Schorndorf

Paula Zobler: Ortschaftsrätin aus Weiler sagt nach 47 Jahren Ade

Paula Zobler
Für ihr kommunalpolitisches Engagement im Ortschaftsrat Weiler und im Schorndorfer Gemeinderat wurde Paula Zobler mehrfach ausgezeichnet: Vom Städtetag mit dem Verdienstabzeichen in Gold mit Lorbeerkranz und von der Stadt Schorndorf mit der städtischen Verdienstmedaille in Bronze und Silber. © Gabriel Habermann

Sollte sie am Freitagabend mal Langeweile haben, Ortsvorsteher Eberhard Beutel hat Paula Zobler zum Abschied ganz offiziell eingeladen, einmal im Monat zur Ortschaftsratssitzung ins Weilermer Rathaus zu kommen. 47 Jahre lang war sie dabei, neunmal wurde sie seit 1975 wiedergewählt, lange war sie die einzige Frau im Gremium. Doch die 77-Jährige hat es ja schon nach der Kommunalwahl 2019 angekündigt: Die gesamte Legislaturperiode wird sie nicht im Amt bleiben. Sobald die Verkehrsregelung im Ort durch ist, wollte sie aufhören. Mittlerweile gibt es den Einbahnstraßenring in Weiler. Dass der die Anwohner der Stettiner Straße ärgert, ist Paula Zobler bewusst. Doch für sie ist es „die einzig mögliche Lösung“, um die Ortsdurchfahrt für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen.

Paula Zobler ist in Weiler groß geworden. Sie wohnt mit ihrem Sohn, der Schwiegertochter und den beiden Enkelkindern in dem Haus an der Bahnhofstraße, das ihr Urgroßvater gebaut hat. Er war Maurermeister, da gehörte zum Handwerkerdasein eine kleine Landwirtschaft dazu. Mittlerweile bewirtschaftet Sohn Heiko insgesamt 27 Hektar – ebenfalls im Nebenberuf. Seit ein paar Jahren gehören auch wieder Kühe dazu. Und obwohl Paula Zobler selbst nie in der Landwirtschaft arbeiten und sich vor allem nicht so plagen wollte wie ihre Mutter, hat auch sie die Familientradition fortgeführt.

Halbtagsstelle im Landratsamt: Anfang der 1970er nicht drin

Lehrerin, das wäre ihr Traumberuf gewesen. Letztendlich hat sie sich, auch um der verwitweten Mutter auf dem Hof helfen zu können, nach der Mittelschule für die höhere Verwaltungslaufbahn entschieden. Von 1968 bis zum 1. Januar 1975 hat sie im Landratsamt in Waiblingen gearbeitet. Ihr 2015 verstorbener Mann war bei der Bahn und abends fürs Reparieren der Maschinen zuständig. Als 1974 das dritte Kind zur Welt kam und sie gerne halbtags weitergearbeitet hätte, stellte Landrat Horst Lässing sie vor die Wahl: ganz oder gar nicht. Also entschied sie sich für die Familie. Und als ein paar Jahre später im Weilermer Rathaus eine Halbtagsstelle frei wurde und sie sich bewarb, machte ihr der Ortschaftsrat einen Strich durch die Rechnung. Die Stadt hätte sie genommen, doch die Männerriege im Ortschaftsrat wollte „keine Weiberwirtschaft auf dem Rathaus“, erzählt Paula Zobler und weiß noch gut, wie sehr sie damals mit sich gerungen hat, hinzuschmeißen. Letztendlich ist sie geblieben und saß sogar von 2012 bis 2014 als Nachrückerin in der FDP/FW-Fraktion im Schorndorfer Gemeinderat.

Nach einem Streit mit Helmut Palmer der eigene Wochenmarktstand

Nebenbei hat sie die heimische Landwirtschaft ausgebaut, zu der in den Hochzeiten nicht nur Hühner, sondern auch Kühe und Schweine gehörten, auf sechs Hektar wurden Obst, Beeren und Kartoffeln angebaut. Jahrelang hat sie Helmut Palmer beliefert. Als es zum Streit kam und andere Abnehmer gefunden werden mussten, entschied sie sich für einen eigenen Wochenmarktstand. Anfangs nur im Winter, im Sommer ließ ihr der landwirtschaftliche Betrieb keine Zeit. Mittlerweile sitzt Paula Zobler das ganze Jahr samstags und in den Sommermonaten auch dienstags im Schatten des Rathauses auf dem Wochenmarkt. „Am Anfang hab' ich mich noch geschämt“, erzählt die 77-Jährige. Doch inzwischen macht es ihr Spaß. Oft trifft sie alte Klassenkameraden. Wenn sie Langeweile hat, schaut sie den Leuten zu oder macht Kreuzworträtsel. Bei ihr gibt es die Erzeugnisse vom eigenen Hof, Erdbeeren und Himbeeren kauft sie zu. Seit die Gärtnerei Schanbacher ihren Marktstand aufgegeben hat, gibt es bei Paula Zobler auch von dort Obst und Gemüse zu kaufen.

Seitdem sie die Landwirtschaft an ihren Sohn übergeben hat, kann sie sich endlich gönnen, was früher undenkbar war: Sie war auf einer Kreuzfahrt, in Bad Füssing im Urlaub und hat in Vor-Corona-Zeiten eine Busreise nach Andalusien gemacht. Es ist die Natur, an der sie sich am meisten freut. Dazu kommt die Familie: Drei ihrer vier Kinder sind in Weiler geblieben, eine Tochter hat in Schlichten gebaut. Sie hat neun Enkelkinder. Michelle Pallmall ist eins davon. Mit ihr saß Paula Zobler zuletzt für die „Freien Bürger Weiler“ im Ortschaftsrat. Und die 77-Jährige wird auch nach ihrem Abschied weiter am Geschehen teilhaben: Dass es im Ort keine Bank mehr gibt und nicht einmal mehr einen Briefkasten, in den ältere Kunden Überweisungen einwerfen können, das findet sie nicht richtig. Glücklich ist sie auch nicht über die Pläne, einen sechsgruppigen Kindergarten bei der Schule zu bauen: „Das ist nicht optimal für den Kindergarten und für die Schule.“

Sollte sie am Freitagabend mal Langeweile haben, Ortsvorsteher Eberhard Beutel hat Paula Zobler zum Abschied ganz offiziell eingeladen, einmal im Monat zur Ortschaftsratssitzung ins Weilermer Rathaus zu kommen. 47 Jahre lang war sie dabei, neunmal wurde sie seit 1975 wiedergewählt, lange war sie die einzige Frau im Gremium. Doch die 77-Jährige hat es ja schon nach der Kommunalwahl 2019 angekündigt: Die gesamte Legislaturperiode wird sie nicht im Amt bleiben. Sobald die Verkehrsregelung im

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