Schorndorf

Peter Seibolds kleine Sternwarte

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Peter Seibold wirft einen Kontrollblick auf sein Teleskop. Damit er des Nachts die Sterne sehen kann, ist viel Vorbereitung nötig. © Ellwanger / ZVW
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Messier 42, besser bekannt als Orionnebel. © Peter Seibold
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Der Mond. © Peter Seibold
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Messier 51. © Peter Seibold

Schorndorf. Wenn die Dunkelheit einbricht, beginnt für Peter Seibold die spannendste Zeit des Tages. Dann geht der Schorndorfer auf die Suche nach fernen Welten. Und beleuchtet mit Teleskop und Kamera den Orionnebel, die Mondoberfläche oder den Gasplaneten Jupiter.

Im Video: Hobby-Astronom Peter Seibold  zeigt uns, wie farbig das Weltall ist.

Wer den Sternen näher kommen möchte, braucht nicht nur die richtige Ausrüstung, sondern vor allem Geduld, gute Vorbereitung und einen starken Kaffee. „Ohne Kaffee sollte man gar nicht anfangen“, sagt Peter Seibold. Denn Astronomie, das ist Hochkonzentration. „Man braucht alle Sinne dafür.“ Vor allem, wenn am Ende der Nacht schöne Bilder entstehen sollen.

Peter Seibold hat in den letzten Jahrzehnten eine Menge davon gesammelt. Seit der Halley’sche Komet 1986 der Erde so nahe kam, dass er sogar mit bloßem Auge zu sehen war, hat den heute 49-Jährigen das Universum nicht mehr losgelassen. Seitdem versucht er auch, die Faszination Weltraum in Fotografien einzufangen.

Der perfekte Nachthimmel ist für Astronomen eine Seltenheit

Dabei ist die Beobachtung der Sterne ein aufwendiges, oft frustrierendes Hobby. Nur selten sind die Sichtverhältnisse optimal. Der Mond darf nicht zu stark scheinen. Der Himmel muss wolkenlos sein. Und die Erde in einer möglichst interessanten Position zum Universum.

Nur selten hat der Astronom Glück und alle Faktoren treten zusammen auf. Hinzu kommt: In einer Stadt wie Schorndorf ist die Lichtverschmutzung eigentlich viel zu hoch. In der Nacht ist es meist zu hell. Wenn der Nachbar heizt, bekommt die Aufnahme Schlieren. Und durch Häuser und Bäume ist die Sicht auf den Nachthimmel recht begrenzt.

Mit Laptop, Spiegelreflex- und Planetenkamera

Trotzdem zieht es Seibold immer wieder in die kleine Sternwarte, die sich der gelernte Werkzeugmechaniker mit viel Tüftelei in seinem Garten geschaffen hat. Dort stellt er sich auf Betonfundament regelmäßig ein Stativ mit Fernrohr und Spiegelteleskop, seit kurzem hat er aufgerüstet und schaut nun durch einen „Skywatcher“, ein ordentliches Mittelklasse-Gerät.

Mit Laptop, Spiegelreflex- und Planetenkamera sammelt er des Nachts Aufnahmen von Mond, Orionnebel oder Messier 51, besser bekannt als die Whirlpool-Galaxie, Seibolds Lieblingsgalaxie. Unterstützt wird er dabei von digitaler Technik.

Der größte Planet unseres Sonnensystems

Zuletzt Anfang April fing er mit einer Planetenkamera den Planeten Jupiter ein, was nur selten möglich ist. Etwa alle 13 Monate schiebt sich die Erde zwischen Sonne und Jupiter. Dann ist der größte Planet unseres Sonnensystems die ganze Nacht über zu sehen.

Um eine ordentliche Aufnahme zu bekommen, muss sich der Astronom in der sprichwörtlichen Geduld üben. Muss die Achse des Stativs einordnen. Und wenn er eine Langzeitbelichtung machen möchte, einen hellen Leitstern zur Kontrolle suchen. Denn durch die Erdrotation verändern die Himmelsobjekte aus irdischer Sicht permanent ihren Standort und das Verhältnis zueinander. „Nur wenn der Leitstern richtig eintaxiert ist, werden die Punkte am Himmel auf den Fotografien auch als Punkte dargestellt“, so Seibold.

Der Blick in die Sterne setzt die Dinge ins richtige Verhältnis

Besonders herausfordernd ist das bei Aufnahmen im „Deep sky“, jenem Bereich des Himmels also, der sich außerhalb unseres Sonnensystems befindet. Der muss besonders lange, etwa eine Stunde, belichtet werden. Im Fernrohr ist er in seiner ganzen Faszination kaum zu erfassen. Und das menschliche Auge belichtet so kurz, dass die farbigen Nebel, etwa des Orion, nicht zu sehen sind. Das Spiegelteleskop sammelt dieses Licht und transportiert es über einen 45 Grad schrägen Fangspiegel in die Linse der Kamera, die einen Filter gegen die Lichtverschmutzung hat.

Spielt am Ende alles zusammen, entstehen Aufnahmen, die zumindest erahnen lassen, was den tief entspannten 49-Jährigen an der Beobachtung des Himmels so fasziniert. „Der Mond sieht immer anders aus“, sagt Seibold.

„Die Erde muss man schützen“

So ein Blick in die Sterne relativiere zudem ungemein. Setze die Dinge (und die oft gar nicht so großen Probleme) der Menschen wieder ins richtige Verhältnis. Der Mensch ist dort eben nicht mehr der Mittelpunkt des Universums, sondern er lebt nur auf einem Planet unter vielen. Umso mehr irritiert es den Hobby-Astronomen, wie leichtfertig die Menschheit ihre Lebensgrundlagen auf der Erde gerade aufs Spiel setzen. „Die Erde ist auch ein Planet – und den muss man schützen.“

Wenn er bei den Sternen ist, kommt der Schorndorfer deshalb am besten zur Ruhe. Nicht umsonst plant er seinen Urlaub stets um die interessantesten Himmelsereignisse herum. Auf einem Campingplatz im Schwäbischen Wald bei Bühlerzell hat er einen besonders lichtarmen Platz ausfindig gemacht.

Dort kann er dann ungestört von Handyempfang, Verkehr und Krach den Nachthimmel betrachten. Mit seinem Teleskop, seiner Kamera und einer großen Kanne starkem Kaffee.

Interessante Himmelskonstellationen

  • Bis Ende Mai gibt es im Sternbild Wassermann Sternschnuppennächte zu sehen. Bei guten Wetterbedingungen ist die Sicht auf die Meteoritenschauer in den Nächten des 5. und 6. Mai am besten.
  • Am 9. Juni ist der nächste Mikromond. Dann befindet der Mond sich am erdfernsten Punkt seiner Umlaufbahn. Der Trabant wirkt dann besonders klein, circa 14 Prozent kleiner als ein Supermond – und damit der kleinste Vollmond für die nächsten zehn Jahre.
  • In der Nacht vom 7. auf den 8. August gibt es in Mitteleuropa eine partielle Mondfinsternis. Dann schiebt sich die Erde zwischen Sonne und Mond und ihr Schatten fällt auf den Mond.
  • Weitere Sternschnuppennächte sind im Juli und August zu sehen, dann im Sternbild Perseus. Die besten Lichtbedingungen für die Perseiden-Meteorschauer gibt es, sofern das Wetter mitmacht, in der Nacht vom 12. auf den 13. August.
  • Den Supermond gibt es am 3. Dezember. Seine Vollmondphase erreicht er um 16.46 Uhr und ist dann nicht nur um rund 14 Prozent größer, sondern auch um bis zu 30 Prozent heller als der Mikromond.