Schorndorf

Pandemie lässt Musikschule kreativ werden

SaxoTrio01
Die Jugendmusikschule startet unter Pandemiebedingungen wieder in den Unterricht: Tiziano, Jan und Lenny (v.l.n.r.) proben mit Lehrer Johannes Groß im Jazzclub. Bild: Steinemann © Ralph Steinemann Pressefoto

Günther Neher, Leiter der Jugendmusikschule Schorndorf und Umgebung, ist vom Coronavirus reichlich unter Druck geraten. Immer wieder wird er angetrieben von Änderungen, die vom einen Tag auf den anderen gelten und immer neuen Erfindungsreichtum fordern. Dazu die Verantwortung für immerhin 90 Lehrkräfte, die 2800 Musikschüler regelmäßig unterrichten und ihr persönliches Auskommen auch größtenteils auf diese Weise sichern. Aber auch die Eltern und Schüler warteten und warten darauf, wie der längst bezahlte Unterricht eingelöst werden kann. Allerdings – und dafür ist Neher wirklich dankbar - seien die Eltern zum einen sehr solidarisch und zum anderen dankbar für die in der Not entwickelten Angebote gewesen.

Organisations-Marathon in der Verwaltung

Immerhin, der Lockdown hat vor allen Dingen Kinder und Jugendliche völlig ausgebremst: keine Schule, keine Freunde treffen, keine Vereinsangebote. Vom 16. März bis 7. Mai war deshalb auch die Musikschule ziemlich leer. Bis auf die Verwaltungsabteilung, da lief die Organisationsmaschine auf Hochtouren. Vor der Pandemie hatten 60 Prozent aller Unterrichtsstunden in Klassenzimmern der örtlichen Schulen stattgefunden.

Seit dem Inkrafttreten der Corona-Verordnungen stehen sie aber nicht mehr für außerschulische Angebote zur Verfügung. Also mussten neue Lokalitäten für die Zeit nach der Vollbremsung her. Und so wird seit den ersten Lockerungen in Turnhallen genauso geprobt, wie in Vereinsheimen, in Werkräumen oder im Jazzclub im Hammerschlag.

Musikschule 2.0: Flexibilität und Erfindungsreichtum

Neher ist beeindruckt, mit wie vielen Ideen und Einsatzbereitschaft die Kollegen der Krise die Stirn geboten haben. Sogar die Betagteren unter ihnen hätten sich mutig an die digitalen Medien herangewagt und neue Kompetenzen erschlossen, um ihre Schüler zu erreichen. Da gab’s Gitarrenunterricht per Videoanruf und Clips zum Mitmachen für die Kleinsten, die sonst mit ihren Eltern oder Großeltern zum Kurs erschienen.

sAndere Schüler bekamen die Aufgabe, ein bestimmtes Stück zu üben, um anschließend ein Video davon zu drehen und es dem Lehrer zu schicken. Da hat manchen Schüler der Ehrgeiz so richtig gepackt. Auch Michael Gern, der stellvertretende Schulleiter, konnte bei seinen Gitarrenschülern eine überraschend große Motivation feststellen. Viele hätten eine neue Eigenverantwortlichkeit im Lernen ihres Instrumentes entwickelt.

Nicht alles durchziehen, was erlaubt ist

Einzelunterricht findet inzwischen wieder statt in den Räumen der Jugendmusikschule. Große Ensembles üben aber seither getrennt in Kleingruppen. Und auch mit der neuen Verordnung, die mit dem Juli Einzug in der Musikschule gehalten hat, sind Bläser und Sänger weiterhin ans Abstandsgebot gebunden. Die anderen Orchester- und Ensembleteilnehmer könnten nun wieder in einer Stärke bis 20 Personen und das sogar ohne Abstand proben. „Allerdings muss man ja nicht alles machen, nur weil es erlaubt ist“, fügt Michael Gern an.

Man will vorsichtig bleiben an der Arnoldstraße. Schließlich ist die Pandemie noch längst keine Vergangenheit. Drum gibt’s auch überall in der Musikschule kleine Stellwände mit stabilen Plastikwänden, die Schüler und Lehrer voneinander trennen, auch wenn sie nebeneinandersitzen. Außerdem wurden alle Lehrer mit Schutzvisieren ausgestattet, treffen sie doch täglich etliche Kinder und Jugendliche, die aus den unterschiedlichsten Ecken des Einzugsgebietes anreisen. Große Warnschilder erinnern an die Mindestabstände, in den Fluren und im Eingangsbereich gilt die Maskenpflicht.

Viele Konzerte fallen aus

Schmerzlich vermissen alle die Veranstaltungen, die nun üblicherweise zum Abschluss des Semesters hätten stattfinden sollen. Der Saal im Erdgeschoss fasst unter normalen Umständen 100 Personen und hätte im Juli so manches Konzert erleben sollen. Unter Einhaltung der Corona-Auflagen aber schrumpft die Zahl der möglichen Zuhörer auf 30. Kleine Vorspiele wären auf diese Weise möglich, aber die beliebte Sommerserenade, das Sinfoniekonzert in der Künkelin-Halle, der Pop-Musik-Auftritt im Rahmen der SchoWo, die ja ohnehin selbst ausfällt - all das ist für dieses Jahr abgeblasen.

Kreative Instrumentendemo

Auch die beliebte Instrumenten-Demo im Herbst kann nicht stattfinden wie gewohnt. „Normalerweise brummt bei uns dann das Haus“, schwelgt Neher in Erinnerungen. Im Rahmen des Infotages konnten Kinder und Jugendliche die verschiedenen Instrumente nicht nur hören, sondern anfassen und ausprobieren – in diesen Zeiten unvorstellbar. Das ist klar. Um den Schülern aber im Vorgriff des neuen Semesters dennoch die Möglichkeit zu geben, verschiedene Instrumente zu entdecken, will Michael Gern demnächst Vorstellungsvideos drehen. Die sind dann auf der Webseite der Musikschule zu finden. Eine Veranstaltung mit Instrumentenvorführungen dazu soll’s am Samstag, 26. September, in der Künkelin-Halle dazu geben.

Günther Neher, Leiter der Jugendmusikschule Schorndorf und Umgebung, ist vom Coronavirus reichlich unter Druck geraten. Immer wieder wird er angetrieben von Änderungen, die vom einen Tag auf den anderen gelten und immer neuen Erfindungsreichtum fordern. Dazu die Verantwortung für immerhin 90 Lehrkräfte, die 2800 Musikschüler regelmäßig unterrichten und ihr persönliches Auskommen auch größtenteils auf diese Weise sichern. Aber auch die Eltern und Schüler warteten und warten darauf, wie der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper