Schorndorf

„Pfauen“-Pächter geben Restaurant auf

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Von links: Alexander Dohnt, Michelle Dohnt und Moritz Haidle im Pfauen (Archivbild). © Alexander Roth

Schorndorf. Wieder einmal gibt es im Restaurant „Pfauen“ in der Höllgasse ein abruptes Ende: Ende des Monats stellt das Pächterehepaar Alexander und Michelle Dohnt den Restaurant-Betrieb aus familiären Gründen ein und führt im Einvernehmen mit Eigentümer Gerald Feig nur noch den Hotelbetrieb weiter – vorerst zumindest. Und Feig muss sich wieder einmal auf die Suche nach einem Gastronomen machen, der dem „Pfauen“ endlich das gibt, was ihm seit Jahren fehlt: Liebe, Leidenschaft und „eine Seele“.

Es war, sind sich – in getrennten Gesprächen – Alexander Dohnt und Gerald Feig im Nachhinein einig, wahrscheinlich von vornherein nicht die Ideallösung, dass Alexander Dohnt, der ja auch die Taos Skybar im Postturm betreibt, und seine Frau Michelle auch noch den „Pfauen“ übernahmen. Immerhin hat es schon 2015 – wieder eröffnet worden ist das Restaurant im September 2016 – einiger Überredungs- und Überzeugungskunst von Gerald Feig bedurft, ehe sich das Ehepaar Dohnt bereiterklärt hat, das Wagnis einzugehen.

Ein Wagnis, dessen Anforderungen und Risiken die beiden wohl nicht ganz richtig eingeschätzt haben, wie Alexander Dohnt jetzt weiß und einräumt. Die Rechnung, dass er sich weiterhin in erster Linie um die Skybar und um andere Projekte wie die Taos-Lodge auf dem Cannstatter Wasen kümmert, und Michelle Dohnt den „Pfauen“ zu ihrer Herzensangelegenheit macht – und zwar sowohl das Hotel als auch das Restaurant – ist vor allem deswegen nicht aufgegangen, weil unter diesem Arrangement die Familie und da ganz besonders die beiden Kinder gelitten haben.

Das Ehepaar Dohnt will sich ganz auf die „Marke Taos“ konzentrieren

„Der Pfauen hat die Familie auseinandergerissen“, sagt Alexander Dohnt, der es „sehr, sehr schade“ findet, dass er und seine Frau das „Pfauen“-Restaurant am 28. Februar schließen müssen – von einigen Veranstaltungen abgesehen, die bereits seit längerem gebucht und zugesagt sind. „Der Pfauen hat eine 24-Stunden-Rundumbetreuung verdient, die wir nicht zu 100 Prozent leisten konnten, ohne die Familie und unsere anderen Betriebe und Projekte zu vernachlässigen“, sagt Dohnt, der vor allem seinem jungen Koch Jan-Falk Widmann bescheinigt, er habe „einen sehr guten Job gemacht“. Gleichwohl sei die Frequenz nicht so gleichmäßig gut gewesen, „dass das für eine ordentliche Bilanz reicht“. Und daran habe auch die Verschiebung der Öffnungszeiten von zunächst Donnerstag bis Sonntag auf dann Dienstag bis Samstag nichts Gravierendes geändert.

Alles wäre wahrscheinlich anders gelaufen, wenn er selber als Koch oder im Service im „Pfauen“ präsent gewesen wäre, meint Alexander Dohnt, der am Freitagabend gemeinsam mit seiner Frau noch einmal zu einem mit Haidle-Weinen – präsentiert von Moritz Haidle, dessen Graffiti-Kunstwerk im „Pfauen“ hängt – korrespondierenden Menü einlädt (einige Plätze sind noch frei, Anruf im „Pfauen“ genügt). Am Mittwoch ist dann, so weit es das Restaurant betrifft, Schluss, das kleine gut ausgelastete Hotel mit den sieben Zimmern wird Michelle Dohnt zumindest vorläufig weiterführen – zumindest vorläufig deshalb, weil, wie auch Gerald Feig bestätigt, für die Zukunft sowohl eine Trennung von Restaurant- und Hotelbetrieb denkbar ist als auch eine Verpachtung des „Pfauen“ im Ganzen, womit Alexander und Michelle Dohnt auch leben könnten. Denn Vorrang, macht Alexander Dohnt unmissverständlich deutlich, habe „die Marke Taos“, die weiter ausgebaut werden soll. „Daher“, so Dohnt, „kommt auch unsere Reputation.“

