Schorndorf

Osterfiguren für krebskranke Kinder

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Pokorra
Bernhard Pokorra in seiner Werkstatt mit einigen seiner Verkaufsschlager. In der Hand hält er ein Solitärspiel mit Glaskorken als Spielsteine. © Büttner / ZVW
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... aber erst einmal steht ja Ostern vor der Tür. Auch dafür hat der 69-Jährige schon fleißig gebastelt. © Büttner / ZVW
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Weihnachten kann kommen, Bernhard Pokorra ist vorbereitet: Eine ganze Hundertschaft Holz-Nikoläuse steht schon in seiner Werkstatt bereit ... © Büttner / ZVW

Remshalden. Vor elf Jahren erkrankte Bernhard Pokorra selbst an Krebs. In dieser schweren Zeit fing er an, mit Holz zu arbeiten. Es lenkte ihn ab, es war eine Aufgabe. Was klein begann, wuchs sich schnell zu einer richtigen Serienproduktion von Osterhasen, Nikoläusen, Insektenhotels, Brettspielen und anderen Dingen aus. Seine Bastelarbeiten verkauft Pokorra und spendet den kompletten Erlös an die Olgäle-Stiftung.

Seinen ersten großen Erfolg feierte Bernhard Pokorra bei einem Weihnachtskonzert des Männergesangvereins Geradstetten, in dem er Mitglied ist. 2007 war das, da fertigte er für die Halle die Deko an, Schneemänner und Nikoläuse. Gleichzeitig verkaufte er die Holzfiguren, mit dem Ziel, den Erlös für einen guten Zweck zu spenden. Vor allem die Schneemänner waren der Renner. 75 Stück gab es, viel zu wenig, denn sie fanden im wahrsten Wortsinn reißenden Absatz: „Die Leute haben die runtergerissen von den Fenstern, die haben Streit gekriegt deswegen“, erzählt er. Pokorra ließ sich die Adressen derer geben, die leer ausgegangen waren und produzierte Schneemänner nach. Bis heute hat er noch viele mehr davon unter die Leute gebracht.

Der 69-Jährige schätzt, dass von den Schneemännern in Remshalden und Umgebung 300 Stück im Umlauf sind. Von seinen kleinen Nikoläusen hat er schon rund 2000 Stück unter die Leute gebracht und aktuell stehen schon wieder einige davon fertig im Keller, 500 neue will er bis Weihnachten produziert haben.

„Das ist für mich eine innere Befriedigung“

Das Geld, das Bernhard Pokorra mit dem Verkauf seiner Bastelarbeiten einnimmt, gab er von Anfang an der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind. Und zwar komplett: Das Material bezahlt er selbst. „Ein einziges Mal habe ich mir Geld davon genommen, weil mir die Stichsäge kaputtgegangen ist“, sagt er. Insgesamt hat er über die vergangenen Jahre 7755 Euro gespendet.

„Das ist für mich eine innere Befriedigung“, sagt er. Aber nicht nur das schöne Gefühl, etwas Gutes, Sinnvolles mit seiner Arbeit zu tun, auch die Arbeit selbst hilft ihm. Sie hat ihn dabei unterstützt, nach vorne zu schauen, sie hat ihn abgelenkt, als er selbst an Krebs erkrankt war und operiert wurde. In dieser Zeit, vor elf Jahren, fing er mit den Sägearbeiten an. Vorher hatte er schon ab und an etwas Handwerkliches gemacht, zum Beispiel Weihnachtskrippen für seine Familie. „Ich habe schon immer gern gebastelt“, sagt er. Mit dem Schneemann, der beim Weihnachtskonzert so gut ankam, fing er dann an, große Stückzahlen zu produzieren.

Die Vorlagen findet er in Schaufenstern oder Zeitschriften. Nach ihnen fertigt er Schablonen aus Kunststoff an, indem er darauf erst die Umrisse aufzeichnet und diese dann mit Löchern versieht, damit er sie auf dem Holz markieren kann. Verschiedene Figuren in verschiedenen Größen hat er im Angebot: Osterhasen, Nikoläuse, Gänse, Enten und anderes. Für das Weingut Bernhard Ellwanger macht er für den Verkauf Solitärspiele, mit Glaskorken des Weinguts als Spielsteine. Für Ellwanger hat er außerdem eine Tür für ein Weinberghäusle und Schilder aus Holz gebaut. Von den Insektenhotels, die Bernhard Pokorra bastelt, hat er auch schon gut 100 Stück unter die Leute gebracht. Eines davon hat der grüne Verkehrsminister Hermann. Der Kernener FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann hat es ihm zum Geburtstag geschenkt. Bernhard Pokorra erzählt solche Geschichten stolz, er hat Freude am Sägen, Malen und Basten, aber auch Freude daran, zu sehen, wie seine Arbeiten anderen gefallen und gekauft werden.

So hat er etwas gefunden, dass ihm dauerhaft hilft, positiv zu denken. Das sei entscheidend, wenn man eine Krankheit überstehen wolle, wie er sie durchleben musste. „Ich glaube, das schlägt sich auf die Werte nieder“, sagt Pokorra. Regelmäßig geht er zur Kontrolle der Blutwerte, die als Indikatoren für den Krebs gelten. Bislang war immer alles gut. Ansonsten hängt der Bastler seiner Krankheit nicht nach, er grübelt nicht, er hadert nicht: „Ein Vierteljahr nach der OP habe ich die Sache abgeschlossen.“ Nach vorne denken und etwas Sinnvolles tun, was einem Spaß macht: Das nennt man dann wohl ein rundum gesundes Lebensmotto.

Kontakt

Wer noch Osterdekoration sucht oder sonst Interesse an den Holz-Arbeiten von Bernhard Pokorra hat, der kann sich bei ihm melden: Tel. 0 71 51/7 11 96.

Er verkauft seine Arbeiten vor allem auf Anfrage. Wer etwas Besonderes will, kann das bei ihm mit der entsprechenden Vorlage auch speziell in Auftrag geben.