Schorndorf

Ortsdurchfahrt Weiler: Keine Lösung in Sicht

1/2
weilverkehr
weilverkehr Schorndorf-Weiler Stettiner Straße Martin Thomä (SPD-Stadtrat) Die SPD-Gemeinderatsfraktion trifft sich beim Fahrradgeschäft Hutt mit Weilermer Bürgern, um gemeinsam mit ihnen über die Verkehrssituation in der Ortsdurchfahrt und über die Chancen für eine Einbahnstraßenregelung zu sprechen, von der in einer Richtung auch die Stettiner Straße betroffen wäre. Ortsdurchfahrt und den durch Leitboys halbwegs gesicherten Gehwegen. Foto: Alexandra Palmizi © Alexandra Palmizi
2/2
_1
Großes Interesse am Besuch des Oberbürgermeisters in Weiler: Die Verkehrssicherheit auf der Ortsdurchfahrt war – wie zu erwarten – das Topthema des Abends.

Schorndorf. Auch wenn über die Verkehrssituation in Weiler schon oft diskutiert wurde, eine Lösung für mehr Verkehrssicherheit auf der engen Ortsdurchfahrt ist noch immer nicht in Sicht. Selbst Oberbürgermeister Matthias Klopfer zeigte sich bei „OB vor Ort“ im evangelischen Gemeindehaus noch unentschlossen: Ob Einbahnstraßenregelung oder nicht – letztlich wird der Gemeinderat entscheiden müssen.

Würde die Anzahl der Wortmeldungen den Ausschlag geben: Die Einbahnstraßenregelung für die Ortsdurchfahrt mit Ringlösung über die Stettiner Straße wäre vom Tisch. Und obwohl die Argumente längst ausgetauscht sind, auch diesmal meldeten sich die Anwohner aus der Stettiner Straße zu Wort: Wie Siegfried Lasch, Sprecher der Bürgerinitiative, wollen sie die Behauptung nicht stehenlassen, dass in Weiler hauptsächlich Ziel-, Quell- und Binnenverkehr kreise: Sie nehmen einen beträchtlichen Anteil Durchgangsverkehr im Ort wahr und machen den Stau an der nicht funktionierenden Westausfahrt auf der B 29 dafür verantwortlich, dass täglich 8500 Autos durch Weiler fahren.

Für OB Klopfer ist die Nordumfahrung vom Tisch

Immer mehr Verkehr – das wäre ihrer Ansicht nach bei einer Ringlösung dann auch in der Stettiner Straße der Fall, einem als Tempo-30-Zone ausgewiesenen Wohngebiet. Warum, fragte Lasch, zieht die Stadt, wenn der neue P+R-Platz nördlich der Bahnlinie gebaut wird, die Gemeindeverbindungsstraße nicht den einen Kilometer bis Winterbach noch durch? Doch für Klopfer ist die Nordumfahrung jenseits der Bahnlinie offenbar vom Tisch: „Die einzige Straßenplanung ist die Ortsumfahrung Miedelsbach.“ In einer hochverdichteten Region wie dieser, argumentierte er, müssten Grünzüge erhalten bleiben: „Wer Straßen sät, wird auch innerorts Verkehr ernten“. – Und: Von der Entlastungswirkung der Nordtangente ist auch sein Chefplaner Manfred Beier nicht wirklich überzeugt – obwohl er sich gegen die Einbahnstraßenregelung ausspricht.

Klopfer rechnet schon mit Unterschriftenlisten

Für CDU-Stadtrat Ingo Sombrutzki indes ist die Nordumfahrung noch nicht aus der Welt: In seiner Wortmeldung bezeichnete er sie als eine mittel- bis langfristige Lösung. Und obwohl sich der Ortschaftsrat – bei einer deutlichen Reduzierung des Durchgangsverkehrs – mittlerweile für eine Einbahnstraßenregelung ausspricht, Klopfer ist noch unentschlossen. Der Abwägungsprozess ist schwierig – „das ist hochkomplex“ – und verlangt ein ganzes Bündel von Maßnahmen: Vielleicht bringt Tempo 30 was, vielleicht „Rechts vor links“ auf der Ortsdurchfahrt, vielleicht irgendwann der Ausbau des Tuscaloosa-Kreisels mit Bypass von der Waiblinger Straße.

