Schorndorf

Prozess am Landgericht: Exorzist soll Mädchen vergewaltigt haben

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Stuttgart/Schorndorf. Einen eigenartigen Fall verhandelt zur Zeit das Landgericht: Ein bosnischer Heiler soll in Stuttgart und in Schorndorf mehrfach ein heute 18-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Der Anwalt erklärt, der Mann sei „unschuldig“, er habe eine altertümliche, exorzistische Behandlung durchgeführt.

Die Eltern des vermutlich chronisch kranken Mädchens haben den Mann aus Bosnien hergerufen. Der Auftrag: Die Tochter, die auch Probleme in der Schule hatte, solle geheilt werden. Der Mann, der vor dem Landgericht aussagt, er sei Kaufmann, wird vom Staatsanwalt als islamischer Geistlicher, Heiler und Exorzist bezeichnet.

Er wollte ihren "Dämon" austreiben

Und entsprechend, so die Anklage, soll er sich dem Mädchen gegenüber verhalten haben. Er habe ihr über Stunden aus dem Koran vorgelesen und sie nachsprechen lassen. Er habe ihr Wasser mit „Zusatzstoffen“ zu trinken gegeben. Und er wollte ihren „Dämon“ austreiben. Um das zu schaffen, sollte der „Dämon“ eifersüchtig werden. Und das sollte gelingen, indem der Mann das Mädchen begrapschte, ihr zwischen die Beine fasste, sich selbst auszog. Bei der Dämonenaustreibung soll es bis zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen sein, gegen den Willen des Mädchens, teilweise in der Wohnung der Familie in Feuerbach, mehrmals aber auch in der Schorndorfer Wohnung einer befreundeten Familie – die Feuerbacher Wohnung sei, so soll der Beschuldigte bemängelt haben, zu „hellhörig“.

Vorislamischer Exorzismus?

Das Verfahren gegen den Mann war schon im September 2016 begonnen, dann aber abgebrochen worden. Seit fast einem Jahr sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft, „unberechtigt“, wie sein Anwalt Martin Stirnweiss erklärt. Die Anklage sei ein „Fantasiewerk sondergleichen“ und schon in der ersten, abgebrochenen Verhandlung habe sich alles „erledigt“. Die Vorkommnisse um das Mädchen hätten in einer sehr schwierigen Grundsituation stattgefunden. Es gehe um eine Behandlung im sehr „altertümlichen religiösen Bereich“. Als „vorislamisch“ bezeichnet er diesen und vergleicht ihn mit den exorzistischen Behandlungen in der alten deutschen Vergangenheit. Der Effekt hätte durch die Interaktion in der Behandlung eintreten sollen. Das sei im letzten Prozess nicht berücksichtigt worden. Man habe vielmehr die Ausführungen seines Mandanten von vornherein für Unsinn gehalten. Einen „Eingriff“ in den Intimbereich des Mädchens habe es unzweifelhaft gegeben, doch der sei „behandlungsbedingt“ gewesen. „Er ist unschuldig.“

Der Fall ist bislang auf 39 Verhandlungstage angelegt und zieht sich bis September.