Schorndorf

Q-Galerie Schorndorf: Lug und Trug von Langers Hand geplant

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Mit schlitzohrig gefälschtem Schuldbewusstsein: Der Urbacher Künstler Hardy Langer vor einem seiner Kuckuckseier. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wer war’s? Die Gerüchteküche brodelte. Schon kurz nach Eröffnung der nun zu Ende gegangenen Jahresausstellung des Kunstvereins zum auch gesellschaftspolitisch brandaktuellen Thema „Lügen und andere Wahrheiten“ vermehrten sich die Verwirrungen wie ein Virus. Einige Künstler distanzierten sich von mit ihrem Namen signierten und dort ausgestellten Werken und erklärten: „Die sind nicht von mir!“

„Drah die ned um, der Kunstfälscher geht rum!“ Insgesamt sieben Arbeiten, von denen niemand der Urheber sein wollte, hingen so als reingeschmuggelte Kuckuckseier in den Räumen der Q-Galerie. Eine Provokation oder nur eine Posse? Gar ein vertiefender Denkanstoß zum Thema mit schlitzohrig gewürztem Witz?

So oder so: Wer war’s? Diese Frage verlieh der Ausstellung zusehends einen besonderen Reiz. Man schaute und rätselte. Ein paar Verdächtige wurden raunend herumgereicht. Nichts Genaues zu wissen aber gaben auf insistierende Nachfrage selbst Insider des Schorndorfer Kunstbetriebs vor. Dann aber, zum Ende der Ausstellung, ein Anruf bei der Redaktion von Hardy Langer. Er teilte mit, man wisse nun, wer’s sei, und dass es dem Auslöser der Irritationen ein Anliegen wäre, sich selbst der Presse und damit dem Publikum zu offenbaren. Treffpunkt zum Foto- und Gesprächstermin in der Ausstellung.

Wir waren gespannt. Doch wer erschien? Nur einer: Hardy Langer.

Mit eulenspiegelnd krimineller Energie die Fälschungen eingeschleust

Der Maler und Grafiker ist selbst Mitglied des Kunstvereins. Und er mischt gern auf. Wir fragen: „Hardy, warum?“ Nun, erklärt Langer, „es hat sich angeboten. Ich wollte meine Kollegen herausfordern. Und ich habe gemerkt, dass es ein Riesenspaß sein kann!“ Dabei hat er einige Wochen Arbeit in sein Fälschungsprojekt gesteckt, kongenial die „Handschriften“ seiner Künstlerkollegen imitiert. Die waren dann damit konfrontiert, auf ihre Doppelgänger zu stoßen. Eine etwas unheimliche Begegnung.

Denn Langers - sagen wir - Nachahmung hat auch eine abgründig ernste Seite. Seine subversive Aktion ist geeignet, die Vorstellung des „Wahren“ und „Echten“ in der Kunst in den Strudel der Bodenlosigkeit zu reißen. Kann der Betrachter überhaupt noch seinen Wahrnehmungen trauen? Dass sich diese Fragen nun in der Ausstellung mit seinen „Fälschungen“ zuspitzen, war von Langer natürlich beabsichtigt. Um jeden Verdacht von sich abzulenken, hat er auch eine „gefälschte“ Arbeit von sich selbst aufgehängt. Sehr heikel!

Und so bleibt da ein etwas schaler Geschmack der Fragwürdigkeit. Ein sicher nicht geringer Teil des Publikums hat von Langers Intervention gar nichts mitbekommen und die gefälschten Werke für „echt“ gehalten, ist also getäuscht worden, ohne es mitzubekommen. Es konnte also gar nichts aus der Aktion lernen. Das ist so schade, wie es zugleich Hardy Langers aufklärerische Absicht in die Nähe brachte, zu einem etwas schalen Insider-Joke zu zerbröseln.

Vermittlung und Diskussion? Außer bei einigen Führungen: Fehlanzeige. Geplant war, das Thema mit Langer und einigen der betroffenen Künstlerinnen und Künstlern anlässlich der Finissage der Ausstellung öffentlich zu verhandeln. Das hätte sehr spannend werden und dem brennenden Anliegen der Ausstellung einige durchaus heikle Perspektiven hinzugewinnen können.

Das Publikum spielte teilweise Detektiv und suchte nach Original und Fälschung

Wie lügen die Bilder? Haben sie mit ihrer digitalen Reproduzierbarkeit und Verbreitung nicht eh schon ihren genauen Orts- und Zeitstempel verloren? Und was bedeutet noch eine Signatur, mithin die Autorschaft eines Werkes? Wie vieles, fiel auch diese notwendige Schlussveranstaltung den Corona-Beschränkungen zum Opfer.

Dennoch setzte diese Schau einiges in Gang. So spielte so mancher des informierten Publikums lustvoll Detektiv und suchte nach Original und Fälschung. Entspannt auch die Haltung einiger der gefakten Künstler. Renate Busse hat gleich nach Eröffnung einen roten Punkt an „ihr“ Bild angebracht. Sie wollte es kaufen und bekam es nun wie alle „Opfer“ von Langer geschenkt. Souverän auch die Reaktion von Hartmut Ohmenhäuser, der sich von Langers Werk in seinem Namen zu einem „Original“ inspirieren ließ, auf dem er sich kein X für ein U vormachen ließ. Kunst schillert.

Wer war’s? Die Gerüchteküche brodelte. Schon kurz nach Eröffnung der nun zu Ende gegangenen Jahresausstellung des Kunstvereins zum auch gesellschaftspolitisch brandaktuellen Thema „Lügen und andere Wahrheiten“ vermehrten sich die Verwirrungen wie ein Virus. Einige Künstler distanzierten sich von mit ihrem Namen signierten und dort ausgestellten Werken und erklärten: „Die sind nicht von mir!“

„Drah die ned um, der Kunstfälscher geht rum!“ Insgesamt sieben Arbeiten, von denen niemand

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