Schorndorf

Polizeirevierleiter aus Schorndorf klärt auf: Was tun gegen Betrüger am Telefon?

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Betrüger lassen sich immer mehr Tricks einfallen, um an Geld zu kommen. © Pixabay

Kriminelle lassen sich ständig neue Wege einfallen, unbedarften Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Neuartige, hoch professionelle Betrugsmaschen zielen meist auf ältere Menschen ab. Dabei gehen die Methoden weit über den „klassischen“ Enkeltrick hinaus. Polizeirevierleiter Marc Henninger erklärt, mit welch kruden Methoden die Betrüger arbeiten und wie sich die Bevölkerung davor schützen kann.

Die meisten Betrugsringe agieren heutzutage aus Callcentern aus dem Ausland, erklärt Marc Henninger. Sie haben meist Mittäter in Deutschland und können gut Deutsch. Außerdem seien sie nicht selten psychologisch geschult. Man hat es in der Regel also nicht mit Kleinkriminellen, sondern mit hoch professionellen Betrügern zu tun, die sich vor allem auf Seniorinnen und Senioren eingeschossen haben.

Klassischer Enkeltrick funktioniert immer noch

Mittlerweile gibt es zahlreiche Maschen, von denen die Polizei immer wieder hört. Zum einen wäre da der relativ bekannte Enkeltrick. „Die Täter geben sich oft als Verwandte in einer finanziellen Notlage aus. Manchmal auch als Richter oder Staatsanwalt“, erklärt Marc Henninger. Im Oktober 2021 habe es auch in Schorndorf einen solchen Fall gegeben. Damals wurde einer Frau am Telefon glaubhaft gemacht, dass ihre Enkelin einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Eine Haftstrafe, so der Anrufer, könne durch eine Kautionszahlung verhindert werden. So holte ein angeblicher, der Frau völlig unbekannter Anwalt sage und schreibe 20.000 Euro direkt vor der Haustür der Frau ab. Das Fiese an der Geschichte: Die Dame konnte während des Telefongesprächs im Hintergrund sogar eine junge Frau sprechen hören und ging deshalb sofort davon aus, dass es sich um ihre Enkelin handelte.

Ebenfalls häufig kommen Betrugsfälle vor, in denen sich die Täter als falsche Polizeibeamte ausgeben. Sie erzählen ihren Opfern beispielsweise von einer Falschgeldprüfung, weshalb die Opfer ihnen sofort ihr Bargeld übergeben sollen. Oft passiere das direkt an der heimischen Haustüre. Marc Henninger erzählt, dass in diesem Jahr ein 82-jähriger Mann auf diesem Wege seine Bankkarte samt PIN an einen angeblichen Polizisten übergeben habe. „Der Täter sagte, dass die Karte des Mannes kopiert worden sei“, erklärt Henninger. Ehe die Karte gesperrt werden konnte, fehlten 1000 Euro auf dem Konto des Seniors.

Im Schorndorfer Revierbereich wurden im Jahr 2021 ganze 15 Fälle falscher Beamter und 35 Enkeltrick-Betrüger gemeldet. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nur um Fälle, die innerhalb Deutschlands zurückverfolgt werden konnten, so Marc Henninger.

Betrüger geben sich als Microsoft- und Europol-Vertreter aus

Eine unbekanntere Masche der Betrüger ist der Anrufer, der sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgibt. Er versucht, seine Opfer zu überzeugen, ihm per Teamviewer Fernzugriff auf den PC zu geben. „Die Täter sind findig und lassen sich jedes Mal neue Gründe einfallen.“ Erst im Februar habe eine Schorndorferin so 17.000 Euro verloren. Ebenfalls ein recht neues Phänomen sind die falschen Europol-Beamten oder Bankangestellten, berichtet Marc Henninger. Außerdem gebe es den klassischen Enkeltrick mittlerweile auch über Whatsapp. Die Vorgehensweise sei bei all den Methoden im Großen und Ganzen aber immer die gleiche.

Eine Masche, die auch auf jüngere Menschen abzielt, sind falsche Erben. Der Polizeirevierleiter erzählt von einer jungen Frau, die von einer angeblichen Bank angeschrieben wurde. „Ihr wurde gesagt, dass sie auf den Philippinen 15 Millionen Euro geerbt hat.“ Alles, was sie tun musste, war, die Anwaltskosten von 38.000 Euro vorab auf ein Konto zu überweisen. Gemeldet hat sich dann nie wieder jemand. Auch wenn diese Geschichten bei vielen für Kopfschütteln sorgen werden, darf man die Betrüger nicht unterschätzen. Laut Marc Henninger sind diese perfekt darauf geschult, nach und nach Druck auf ihre Opfer auszuüben. „Die Leute werden derart psychisch bedrängt, dass sie nicht mehr klar denken können.“

Wie schütze ich mich?

Doch gibt es Möglichkeiten, sich davor zu schützen? Marc Henninger betont, dass eine grundsätzliche Skepsis nie schaden kann. „Mir würde kein Grund einfallen, warum mich jemand am Telefon nach meiner Bankverbindung und TAN fragen sollte.“ Außerdem solle man keine fremden Personen in sein Haus lassen und von angeblichen Beamten immer den Dienstausweis verlangen. „Weder am Telefon noch persönlich darf man Angaben zur eigenen finanziellen Situation machen“, sagt Marc Henninger. Bei einem Betrugsanruf ist am allerwichtigsten, sofort aufzulegen und die Polizei zu informieren. Weil sich viele Menschen dafür schämen, betrogen worden zu sein, werden viele solcher Fälle nie zur Anzeige gebracht. „Vor uns muss sich aber keiner schämen. Wir wollen helfen“, betont Marc Henninger.

Kriminelle lassen sich ständig neue Wege einfallen, unbedarften Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Neuartige, hoch professionelle Betrugsmaschen zielen meist auf ältere Menschen ab. Dabei gehen die Methoden weit über den „klassischen“ Enkeltrick hinaus. Polizeirevierleiter Marc Henninger erklärt, mit welch kruden Methoden die Betrüger arbeiten und wie sich die Bevölkerung davor schützen kann.

Die meisten Betrugsringe agieren heutzutage aus Callcentern aus dem Ausland, erklärt

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