiterhin Geisterspiele erleben“, prognostiziert Matthias Klopfer nicht nur mit Blick auf den VfB, sondern auch im übertragenen Sinne. Spannend in den nächsten Wochen werde, wie sich die normale Erkältungs- und Grippewelle und Corona zueinander verhielten und welche Auswirkungen das mental, vor allem aber personell auf die Verwaltungen, aber auch für die Kindergärten und Schulen habe. „Da werden wir nicht alles auffangen können“, vermutet Matthias Klopfer, der deshalb dringend dazu rät, das Angebot der Grippeschutzimpfung anzunehmen.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer fühlt sich in diesen Tagen wieder in den März und in die Anfänge der Corona-Krise zurückversetzt: „Ich gehe mit Corona ins Bett und wache mit Corona auf“, beschreibt er seine Gemütsverfassung, die wiederum die Verschiebung der Akzente in seinem Arbeitsalltag widerspiegelt, seit die Fallzahlen wieder dramatisch steigen und seit immer öfters der kritische Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche oder die Vorwarnstufe mit 35

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