Schorndorf

Personalnot in Kitas in Schorndorf: Warum Erzieherinnen die Lust vergeht

Ausbildung zur Erzieherin - Kindertagesstätte
Der Fachkräftemangel in den Kitas hat längst auch Schorndorf erreicht. © Patrick Pleul

Der Fachkräftemangel in den Kitas hat auch Schorndorf erreicht. Vor allem in den großen Kinderhäusern, in denen in Schichtbetrieb gearbeitet wird, ist es schwer, Leute zu finden. „Der Markt wird kleiner“, sagt Markus Weiß, Fachbereichsleiter Kindertagesstätten. Extrem viele Personen arbeiteten in Teilzeit-Jobs, die ins Gefüge passen müssten. Dazu kommen strukturelle Probleme. Eins ist für den Fachbereichsleiter jedenfalls klar: Wenn Erzieherinnen und Erzieher unzufrieden sind und abwandern, dann nicht wegen des Geldes. Die Gründe liegen tiefer.

Für die Erzieherinnen haben sich die Rahmenbedingungen geändert

156 Frauen und zwei Männer arbeiten in den städtischen Kindergärten in Schorndorf. Das klingt nach viel, doch es reicht nicht – vor allem, weil viele von ihnen eben nicht Vollzeit arbeiten. Aktuell hat die Stadt Schorndorf 4,5 Stellen zu vergeben, doch gerade bei Erzieherinnen respektive Erziehern, die Teilzeit arbeiten wollen, ist es gar nicht so einfach, die richtigen Leute zu finden. Einrichtungen mit verlängerten Öffnungszeiten seien beliebter als die großen Kinderhäuser mit Ganztagsbetreuung, und noch besser schnitten die kleinen, heimeligen Kindergärten ab. „Früher haben wir für zweigruppige Kitas Leute gesucht, jetzt für sechsgruppige Häuser“, konstatiert der Fachbereichsleiter. „Die Rahmenbedingungen haben sich geändert.“

Viel mehr Kinder als früher haben Sprachprobleme

Was die meisten Eltern begrüßen und brauchen, hat für viele Beschäftigte eine Kehrseite: Wechselnder Schichtdienst ist angesagt, mal ist eine Erzieherin vormittags, mal nachmittags bei der Arbeit. Klar, dass das vor allem problematisch wird, wenn sie ihren eigenen Alltag mit Kindern organisieren muss. Durch den Ausbau der Betreuungsplätze für Kleinkinder unter drei Jahren ist es deshalb schwer geworden, Fachkräfte zu finden und zu halten, sagt Weiß. Zudem sei der Job stressiger geworden, die Zahl der auffälligen Kinder viel größer als vor Jahren. „Heute haben wir Kita-Gruppen, in denen mehr als die Hälfte der Kinder ein Päckchen mit sich trägt.“ In manchen Kindergärten habe zum Beispiel jedes dritte Kind Sprachprobleme. Und dazu zählten bei weitem nicht nur Kinder aus Migrationsfamilien, sondern auch deutsche Kinder, die schlicht nicht auf dem alterstypischen Sprachniveau seien und deshalb gefördert werden müssten. Angesichts der Gruppengrößen sei es nicht immer einfach, allen Kindern gerecht zu werden: In Ganztagskindergärten werden in einer Ü-3-Gruppe 20 Kinder von zwei Fachkräften betreut. In Kitas mit verlängerten Öffnungszeiten sind es sogar 25 Kinder.

Dazu kommt: „Auch das Engagement der Eltern hat nachgelassen“, konstatiert der Fachbereichsleiter. Für manche Eltern seien die Erzieher und Erzieherinnen ihrer Kinder nur noch reine Dienstleister. Dabei sei eine Kita weit mehr als das: „Es ist eine Erziehungspartnerschaft“, sagt Weiß. Und dazu gehörten eben auch die Eltern. Sogar bei einer Betreuung von 50 Stunden in der Woche – das ist das, was in Schorndorf maximal angeboten wird – sei das Kind die überwiegende Zeit immer noch zu Hause, erinnert Weiß und fordert: „Die Eltern müssen mitarbeiten.“

Eine praxisintegrierte Ausbildung

Auf den zunehmenden Erzieher-Mangel hat das Land reagiert. Neben der klassischen Erzieherinnen-Ausbildung mit zwei Jahren Fachschule und einem Jahr Praxis im Kindergarten gibt es inzwischen auch „Pia“: die praxisintegrierte Ausbildung, die auch für Quereinsteiger interessant sein soll, weil die künftigen Erzieher und Erzieherinnen bereits verdienen. An zwei bis drei Tagen in der Woche sind sie im Kindergarten, an den restlichen Tagen lernen sie die Theorie. „Die Pia-Stellen kriegen wir heute eher besetzt“, sagt der Fachbereichsleiter. „Aber was machen wir an den anderen Tagen?“

Die Kommunen sind im Wettstreit um die Erzieher

Fakt ist: Seitens der Städte braucht es Energie, um die offenen Stellen zu besetzen und Fachkräfte zu finden, die überall gesucht sind. Eine übertarifliche Bezahlung wäre eine Möglichkeit, meint Markus Weiß. Doch das wäre aus seiner Sicht eine Spirale, die immer weiter nach oben gehen würde. „Wer würde es letzten Endes bezahlen?“ Schon jetzt trage die Stadt mehr als 50 Prozent der Kosten für einen Platz. Aktuell verdient eine Fachkraft im Kindergarten mit zwei Jahren Berufserfahrung laut Weiß im Monat 3100 Euro brutto. Mit zehn Jahren Berufserfahrung kommt sie auf 3500 Euro brutto und nach 20 Jahren im Beruf auf 3900 Euro. „Den Fachkräften geht es nicht ums Geld, sondern um die Rahmenbedingungen“, meint er. Die zu verbessern, wäre über mehr Personal oder kleinere Gruppen möglich, doch auch das würde Mehrkosten nach sich ziehen. Die Stadt, sagt er, müsste sich dann entscheiden, wo das Geld dafür eingespart wird. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sieht Markus Weiß als weitere Möglichkeit, Fachpädagogen einzustellen: Sportpädagogen oder Musikpädagogen mit einer pädagogischen Grundausbildung könnten mit einer entsprechenden Fortbildung auch im Kindergarten arbeiten.

Fakt ist für den Fachbereichsleiter: Die meisten Erzieherinnen, die dort arbeiten können, wo sie hinwollten, machten ihren Job mit Herzblut. Das müsse man sich klarmachen. Für viele Eltern seien sie aber nur Dienstleister wie viele andere. „Aber wir reden über Kinder“, konstatiert er. „Und nicht über ein Auto, das ich irgendwo in einer Werkstatt abgebe.“

Der Fachkräftemangel in den Kitas hat auch Schorndorf erreicht. Vor allem in den großen Kinderhäusern, in denen in Schichtbetrieb gearbeitet wird, ist es schwer, Leute zu finden. „Der Markt wird kleiner“, sagt Markus Weiß, Fachbereichsleiter Kindertagesstätten. Extrem viele Personen arbeiteten in Teilzeit-Jobs, die ins Gefüge passen müssten. Dazu kommen strukturelle Probleme. Eins ist für den Fachbereichsleiter jedenfalls klar: Wenn Erzieherinnen und Erzieher unzufrieden sind und abwandern,

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