Schorndorf

Pflegekräfte in Schorndorf in der Corona-Krise: Wie schaffen sie das alles?

KSP-Pflege
Advent im Pflegeheim: Aline van Proosdij mit einer Bewohnerin © Gabriel Habermann

Wenn sich Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen mit Corona infiziert haben, ist das ein Alptraum für alle. Für die Menschen in den Heimen, deren Angehörige, aber auch für die Pflegekräfte, die sich jeden Tag um sie kümmern. Die seelische Belastung ist groß - auch in Heimen wie die Kranken- und Seniorenpflege KSP, wo sich noch kein Bewohner angesteckt hat. „Wir sind sehr dankbar, dass wir noch keine positiven Fälle hatten“, sagt Geschäftsführer Martin Kleinschmidt. „Wir machen das Maximum. Aber die anderen auch.“ Wie gehen die Pflegekräfte mit der Belastung um, die seit März andauert? Was macht das Virus mit den Helfern?

Plötzlich selbst an Covid erkrankt

Im April ist Pflegefachkraft Aline van Proosdij als eine von drei Mitarbeitern im Haus selbst an Covid-19 erkrankt. Angefühlt habe es sich wie eine schwere Erkältung, mit einem Brummen im Kopf. Weil plötzlich Geschmacks- und Geruchssinn fehlten, war ihr schon vor dem Testergebnis klar, dass sie Corona hatte. Doch das Schlimmste: „Ich hatte Panik, dass ich Bewohner angesteckt hatte“, erzählt die Mutter zweier Kinder. Sie hatten Glück: Keiner der Bewohner hatte sich infiziert. Doch die Angst ist geblieben. „Es darf bloß nichts passieren“, sagt sie. „Die Angst vor dem, was noch kommt, ist das Schlimmste.“


Im Lockdown Tröster und Bezugsperson in einem

„Covid kommt näher“, sagt auch ihr Chef Martin Kleinschmidt angesichts der rasant steigenden Zahlen. „Das macht unruhig.“ In seinem Pflegeheim am Schorndorfer Krankenhaus werden 48 Menschen betreut, dazu kommt sein ambulanter Pflegedienst, der die Menschen zu Hause versorgt. Die Arbeit seiner Mitarbeiter hat sich nach seiner Meinung in der Coronakrise durch die Hygienebestimmungen und den anfänglichen Besucherstopp stark verändert. Fest steht: Es sind nicht nur die Masken, die die Arbeit der Pflegekräfte seit Monaten so anstrengend machen. Auch wenn es natürlich kräftezehrend ist, einem alten Menschen beim Duschen zu helfen und dabei einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, wie Aline van Proosdij erzählt. Und auch wenn ihr Kollege Sascha Bünger am Ende des Tages davon Kopfschmerzen hat. Deutlich schlimmer, sagen sie, sei aber die seelische Belastung. „Im ersten Lockdown, als die Angehörigen nicht mehr kommen durften, waren wir Tröster und Bezugsperson und haben viel mehr Zeit, Liebe und Energie investiert als sonst“, sagt Aline van Proosdij. Es waren teilweise berührende Geschichten, die die Bewohner in dieser Zeit ohne ihre vertrauten Ehepartner, ihre Kinder und Enkel erzählten. Großen Redebedarf hätten sie gehabt, sagt Sascha Bünger. Im Lockdown seien die Pflegekräfte den Bewohnern viel näher gekommen als sonst.

Die Belastung war groß, und für die Mütter unter den Pflegekräften wie Aline van Proosdij ging die Belastung nach der Arbeit zu Hause weiter. Daheim warteten die Kinder, die keine Schule hatten, und der Mann im Home-Office. „Wenn ich kam, habe ich übernommen“, sagt die schmale Frau. Intern wurde im Seminarraum des KSP kurzerhand eine Behelfs-Kita eingerichtet. Mit Ehrenamtlichen, Mitarbeitern aus der Alltagshilfe, die im mobilen Pflegedienst nichts zu tun hatten, und den großen Teenie-Kindern der Mitarbeiter, die bei der Betreuung einsprangen.


Wenn Corona eingeschleppt wird, dann über Angehörige oder Mitarbeiter

Seit Mai dürfen die Senioren- und Pflegeheime für Besucher wieder öffnen. Anders als vor Corona gibt es jetzt aber feste Besuchszeiten, Besucher müssen sich registrieren lassen, was nicht allen Angehörigen gefällt. „Manche verstehen nicht, dass sie nicht spontan kommen können wie früher“, sagt Aline van Proosdij. Auch Masken und Sicherheitsabstand sind offenbar nicht für jeden Besucher selbstverständlich, wie Kleinschmidt sagt. „Manche finden das unnötig – solche kommen auch zu uns.“ Die Folgen für die Bewohner könnten fatal sein: „Wenn Corona eingeschleppt wird, sind es Angehörige oder Mitarbeiter“, weiß Micha Kleinschmidt, der zusammen mit seinem Vater die Einrichtung leitet. Mittlerweile konstatieren beide eine Corona-Müdigkeit und Genervtheit. „Aber“, sagt Martin Kleinschmidt: „Wir leben mit dem Virus und wir werden damit umgehen müssen.“


Dass das Heim bisher so glimpflich durch die Krise kam, führt Kleinschmidt auch darauf zurück, dass sie grundsätzlich keine dementen Bewohner aufnehmen. „Demente Menschen liegen in allen Betten, trinken aus allen Tassen“, sagt Kleinschmidt. „Wenn einer Corona hat, haben es alle.“ Seit vergangener Woche werden die Mitarbeiter regelmäßig einmal in der Woche getestet, die Bewohner dagegen nur bei Symptomen. Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist gut, zumal sie personell gut aufgestellt seien. „Das Wichtigste war zu sagen: Keine Panik“, sagt Sascha Bünger. „Das war am Anfang schwer. Jetzt hat es sich eingependelt.“ Martin Kleinschmidt ist vor allem „sehr dankbar“, dass alle Bewohner bisher gesund geblieben sind. Doch die Angst, dass sich die Pandemie schlagartig ausbreiten könnte, bleibt. „Die Maske ist nicht das Belastendste“, sagt Aline van Proosdij. „Ich kann mit den Angehörigen weinen, wenn einer stirbt. Aber kommen Sie mal damit klar, wenn 20 auf einen Schlag sterben.“

Wenn sich Bewohner in Senioren- und Pflegeheimen mit Corona infiziert haben, ist das ein Alptraum für alle. Für die Menschen in den Heimen, deren Angehörige, aber auch für die Pflegekräfte, die sich jeden Tag um sie kümmern. Die seelische Belastung ist groß - auch in Heimen wie die Kranken- und Seniorenpflege KSP, wo sich noch kein Bewohner angesteckt hat. „Wir sind sehr dankbar, dass wir noch keine positiven Fälle hatten“, sagt Geschäftsführer Martin Kleinschmidt. „Wir machen das Maximum.

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