Gerald Feig: Dem Haus haben der gute Geist und die Seele gefehlt

Als Alexander und Michelle Dohnt vor etwa zehn Tagen zu ihm gekommen seien und ihm ihren endgültigen Entschluss, das Restaurant aus familiären Gründen aufgeben zu wollen, mitgeteilt hätten, da habe er diesen Entschluss schweren Herzens akzeptiert, sagt der Eigentümer des „Pfauen“, Gerald Feig. Zwar gebe es einen längerfristigen Vertrag zwischen ihm und dem Ehepaar Dohnt, aber es bringe ja nichts, darauf zu pochen, wenn es der Familie mit der Mehrfachbelastung, die sie sich zugemutet habe, nicht gut gehe „und wenn man merkt, dass da was wegrutscht“. Vielleicht, meint Feig, sei das von Anfang an nicht die Idealbesetzung für den „Pfauen“ gewesen, andererseits hätte das Ganze auch funktionieren können, wenn Alexander und Michelle Dohnt die Synergieeffekte, die sich mit den beiden Projekten Taos und Pfauen geboten hätten, erkannt und genutzt hätten – angefangen von der Möglichkeit, das Personal bei entsprechenden Spitzenfrequenzen flexibel einzusetzen.

Und: „Ich hätte keinen Gast aus der Skybar rausgelassen, ohne dass er weiß, dass es den Pfauen gibt, und umgekehrt gilt das Gleiche“, sagt der Unternehmer Gerald Feig, der natürlich auch selber öfters als Gast im „Pfauen“ war und ihn dann so erlebt hat, dass die Küche „völlig in Ordnung“ war – ohne dass sie allerdings einen Vergleich mit Marcus Krietsch, der zuvor im „Pfauen“ gekocht hat, ausgehalten habe –, dass aber, bedingt nicht zuletzt durch die häufige Abwesenheit der Chefin Michelle Dohnt, der gute Geist und die Seele gefehlt hätten.

Der Eigentümer sieht es entspannt

Grundsätzlich aber, versichert Gerald Feig, sei der erneute Bruch im „Pfauen“ kein Drama für ihn. „Ich sehe das wirklich sehr entspannt“, sagt der Eigentümer sowohl mit Blick auf seine persönliche Situation – „Wenn kein Umsatz gemacht wird, trifft mich das natürlich, aber ich werd’s überleben“ – als auch mit Blick auf die Zukunft des „Pfauen“. „Auf dem Papier“ sei’s zwar richtig, dass wiederholte Pächterwechsel für ein Restaurant mit dem Anspruch des „Pfauen“ nicht gut sei, aber wenn ein neuer Pächter komme und es richtig gut mache, dann werde der auf jeden Fall sein Geschäft machen und Erfolg haben, meint der in der Gastro-Szene nach eigenem Bekunden „bestens vernetzte“ Feig, der schon am Gucken und Suchen und überzeugt ist, dass der „Pfauen“ in spätestens drei Monaten wieder einen Pächter hat. Ob der dann auch das Hotel übernimmt, ist für den Eigentümer zweitrangig.

Entscheidend sei, dass das Restaurant das Herzstück des „Pfauen“ sei und bleibe. „Ein Szenario, aus dem Pfauen ein Hotel zu machen, gibt es für mich nicht, betont Gerald Feig, der hofft, dass sich eine Interimslösung, wie es sie im „Pfauen“ schon einmal gegeben hat – damals mit den längst liquidierten Gamundia Gastrobetrieben, deren Geschäftsführer Feig war –, diesmal vermeiden lässt und dass gleich ein Pächter gefunden wird, „der da mit Leidenschaft und Liebe rangeht“. „Das Haus ist so schön, da muss eine Seele rein“, sagt Gerald Feig noch einmal – eine Seele, wie er sie spürt, wenn er bei Spiro und Chris im Café Moser einkehrt.


Mehrere Neustarts

Nach dem Umbau des Pfauen, in den Eigentümer Gerald Feig im ersten Anlauf 1,7 Millionen Euro investiert hatte, haben von 2010 an zunächst einmal Sterne-Koch Marcus Krietsch und seine Frau Sandra das Restaurant geführt.

Nach der Insolvenz der Krietsch Gastro KG haben Ende 2014 die Gamundia Gastrobetriebe (Geschäftsführer: Gerald Feig), die auch die Villa Hirzel auf dem Areal der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd betrieben haben, die Geschäfte im „Pfauen“ übernommen.

Ein kurzes Intermezzo, denn schon im Herbst 2015 wurden Alexander und Michelle Dohnt als neue Betreiber vorgestellt (Eröffnung war 2016).