Schorndorf

„Plastikfrei – Scho dabei“: Wochenmarkt Schorndorf soll plastikfrei werden

Plastikfrei
Ganz vorbildlich: An Jürgen Eißeles Obst- und Gemüsestand lässt sich die Kundin ihre Einkäufe ins mitgebrachte Netz packen. © Gabriel Habermann

Es gibt Kunden, die auf Plastiktüten so großen Wert legen, dass sie schon angekündigt haben, nicht mehr auf dem Wochenmarkt einzukaufen, wenn Salat und Kartoffeln, Äpfel und Mandarinen in Papier eingepackt werden. Doch das ist die Minderheit: An der zum neuen Jahr vom Eigenbetrieb Tourismus und Citymanagement angestoßenen Klimaschutz-Kampagne „Plastikfrei – Scho dabei“ beteiligt sich nicht nur schon fast die Hälfte der Marktbeschicker, auch ein Großteil der Kundschaft ist offenbar bereit, mitzumachen. Und dabei sind die dünnen, auf dem Wochenmarkt üblichen Plastiktüten gar nicht verboten. Die auf eine EU-Richtlinie zurückgehende Novelle des Verpackungsgesetzes untersagt vom 1. Januar 2022 an lediglich die klassische Plastiktüte mit einer Wandstärke von 15 bis 40 Mikrometern, die im Einzelhandel üblich ist.

Eigene Netze, Taschen, Körbe und das gute, alte Einpackpapier

Auf dem Schorndorfer Wochenmarkt hat das Umdenken aber offenbar schon vor der Plastikfrei-Aktion begonnen. Seit etwa einem Jahr, sagt Stefanie Jeuter, kämen Kunden vermehrt mit ihren eigenen Stoffnetzen, Taschen, Körben und Rucksäcken an den Gemüsestand. „Das Bewusstsein hat sich geändert“, sagt Jeuter. Auch hinter dem Gemüsestand ist man längst auf Papiertüten und -taschen umgestiegen – und auf das gute, alte Einpackpapier. Dass das Obst und Gemüse aber in mitgebrachte Plastikschüsseln eingepackt wird, das hat sich an Jeuters Stand nicht bewährt, im Gegensatz zu allen anderen Alternativen: Die mitgebrachten Baumwollnetze lassen sich – sogar mit dickem Winterjacken-Ärmel – viel besser befüllen als die etwas engeren Papiertüten. Nur bei Kresse wird noch zur Plastiktüte mit Luftlöchern gegriffen. Aber die ist, sagt Stefanie Jeuter, „ auch ideal zum Frischhalten im Kühlschrank“.

Auch an Jürgen Eißeles Obst- und Gemüsestand, an dem ebenfalls das orangefarbene Plastikfrei-Zeichen hängt, kommen immer mehr Kundinnen und Kunden mit den eigenen Netzen und Taschen zum Einkaufen. Wer nichts dabei hat, bekommt die Ware auch in eine Papiertüte gepackt – aber die gab’s an Eißeles Stand auch vorher schon. Nicht anders ist es am Stand der Gärtnerei Stadelmann aus Winterbach: Auch hier wird Obst und Gemüse schon lange bevorzugt in Papiertüten ausgegeben – wenn die Kundschaft keine eigenen Taschen mitbringt. Überhaupt, hat Michaela Teegelbekkers beobachtet, legen viele Wochenmarktgänger grundsätzlich Wert darauf, beim Einkauf Plastikverpackungen zu vermeiden: „Eine Familie will sogar nicht mal Papiertaschen“, erzählt Michaela Teegelbekkers und bedauert gleichzeitig, dass die kompostierbaren Biomülltüten, die sie auch immer gerne ausgegeben hat, nicht mehr in der Biomülltonne landen dürfen, weil sie zu langsam verrotten.

An David Klingers Blumenstand möchte vor allem die ältere Kundschaft, dass die Sträuße ganz klassisch in alten Zeitungen eingepackt werden. Und auch wenn an Hans Ehlerts Biostand das orange Plastikfrei-Zeichen (noch) nicht hängt, Plastiktüten gibt es hier schon seit langem nur noch im Ausnahmefall – etwa für Ackersalat und Spinat, „weil die in Papier austrocknen“, sagt Ehlert, dessen ökologisch bewusste Kundschaft sowieso oft die eigenen Taschen zum Einkaufen mitbringt.

Erwünscht: Eigene Gefäße fürs Oliven, Schafskäse und Frühlingsrollen

Wird am Stand von Feinkost Maulick schon rege von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Oliven, eingelegte Tomaten und Schafskäse in mitgebrachten Glas- und Plastikschüsseln abfüllen zu lassen, wünscht sich Duc Nguyen diese Bereitschaft auch von den Kunden an seinem vietnamesischen Imbissstand – auch wenn es bei ihm, abgesehen von Restbeständen an Plastiktüten, sowieso nur Papiertaschen sowie Essensboxen und Schälchen aus unbeschichtetem Papier gibt. Im Moment ist es noch eine Minderheit, die das eigene Gefäß mitbringt. Das sollte sich ändern – vor allem, weil in Corona-Zeiten aus Hygienegründen viel mehr Verpackungsmüll anfällt: „Es geht doch darum“, sagt Nguyen, „möglichst viel Müll zu vermeiden.“

Darum soll die Plastikfrei-Aktion, wie Maite Galagorri, beim Eigenbetrieb für den Wochenmarkt zuständig, auch nicht einfach nur ein Trend sein, dem man für eine gewisse Zeit folgt. Vielmehr sieht sie darin einen wichtigen Schritt, den alltäglichen Plastikkonsum auf ein Minimum zu reduzieren und seine Lebensweise nachhaltig zu optimieren. Schließlich, gibt Galagorri zu bedenken, werden jährlich 300 Millionen Tonnen neues Plastik weggeworfen, wovon dann sieben Millionen in den Meeren landen.

Es gibt Kunden, die auf Plastiktüten so großen Wert legen, dass sie schon angekündigt haben, nicht mehr auf dem Wochenmarkt einzukaufen, wenn Salat und Kartoffeln, Äpfel und Mandarinen in Papier eingepackt werden. Doch das ist die Minderheit: An der zum neuen Jahr vom Eigenbetrieb Tourismus und Citymanagement angestoßenen Klimaschutz-Kampagne „Plastikfrei – Scho dabei“ beteiligt sich nicht nur schon fast die Hälfte der Marktbeschicker, auch ein Großteil der Kundschaft ist offenbar bereit,

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