Schorndorf

Putzdienst nach dem Unterricht

Schule putzen
Geputzt wird an Schulen, doch die Zeit ist knapp: Extra-Einsätze – außerhalb des Boden- und WC-Programms – übernehmen auch schon mal aus lauter Verzweiflung die Lehrerinnen selbst. © filistimlyanin1 - Fotolia

Schorndorf. Lehrerinnen, die selbst Tische und Regale wischen. Kinder, die vor lauter Ekel nicht aufs Schulklo gehen. Sauberkeit an Schulen – für Steffen Schultheiß als Leiter des städtischen Gebäudemanagements ein immer wiederkehrender Aufreger. Und würde der Reinigungsetat auch deutlich erhöht, für ihn ist eines klar: „So sauber wie zu Hause, kann’s nicht sein.“ Doch es gibt in Schorndorf zwei Klassen von Schulen: Unzufriedene, in denen Putzkolonnen sauber machen, und zufriedene mit städtischen Reinigungskräften.

In der Schillerschule in Haubersbronn, der Miedelsbacher Otfried-Preußler-Schule und der Sommerrainschule in Schornbach ist die Welt noch in Ordnung: Von „sehr zufrieden“ bis „ganz toll“ und „wirklich sauber“ reichen die Antworten auf die Frage, wie es um die Sauberkeit bestellt ist.

Saubere Klassenzimmer und saubere Klos

Doch im Gegensatz zu allen anderen Schorndorfer Schulen putzen dort auch noch städtische Reinigungskräfte, die sich nach Auskunft der Rektorinnen verantwortlich und mit der Schule verbunden fühlen. Das ist für die Stadt teurer – und lässt sich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stuttgarter Putzkolonne, die in der europaweiten Ausschreibung vor einem Dreivierteljahr den Zuschlag für die Schorndorfer Schulen bekommen hat, nicht erwarten. Doch saubere Klassenzimmer und saubere Klos, das erwarten Schulleiter und Lehrerkollegium schon.

„Generelles Problem“: Putzkräfte mit wenig Bezug und Zeit

Wie unzufrieden die Lehrerinnen und Lehrer, aber auch die Eltern sind, wird auch an den Tagesordnungen von gleich zwei Veranstaltungen deutlich, die am heutigen Mittwoch stattfinden: Sauberkeit an Schulen ist Thema der Schulleiterdienstbesprechung und der Gesamtelternbeiratssitzung.

Und auch auf Nachfrage hält die Mehrzahl der Schulleiter mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg: So spricht Dieter Leins, noch bis Schuljahresende Rektor der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen, von immer wiederkehrenden Problemen und sieht in der mangelnden Sauberkeit an den Schulen „ein generelles Problem“.

„Das ist eine Kostenfrage“

Weil Putzkolonnen ohne Bezug zum Gebäude die Klassenzimmer und Toiletten sauber machen und nach Beobachtung von Leins auch immer weniger Zeit für ihre Arbeit bekommen, sind die Toiletten manchmal sauberer und manchmal nicht, fehlen immer wieder Handtücher und Seife, werden die Tische manchmal eine Woche lang nicht geputzt und die Böden nur bei Bedarf nass gewischt.

Bei Einführung der Ganztagsschule seien die Toiletten vor zehn Jahren noch zweimal täglich gereinigt worden, mittlerweile, klagt Leins, wurde der Rhythmus auf einmal pro Tag reduziert. Und dabei müsste der höheren Nutzungsintensität der Schule doch auch im Putzplan Rechnung getragen werden. Nach jahrzehntelanger Erfahrung hat sich Leins eine klare Meinung zum Thema gebildet: „Das ist eine Kostenfrage.“


Und tatsächlich: Würden die Toiletten in den Ganztagsschulen zweimal täglich gereinigt, käme das die Stadt auch doppelt so teuer, bestätigt Steffen Schultheiß als Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Insgesamt 600 000 Euro investiert die Stadt jährlich in die Sauberkeit der 13 Schulen, der Turnhallen und der Kindertagesstätte Wirbelwind – und ist damit nach Schultheiß’ Einschätzung im Vergleich der anderen Kreisstädte „gut aufgestellt“.

Zu dieser Unterhaltsreinigung, die von Fremdfirmen übernommen wird, kommt die einmal jährliche Sommerhauptreinigung sowie die jährliche Glasreinigung. Ansonsten ist mit der Reinigungsfirma eine zweistufige Systematik vereinbart: Zweimal die Woche gibt es eine Vollreinigung, dreimal die Woche wird auf Sicht geputzt, also nur nach Bedarf.

„Ich merk’ es an meiner Kleidung, dass es schmutzig ist“

Und genau da scheint das Problem zu liegen: Möchten Lehrer gerne, dass auch außerhalb des Putzplans am Nachmittag nass gewischt wird, wenn sich ein Kind im Klassenzimmer beispielsweise erbrochen oder eine zertretene Wurstscheibe einen dicken Fettfleck hinterlassen hat, passiert das in der Praxis eben häufig nicht.