In Weiler jedenfalls nimmt Klopfer zwei konträre Positionen wahr – „je nachdem, wo man wohnt“ – und rechnet schon jetzt mit Unterschriftenlisten. Eine richtige oder falsche Entscheidung wird es für ihn dabei nicht geben, „sondern nur Pro und Contra“. Doch letztendlich sieht er sich auch als Oberbürgermeister von den Menschen, die in der Winterbacher Straße wohnen: „Das ist genauso eine Wohnstraße.“

Ortsvorsteher: Verkehrssicherheit „steht an erster Stelle“

Auch für Ortsvorsteher Klaus Beck steht – trotz aller Argumente, die aus der Stettiner Straße und dem umliegenden Wohngebiet kommen – Verkehrssicherheit an erster Stelle; und eine deutliche Reduzierung des Durchgangsverkehrs. Für ihn ist klar: „Wenn der erste große Unfall passiert, haben wir ganz schnell eine Lösung.“ Klopfer will 2018 im Gemeinderat zu einer Entscheidung kommen. Zu einer weiteren Informationsveranstaltung zum Thema wird aber zunächst Manfred Beier als Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht Anfang November nach Weiler einladen.

Verkehrssicherheit sorgt für Fragen

Und immer wieder war die Verkehrssicherheit Anlass für Wortmeldungen: Autofahrer, die auf der engen Ortsdurchfahrt nicht nur zu schnell fahren und auch in den Wohngebieten Tempo 30 ignorieren, sondern immer wieder über Gehwege ausweichen und an Zebrastreifen kaum mehr halten. Mehr Kontrollen sind gefordert: Auch in der engen Pfarrstraße – und der Lortzingstraße, wenn Besucher des Ziegeleiseebads bis nach Weiler hinein alles zuparken. Ärger auch – bei ordentlichen Hundebesitzern – über die Reiter, die sich nicht um die Hinterlassenschaften ihrer Pferde auf den Wegen kümmern. Klopfer kann’s verstehen – aber: „Wir können nicht Hunderte von Kontrollmitarbeitern einstellen.“

Wohngebiet Schölleräcker: Neuer Umweltbericht muss verfasst werden

Ein Abwägungsprozess ist für Klopfer letztlich auch die Erschließung des geplanten Wohngebiets Schölleräcker. Schließlich warteten viele Familien schon jahrelang darauf, endlich bauen zu können. Wegen der Normenkontrollklage und des Prozesses vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim, den die Stadt Schorndorf vor zwei Jahren verloren hat, ging’s aber erst mal zurück auf null: Jetzt muss nicht nur ein neuer Umweltbericht verfasst werden, mögliche Verkehrsbelastungen analysiert, ja neu geplant werden, auch der Bebauungsplan wird in den kommenden Monaten noch einmal öffentlich ausgelegt werden. Die Weilermer aber treibt vor allem die Zufahrt zu dem 4,5 Hektar großen Wohngebiet um: Bei 75 Wohneinheiten ist mit der doppelten Menge an Autos zu rechnen, die vor allem über die Kelter- und Röntgenstraße zu- und abfahren werden. Und obwohl es für Chefplaner Beier eine Frage der – durchaus schwierigen – Verteilung sein wird, Klopfer redet bei „OB vor Ort“ nicht drumrum: „Es ist eine Belastung, das ist uns klar.“

Das Weilermer Bädle

  • Das Weilermer Bädle ist 80 Jahre alt, im Ort sehr beliebt und doch in die Jahre gekommen. Michael Dürr, Vorsitzender des Freibadvereins, fragte bei „OB vor Ort“, ob sich die Stadt für einen Zuschuss für die Sanierung des Schwimmbeckens, die mit einem hohen sechsstelligen Betrag veranschlagt ist, gewinnen lasse. Eigentlich, sagte Klopfer, halte sich die Stadt zurück – schließlich könnten auch die Weilermer ins Ziegeleiseebad gehen.
  • Doch die Tür scheint nicht verschlossen: Auch Klopfer sieht, welch’ „wunderbares ehrenamtliche Engagement“ hinter dem Freibad in Weiler steht. „Sprechen Sie mich noch mal an“, sagte er am Dienstagabend, „ich bin sicher, wir finden einen Weg.“