Schorndorf

Oskar-Frech-Seebad: Keine Saunaerweiterung

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Die Konkretisierung der Planung für die Saunaerweiterung hat zu Gesamtkosten in Höhe von annähernd fünf Millionen Euro geführt. © Danny Galm
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Kursbecken.pdf © VLP

Schorndorf. Weil der vorgegebene Kostenrahmen gesprengt werden müsste und weil die Werkleitung unter diesen Vorzeichen noch einmal darüber nachdenken will, ob das Geld in den nächsten Jahren nicht an anderer Stelle dringender benötigt wird, wird auf die vorgesehene geplante Saunaerweiterung im Oskar-Frech-Seebad zunächst einmal verzichtet. Wie geplant realisiert wird aber der Bau eines Lehrschwimmbeckens für rund 1,6 Millionen Euro.

Als Ende September 2016 beide Maßnahmen in Form einer Vorplanung des Architekturbüros Erhard & Bottega im Gemeinderat vorgestellt wurden, wurden die Gesamtkosten inklusive Nebenkosten auf rund 4,25 Millionen Euro geschätzt.

Die Entscheidung fällt am 20. Juli im Gemeinderat

Die Konkretisierung der Planung für die Saunaerweiterung hat zu Gesamtkosten in Höhe von annähernd fünf Millionen Euro geführt, was die Werkleitung der Stadtwerke dazu bewogen hat, eine zweite, reduzierte Variante mit Gesamtkosten in Höhe von rund 4,6 Millionen Euro auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen.

Dabei hat sich jedoch, wie es in der Sitzungsvorlage für den Technischen Ausschuss – die endgültige Entscheidung fällt am 20. Juli im Gemeinderat – heißt, „gezeigt, dass diese Varianten in wesentlichen Teilen von den ursprünglichen Zielsetzungen abweicht und den Vorstellungen an eine qualitativ hochwertige, den Anforderungen der Werkleitung und Bäderbetriebsleitung entsprechenden neu gestalteten Saunalandschaft nicht genügt“.

Dringlichere Maßnahmen

Das hat dann, wie Stadtwerke-Chef Andreas Seufer im Ausschuss erläuterte, die Werkleitung zum Nachdenken darüber bewogen hat, ob denn die Saunaerweiterung, so wünschenswert sie auch wäre, zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt sein muss und ob es nicht andere Maßnahmen gibt, die im Unternehmensverbund der Stadtwerke dringlicher sind.

Seufer nannte in diesem Zusammenhang die Elektromobilität, die Verstärkung des Stromnetzes und das schnelle Internet, und wies darauf hin, dass sich der Neubau eines Lehrschwimmbeckens, bezogen auf das Jahresergebnis der Bäderbetriebe, ohne Verlust darstellen lasse – unter anderem, weil im Gegenzug die Kosten für den Betrieb des seitherigen Lehrschwimmbeckens in Haubersbronn entfallen.

OB: Keine leichte Entscheidung, auf so ein Projekt zu verzichten

„Lieber jetzt noch einmal auf die Saunaerweiterung verzichten, als eine halbherzige Lösung realisieren“, pflichtete Bäderbetriebsleiter Jörg Bay seinem Chef bei und betonte. „Wir sind auch so noch attraktiv.“ Klar sei aber auch: „In absehbarer Zeit werden uns die Jahre einholen.“

Oberbürgermeister Matthias Klopfer bedankte sich beim Stadtwerke-Geschäftsführer, der in seinen zehn Schorndorfer Jahren nach eigenem Bekunden 60 bis 70 Millionen Euro investiert hat, ausdrücklich für den „strategischen Impuls“, an dieser Stelle innezuhalten und über eine neue Prioritätensetzung nachzudenken. Es sei ganz gewiss keine leichte Entscheidung, auf so ein Projekt zu verzichten, auf das er sich so gefreut habe, sagte Matthias Klopfer.