Dreck, der vor allem in den Herbst- und Wintermonaten von den Schülern ins Schulhaus getragen wird, bleibt nach Beobachtung von Peter Hoffmann, Schulleiter der Gottlieb-Daimler-Realschule, immer wieder tagelang liegen. Das stört nicht nur die Lehrer: „Wir werden von vielen Eltern angesprochen“, sagt Harald Schur, Rektor der Künkelinschule, und fühlt sich im Schulhaus selbst nicht mehr richtig wohl: „Ich merk’ es an meiner Kleidung, dass es schmutzig ist.“ Die Sauberkeit der Toiletten, betont Schurr, sei nicht das Problem; aber die Klassenzimmer, die Gänge, ja das ganze Erscheinungsbild des Hauses.

„Qualitätsverschlechterung“ – im fünften Jahr der Fremdreinigung

Und dabei ist Sauberkeit aus Sicht des Rektors gerade in Grundschulen wichtig: Oft wird im Unterricht auch der Boden als Arbeitsfläche genutzt, es finden Lesenächte in den Klassenzimmern statt. Sauberkeit und Ordnung ist nicht zuletzt auch etwas, was die Lehrerinnen und Lehrer den Kindern in der Schule vermitteln wollen: „Es ist schwierig, bei solchen schlechten Bedingungen erzieherisch zu wirken“, sagt Schurr und spürt im fünften Jahre der Fremdreinigung eine Qualitätsverschlechterung – „es ist jammerwenig Zeit da“.

Und das führt an der Künkelinschule sogar dazu, dass Lehrerinnen selbst zum Putzlappen greifen, wenn Tische, obwohl extra nicht aufgestuhlt wurde, oder frei geräumte Regale mal wieder nicht sauber gewischt werden.

„Den Reinigungskräften auf die Finger zu schauen“

Eine Initiative, „die von der Stadt null erwartet wird“, kommentiert Steffen Schultheiß und sieht es als Aufgabe der Hausmeister, „den Reinigungskräften auf die Finger zu schauen“. Außerdem gebe es in seinem Amt mit José-Maria Soto-Suarez einen Mitarbeiter, der für die Sauberkeit an Schulen verantwortlich ist und Ansprechpartner bei Problemen ist.

Dass die Sauberkeit ein Etatproblem ist, will Schultheiß nicht bestätigen: „Ich kann für mehr Geld natürlich mehr reinigen lassen.“ Gleichzeitig habe aber jeder „eine eigene, gefühlte Sauberkeit“. Und dass es in der Schule so picobello wie zu Hause ist, „das ist nicht leistbar“.

Hygienisch einwandfreie, ausreichende Reinigung

Aus Schultheiß’ Sicht bietet die Stadt eine hygienisch einwandfreie, ausreichende Reinigung – verbunden mit der klaren Erwartung, „dass sich die Schüler auch beherrschen können“. Und eben nicht in den Toiletten in die Heizungen oder in die Ecke pinkeln. Überhaupt wundert’s ihn, dass es in Schorndorf Grundschulen gibt, in denen die Klassen immer sauber sind, und andere, in denen der ganze Papiermüll auf dem Boden liegt.

Dass sich Kinder ordentlich benehmen, das ist auch im Sinne der Eltern. Doch sie erwarten auch, dass die Schulen ordentlich sind. Und das scheint eben nicht immer der Fall zu sein: „Es gibt von Elternbeiräten mehrerer Schulen Mitteilungen an den Gesamtelternbeirat, dass es Verbesserungen bezüglich Sauberkeit und baulichen Zustandes der Sanitärräume bedarf“, sagt Christiane Schoch als Vorsitzende des Gesamtelternbeirates.

Im Max-Planck-Gymnasium wurden unter Eltern sogar Unterschriften gesammelt, die an den Gemeinderat weitergeleitet werden sollen. Und in Schülerbefragungen, weiß Elternvertreter Gerold Strathmann, stehe der schlechte Zustand der WCs immer an oberster Stelle.


Auch im Burg-Gymnasium ist eine Putzkolonne für die Sauberkeit zuständig, allerdings gelten wegen der Container, in denen während der Neubauphase der Unterricht stattfindet, Sonderkonditionen: „Die müssen öfter geputzt werden“, sagt Schulleiter Jürgen Hohloch und ist darum auch „grundsätzlich zufrieden“.

Dass Lehrer, wie das in anderen Schorndorfer Schulen der Fall ist, aber selbst zum Putzlappen greifen, das ist für Hohloch nicht nur ein Unding, sondern für Beamte gar nicht zulässig, weil „nicht amtsangemessen“.

Zufrieden ist auch Karin Ehlert, Rektorin der Schlosswallschule. Und dabei ist auch dort die Putzkolonne am Werk: Allerdings mit der Besonderheit, dass sich die beiden Reinigungskräfte offenbar verantwortlich für das Schulhaus fühlen: „Ich kann nicht klagen“, lautet darum Karin Ehlerts Kommentar.

Wirklich Glück scheinen aber vor allem die Schulen zu haben, in denen noch städtische Reinigungskräfte für die Sauberkeit verantwortlich sind. Und die Kindergärten: Dort sind die ungefähr 40 städtischen Reinigungskräfte nach Auskunft von Steffen Schultheiß vorwiegend im Einsatz.

Der Grund: „Für die Kleinsten in den U3-Gruppen muss es sauberer sein.“ Dass diese Reinigungskräfte auch noch an drei Grundschulen aktiv sind, hängt mit gewachsenen Strukturen zusammen. Außerdem ist nach Auskunft von Steffen Schultheiß erklärtes Ziel der Stadt, in diesem Bereich keine weiteren Stellen abzubauen.