Schorndorf

Problemkreuzung: Linksabbiegen bleibt verboten

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Verkehrsführung geändert – mindestens noch bis Jahresende: In die Nicolaus-Otto-Straße geht’s von der Benzstraße aus nur über den Umweg Augustenkreisel. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Problemkreuzung Nicolaus-Otto-/Benzstraße: Viermal bestimmt hat der Verkehrsbeirat, zum wiederholten Mal jetzt auch der Technische Ausschuss über die von der Polizei als Unfallschwerpunkt eingestufte Kreuzung diskutiert. Um die Situation zu entschärfen, ist seit März das Linksabbiegen auf der Benzstraße verboten. Da die von der Stadt favorisierte Ampellösung im Technischen Ausschuss durchfiel, bleibt das Provisorium jetzt trotz anderslautender Gutachterempfehlung bestehen.

Eigentlich hätten sie sich zwischen zwei Varianten, einer Ampel- und eine Kreisverkehrlösung, entscheiden sollen. Tatsächlich favorisierten die Mitglieder des Technischen Ausschusses aber sehr deutlich eine dritte Lösung: An der Kreuzung Nicolaus-Otto-/Benzstraße soll alles so bleiben, wie es im Moment ist. Schließlich seien, seitdem die Stadt im März 2018 versuchsweise die Linksabbiegerspur auf der Benzstraße für Verkehrsteilnehmer gesperrt hat, die aus Richtung Schlachthaus kommen, keine Unfälle mehr passiert. Und das war davor ganz anders: Nachdem sich dort allein vergangenes Jahr 17 Unfälle ereignet haben, hat Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich auf Druck der Polizei gehandelt.

Geldausgeben, „nur weil manche Autofahrer zu blöd sind“

Dass der Verkehrsversuch zur Dauerlösung wird, das freilich war nicht in seinem Sinne. Hemmerich hätte am liebsten eine Ampellösung, vor allem, weil es dort schon eine stillgelegte Lichtsignalanlage gibt. Die Reaktivierung wäre – im Vergleich zur 450 000-Euro-Kreisellösung – relativ günstig zu haben. Den Stadträten sind die veranschlagten 46 000 Euro plus jährliche Unterhaltungskosten von 2500 Euro aber dennoch zu viel. Nachdem schon einige Mitglieder des Technischen Ausschusses kundgetan hatten, dass sie an einer Änderung des Status quo kein Interesse haben, fand SPD-Rat Klaus Reuster deutliche Worte: „Ich seh’s nicht ein, dass wir 50 000 Euro ausgeben, nur weil manche Autofahrer zu blöd sind.“

Hofer: Alle Absperrungen abbauen

Doch deutlich waren auch schon seine Vorredner: FPD/FW-Rat Konrad Hofer wiederholte das, was er auch im Verkehrsbeirat schon oft gefordert hatte: Statt der von Stadt und Polizei favorisierten Ampel möchte er am liebsten alles so belassen, wie es ist – oder besser noch: Alle Absperrungen, die nur dazu geeignet sind, Autofahrer zu irritieren, abbauen. Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel findet das jetzige System – ohne Linksabbiegerspur auf der Benzstraße – gut. Die Anzahl der Fahrzeuge, die tatsächlich von der Benzstraße linksabbiegen wollen und jetzt den Umweg über den Augustenkreisel nehmen müssen, hält er mit im Schnitt 16 in der Stunde für „überschaubar“. Wegen ihm könnte die als Versuch gestartete Lösung Bestand haben. Was an den beiden anderen Lösungen besser sein soll, das kann auch SPD-Rat Marcel Kühnert aus dem Verkehrsgutachten, das er auch wegen der vielen Rechtschreibfehler kritisierte, nicht entnehmen. Jan Grube vom Fachbereich Stadtentwicklung und Baurecht brachte es auf diesen Punkt: Variante 1, also die Ampellösung, wurde vom beauftragten Ingenieursbüro deshalb favorisiert, weil es „noch sicherer ist“.

Appell zu mehr Flexibilität

Gemeinsames Ziel sei, stellte Hermann Beutel nach einem erneuten Plädoyer Hemmerichs für die Ampellösung fest, dort Unfälle zu verhindern. Das sei erreicht. „Und nur, weil sich die Verwaltung auf die Ampel festgelegt hat, muss man das nicht stur durchziehen.“ Der Appell zu mehr Flexibilität zeigte offenbar Wirkung: Nach Rücksprache mit seinen Kollegen aus der Verwaltung lenkte Hemmerich ein und machte einen Vorschlag zur Güte: Der Status quo soll beibehalten und bis Jahresende weiter beobachtet werden. Sollten dort allerdings wieder Unfälle passieren, dann würde die Stadtverwaltung die Ampellösung auch ohne eine Befragung der Gremien realisieren.

Diesen Gesinnungswandel konnte CDU-Rat Hans Böhringer nur begrüßen: Als das Linksabbiegen noch auf einer mit Leitschwellen abgegrenzten Spur möglich war, sei er in vielen Gesprächen in der Stadt angesprochen, ja manchmal sogar angeschrien und beschimpft worden. Seitdem die Linksabbiegespur auf der Benzstraße gesperrt ist, ist Ruhe: „Die Leute akzeptieren das.“


Innenstadtring und Ampellösung

Das Votum des Technischen Ausschusses nahm Dr. Heinz-Jürgen Koppmann, der fürs Seniorenforum in beratender Funktion an der Sitzung teilnahm, „erstaunt zur Kenntsnis“: Habe sich der Verkehrsbeirat – wenn auch mit knapper Mehrheit – in seiner jüngsten Sitzung doch für die Ampellösung ausgesprochen.

Und für die Ampellösung spricht eigentlich auch das Zukunftsszenario Innenstadtring: Für den Verkehrsentwicklungsplan, den die Stadt Schorndorf der Öffentlichkeit noch vorstellen will, wird im Moment ein Netzmodell geprüft, nachdem ein Innenstadtring über die Graben- und die Nicolaus-Otto-Straße führen könnte. Und dann bräuchte es nach Einschätzung von Manfred Beier, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht, im Hinblick auf ein höheres Verkehrsaufkommen an dieser Stelle sowieso eine Ampellösung.