Hofer: Zum attraktiven Bad kommt ein weiterer Spritzer dazu

Ungeachtet dessen, dass sich die meisten im Gemeinderat und viele Bürger dieser Stadt die Saunaerweiterung gewünscht hätten, sei die Entscheidung, sie jetzt erst einmal für ein paar Jahre zurückzustellen und sich darauf zu besinnen, was aus unternehmerischer Sicht Vorrang haben müsse, richtig, befand CDU-Stadtrat Matthias Härer und stellte fest: „Sauna und Bad bleiben attraktiv und müssen jetzt halt im Bestand entwickelt werden.“

„Schade, aber wenn kein Geld da ist, ist es besser, zu warten“, kommentierte SPD-Stadträtin Silke Olbrich den vorläufigen Verzicht auf die Saunaerweiterung. Umso mehr freue sie sich über den Bau des Lehrschwimmbeckens.

Auf ihren Hinweis, sie habe gehört, dass im Lehrschwimmbecken in Haubersbronn die Duschen zu heiß seien, sagte ihr Fraktionskollege Klaus Reuster scherzhaft: „Die Leute müssen halt auch das kalte Wasser aufdrehen.“ „Zu unserem attraktiven Bad kommt noch ein weiterer Spritzer dazu“, bewertete auch FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer den Bau des Lehrschwimm- oder Kursbeckens positiv, ehe sich Grünen-Stadtrat Wilhelm Pesch einerseits überrascht von der Nachricht, die Saunaerweiterung zurückzustellen, zeigte, andererseits aber akzeptierte, dass es wohl nicht anders gehe.


Es sei von vornherein klar gewesen, dass es beim an das Oskar-Frech-Seebad angedockten Lehrschwimmbecken einen Zielkonflikt insofern geben würde, als der Kinderspielbereich im Ziegeleisee-Freibad tangiert sein werde, sagte FDP/FW-Stadtrat Gerhard Nickel, nachdem zuvor von verschiedener Seite dieser aus Sicht von Planer und Bäderbetriebsleitung unvermeidbare Eingriff in den Spielbereich beklagt und bedauert worden war. Mit der 90-Grad-Drehung des jetzt in Ost-West-Richtung geplanten Kursbeckens sei der richtige Weg gefunden, meinte Nickel.

Panoramablick auf dem geplanten Lehrschwimmbecken

Andere sahen’s nicht so pragmatisch, sondern wollten, wie etwa SPD-Stadtrat Marcel Kühnert, geprüft haben, ob nicht ein Stück des DLRG-Grundstücks für den Kinderspielbereich abgezwackt werden könne. „Viel Spaß bei den Verhandlungen“, wünschte Bäderbetriebsleiter Jörg Bay. Ob denn beim Spielplatz so viel Platz wegfalle, dass irgendwo ein Ausgleich geschaffen werden müsse, wollte Kühnerts Fraktionskollegin Silke Olbrich wissen, der es mit Blick aufs neue Lehrschwimmbecken und auf Schwimmkurse mit muslimischen Frauen auch wichtig gewesen wäre, dass es einen nach außen hin geschützten Raum gibt.

Wenn erforderlich, dann sei allenfalls ein temporärer Sichtschutz möglich, weil die Fensterfront nach Süden hin analog zum Oskar-Frech-Seebad bewusst offen gehalten werden solle, sagte Planer Georg Haas vom Büro Bauatelier Architekten und bekam Unterstützung von FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer, der den Panoramablick auf dem geplanten Lehrschwimmbecken ausdrücklich lobte.

„Ich bin eine Verfechterin des Spielplatzbereiches“

Was den Eingriff in den Kinderspielbereich betrifft, so bezifferte Haas die für das Kursbecken erforderliche Flächeneinbuße auf 180 Quadratmeter. Was Grünen-Stadtrat Wilhelm Pesch vor allem deswegen bedauerte, weil unter anderem auch der Wasserlauf gekürzt werde. Peschs Fraktionskollegin Andrea Sieber („Ich bin bekanntermaßen eine Verfechterin des Spielplatzbereiches“) beklagte, dass die für das neue Gebäude wegfallende Fläche genau der Teil sei, wo sich bei extremen Temperaturen auch ohne Bäume Schatten finden lasse.

Es sei verträglich, für 15 ganz heiße Tage pro Jahr, an denen der Kinderspielbereich bis in die letzte Ecke ausgenutzt sei, einen Kompromiss zu finden, meinte Bäderbetriebsleiter Jörg Bay. Zum einen seien auch in diesem Jahr wieder zusätzliche Schattenplätze geschaffen worden, und zum anderen lasse sich auch mit weiteren Schirmen etwas machen, meinte Bay.